Ex oriente lux – Görlitzer Schlesiertreffen kommt 2028

Evelin Scholz vom sächsischen Landesverband der Landsmannschaft verkostet „Landeshuter Kreppel“, die Armin Hübner aus Horka kreiert hat. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Vorstandsmitglieder der Schlesier aus Sachsen und Berlin-Brandenburg tagten gemeinsam in der Ruhmeshalle (Dom Kultury). Vorne links Carolus Metzig,ârechts Friedemann Scholz. In der Mitte Bäcker Armin Hübner aus Horka. Foto: Till Scholtz-Knobloch
Görlitz.Ein Schlesiertreffen in Görlitz ist in greifbare Nähe gerückt. Im Juni 2023 hatte der Niederschlesische Kurier in seiner Titelgeschichte über das einst zehntausende Menschen mobilisierende „Deutschlandtreffen der Schlesier“ in Hannover unter dem Titel „Hannover 2023 als Plädoyer für Görlitz“ berichtet. Die ungeschönte Darstellung über gähnende Leere nach dem weitgehenden Aussterben der Vertriebenengeneration fernab von Schlesien kam beim Bundesverband der Landsmannschaft Schlesien damals gar nicht gut an.
Innerlich haben sich die einst auch politisierenden Verbände längst zu Expertengruppen mit Wissen über Heimatregionen gewandelt und sind in diesem Wirken für viele polnische Wissenschaftler oder Schulen ein Reservoir an Zeitzeugen und Experten, das die Leidenschaft für die gleiche Heimat teilt. Die Landesverbände Berlin-Brandenburg sowie „Sachsen-Schlesische Lausitz“ der Landsmannschaft Schlesien wollen nun endlich ein großes Kulturtreffen aller Schlesier an der Nahtstelle der Lausitzer Neiße auf die Beine zu stellen. Diese historische Wegmarke im Zeitenwandel musste natürlich symbolisch an der Nahtstelle Schlesiens an der Neiße beraten werden – in Görlitz. Und zwar ganz bewusst auf polnischer Seite, so dass am Mittwoch ein Tagungsraum dazu in der Oberlausitzer Ruhmeshalle (Dom Kultury) angemietet wurde. Carolus Metzig, Vorsitzender der Schlesier in Berlin-Brandenburg, der übrigens einen Umzug nach Görlitz plant, stellt klar: „Da wir die beiden Landesverbände sind, die ein Stückel Schlesien in ihrem Gebiet haben, Sachsen natürlich weit mehr – in Brandenburg gibt es ja nur das kleine Stückel um Ruhland – haben wir gesagt: der beste Ort ist natürlich Görlitz. Im letzten Jahr waren wir in West-Görlitz und dieses Jahr in Ost-Görlitz.“
Für einen deutsch-polnischen „Tag der Schlesier“ peilt man eine Premiere 2028 in der Neißestadt an, „weil wir damit als Schlesier zeigen wollen, man kann das schlecht am Rhein oder in Bayern tun. So etwas macht man am besten in Schlesien, und zwar mit den Schlesiern, die heute dort leben“, so Metzig. Ein hannoversches Schlesiertreffen gibt es wieder 2027 vom Bundesverband, so dass man 2028 in keine Kollision komme. Zudem ruht alles auf dem Ehrenamt, da gelte es für eine substanzielle Mammutaufgabe auch eine realistische Vorbereitung anzugehen.
Um bei den heutigen Schlesiern besser zu punkten, würden Gespräche mit Bürgermeistern und Einwohnern nicht ausreichen. Die ganze Bandbreite der regionalen Kultur soll beteiligt werden – am besten bereits mit teilfertiger Stadthalle am Westufer und der Ruhmeshalle mit Amphitheater am Ostufer.
Als Appetithäppchen in voller Bandbreite schlesischen Lebens kreierte Bäcker Armin Hübner aus Horka einen ganz neuen schlesischen Pfannkuchen – den ’Landeshuter Kreppel’, den in Kürze die Landrätin von Landeshut (Kaminenna Góra) Malgorzata Krzyszkowska probieren soll. Die Zusammenarbeit mit Landeshut ist schließlich eine der am besten funktionierenden.
Zur Entstehung berichtet Armin Hübner: „Wir Schlesier sind sparsam – da wird nichts weggeschmissen. Als mir Mohn- und Eierlikör übrig blieb, habe ich gedacht, das passt zusammen und habe beides in meinen Pfannkuchen getan.“ Die Erstverkostung in der Ruhmeshalle war ein voller Erfolg. „Landeshut ist die einzige schlesische Stadt, die ein Schloss Kreppelhof hat und eine Kreppelhofstraße“, sagt Carolus Metzig. In Teilen Schlesiens heißen Pfannkuchen letztlich ’Kreppel’. Und um das Landeshuter Schloss gibt es die Legende einer mildtätigen Rittersfrau, die hungernde Landeshuter Kinder mit Kreppeln versorgte.
Mit den süßen Argumenten ist ein Anfang gemacht, meint Metzig, nun steht die Findung von Inhalten an. Ein Wechsel etwa von schlesischen Musik- und Tanzgruppen mit polnischen Vertriebenengruppen, Sorben oder Görlitz-Griechen könnte alle vereinen. „Aber auch jede andere Gruppe darf sich gerne bei uns melden“, betont Friedemann Scholz, der Chef der sächsischen Schlesier. Ob Handwerkliches, Sportgruppen, Literarisches oder etwas ganz anderes: Jeder ist nun aufgerufen, sich über kontakt.lmslvsn@ gmail.com mit Vorschlägen und Angeboten einzubringen.
Carolus Metzig drängt es noch einmal seine Philosophie festzuhalten: „Wir kommen als Suchende, als ernsthaft Fragende und wir kommen als Bittende, dass man uns unser Interesse abnimmt. Inter esse heißt ja auf Latein ’dazwischen sein’. Mit diesem Dazwischensein finden wir heute nun alle zusammen. Wir kehren zurück oder bleiben hier, weil wir alle diese unsere schlesische Heimat lieben, egal welcher Nation oder Konfession wir angehören. Ich sage das in hoher Ehrfurcht vor dem aktuellen Weg Polens. ’Ex oriente lux’ sage ich immer – ’Aus dem Osten (kommt) das Licht.’“