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Auch bei Flaute geht’s irgendwie voran

Auch bei Flaute geht’s irgendwie voran

Mit kritischem Blick schaut Peter Popp von der Wassersportschule Oberlausitz hinüber auf das Boot. Mit der Stoppuhr in der Hand gibt er Hinweise, wie Manches noch besser laufen kann. Foto: fum

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Der elfjährige Henry übt sich in seinem „Optimist“. Auch bei nur geringem Wind nimmt das Segelboot Fahrt auf. Foto: fum

Segeln können sie schon, doch bis zur Meisterschaft fehlt noch ein gutes Stück. Im Segelzentrum der Wassersportschule Oberlausitz am Quitzdorfer Stausee drücken Freizeitkapitäne deshalb regelmäßig die Schulbank und lassen sich von Peter Popp Tricks und Kniffe im Umgang mit den Booten erklären.

Kollm. Irgendwie scheint er ein bisschen kaputt zu sein in seinem kleinen Boot. Die Sonne scheint, es ist unerträglich heiß an diesem Tag. Henry sitzt auf dem Boden im „Optimist“ – so nennt sich diese Bootsklasse. Und Optimismus braucht er auch, will er an den Besatzungen der beiden größeren Segler vom Typ Ixylon vorbei ziehen, deren Insassen nur ein paar Meter entfernt von ihm auf die Hinweise von Peter Popp hören. Der Chef der Wassersportschule Oberlausitz, der in Kollm ein Segelzentrum betreibt, ist sozusagen „mit allen Wassern gewaschen“, hat selbst Meisterschaften absolviert und Titel einkassiert. Nun gibt er seine Erfahrungen weiter. Das Segelrevier auf dem Stausee Quitzdorf ist dafür ein nahezu idealer Ort. „Hier haben wir die Ruhe, die wir brauchen, um individuell an den Stärken und Schwächen der Einzelnen zu arbeiten.“

Dazu gehören auch Henrys Vater Holger Krause, der mit seinem Filius extra den weiten Weg aus Ueckermünde auf sich genommen hat. „Wir sind in unserer Heimat zwar im Segelverein, der Lerneffekt ist aber nicht zu vergleichen.“ Im Normalfall begeben sich Krause junior und senior in der Woche für eineinhalb oder maximal zwei Stunden ins Segelboot oder feilen an ihren Fähigkeiten im Wurfleine werfen und Knoten binden – den anderen beiden Disziplinen des Jollenmehrkampfes, bei dem sie unbedingt an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen wollen. Im Segelzentrum Kollm dagegen gibt es einen Crashkurs: Eine Woche lang von morgens bis abends – trainieren an Land oder auf dem See. „Vier Tage mit jeweils zehn Übungsstunden – das ist eine wahnsinnige Intensität“, findet der Mann von der Küste. Und ergänzt: „Zu Hause muss ich von Woche zu Woche immer wieder neu nachdenken, wie denn die verschiedenen Knoten funktionieren. Hier mache ich das komprimiert, da prägt sich das viel besser ein.“

Genauso scheint das bei seinem elfjährigen Sohn zu sein, der über den Fußball zum Segeln fand und seine Liebe für den Wassersport unter den Fittichen von Peter Popp bestätigt sieht. „Für mich ist hier alles interessant. Vor allem im Knoten binden habe ich mich schon stark verbessert“, schätzt er ein. Und er lernt, wie man auch bei „Leichtwind“ voran kommt – so der korrekte Begriff für eine fast vollständige Flaute. Gegen die beiden Ixylons hat er an diesem Tag zwar nichts zu bestellen, aber das liegt nicht ausschließlich an den unterschiedlichen Fähigkeiten der Segler, sondern vor allem an der verschieden großen Segelfläche.

Allerdings haben die beiden Besatzungen dem Jüngsten der Trainingsgruppe an Erfahrungen einiges voraus. Mit bei Henrys Vater im Boot sitzt der 15-jährige Emanuel. Er ist mit seinen Eltern aus Niederbobritzsch bei Freiberg nach Kollm gekommen. Das Boot mit der höchsten Geschwindigkeit besetzen Fabian Sämann aus Bautzen und Aurelia Kalz aus Zittau, die das Kollmer Segelzentrum leitet, zusammen mit ihrem Bootspartner aber im nächsten Jahr an den Deutschen Meisterschaften im Jollenmehrkampf teilnehmen soll. „Wenn wir weiter konzentriert arbeiten, haben die Beiden eine gute Chance“, findet Popp – nicht ohne immer wieder neue Tipps übers Wasser zu rufen.

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Knoten binden nach Zeit – das ist eine von drei Disziplinen im Jollenmehrkampf. Der 15-jährige Emanuel beherrscht sie schon recht gut. Hinzu kommen noch Segeln und Wurfleine werfen.Foto: fum



Ein Trainingstag bei ihm hat auch in der Ferienzeit nur bedingt etwas von Erholung zu bieten. „Zwischendurch gibt’s mal einen Keks oder etwas zu trinken“, schmunzelt er. Sonst aber herrscht ein straffes Zeitregime. Nach dem Aufstehen ist morgens noch vor dem Frühstück eine Runde Erwärmung angesagt, dann geht es aufs Wasser, in den Kraftraum, an die Wurfleine oder auf die Knotenbahn. Wenn gegen 21.00 Uhr die Tagesauswertung endlich Geschichte ist, ist keinem der Teilnehmer mehr nach Party zumute. Dann geht’s ins Bett! „Wir finden das aber völlig okay“, sagt Emanuels Mutter Sabine Schynschetzki. Nur so könne man ordentlich lernen – und ihr Sohn sei schließlich total happy. „Das Konzept ist pädagogisch sehr gut aufgebaut. Die beiden Kinder, ich denke aber auch die Erwachsenen, sind mit großer Lust dabei.“

Zufrieden ist Peter Popp vor allem mit seinem Spitzenboot. „Die beiden sind als Einzelpersonen technisch und seglerisch schon sehr weit. Nun kommt es darauf an, sich als Team weiter zu formieren. Die Handgriffe müssen sitzen. Das ist ein Prozess, der sicher noch einige Zeit dauern wird.“ Wie gut Aurelia und Fabian bereits sind, beweisen sie kurze Zeit später auf der Knotenbahn. Rund zehn verschiedene Seemannsknoten sind zu knüpfen – auf Zeit natürlich. Die Beiden fliegen geradezu über die Strecke, flinke Handgriffe wechseln sich mit Sprüngen zum nächsten Seil ab. „Wenn sie das bei den Titelkämpfen auch so gut hinbekommen, sind sie vorne mit dabei“, frohlockt der Trainer, spendet jedem ein paar aufmunternde Worte und bittet dann wieder zum Einsteigen in Optimist und Ixylon. Auf geht’s – zwischen Landungssteg, weißer und blauer Boje.

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Frank-Uwe Michel / 21.08.2017

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