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Bautzen feiert seinen Frühling trotz Corona

Bautzen feiert seinen Frühling trotz Corona

Die Partyband „Jolly Jumper“ sucht wie viele andere Vertreter der Zunft nach Alternativen, um in der Virus-Krise nicht unterzugehen. Im ersten virtuellen „Bautzener Frühling“ haben die Jungs eine gefunden. Pressefoto

Kein Osterreiten. Kein Hexenbrennen. Kein Theatersommer. Kein „Bautzener Frühling“? Den hatten die Organisatoren aufgrund der voranschreitenden Corona-Pandemie bereits im März abgehakt. Doch jetzt Wochen danach sind sie noch einmal in sich gegangen. Das Ergebnis: Dass am Pfingstwochenende keinerlei Kultur in der Spreestadt geboten werden soll, ist für sie keine Option.

Bautzen.
Er ist so winzig, dass er sich lediglich mit Hilfe eines Elektronenmikroskopes betrachten lässt. Weil bislang kein Gegenmittel existiert und Menschen daher auf Abstand gehalten werden, bekommt er eine Kraft verliehen, die Grenzen sprengt. Der neuartige Corona-Erreger lässt wie kein anderer seiner Art zuvor zwei Welten miteinander verschmelzen – die analoge und die virtuelle. Diesen Umstand wollen sich in Zeiten von Schutzverordnungen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens nun auch das städtische Kulturbüro sowie das Amt für Pressearbeit und Stadtmarketing zu Nutze machen. Gemeinsam mit dem Steinhaus e.V. haben sie kurzerhand ein aufs Internet zugeschnittenes Programm ausgearbeitet. Somit feiert Bautzen vom 29. bis 31. Mai die Absage auf die Absage. Trotz Viren-Krise steigt Bautzens Volksfest – jedoch völlig anders als gewohnt und dennoch in vertrauter Weise.

Zahlreiche Auftritte im Netz geplant

Auf dem Buttermarkt wird zwar nicht getanzt, auf dem Hauptmarkt fließt kein Bier, und große Bühnen wird es nicht geben. Wer es sich aber zu Hause gemütlich macht, kann lieb gewonnene „Bautzener Frühlings“-Rituale pflegen. Über den Youtube-Kanal des Steinhaus e.V. wird an drei Tagen ein abwechslungsreiches Programm live übertragen. Wie gewohnt eröffnet eine der beliebtesten Partybands der Region am Freitag den Bautzener Frühling. Ab 20.00 Uhr sorgt „Jolly Jumper“ für gute Laune und einige Überraschungen. Das Beste: Zwei Fans dürfen bei der Übertragung dabei sein und das Konzert gemütlich – und mit ausreichend Abstand – auf einem Sofa an der Bühne verfolgen. Unter allen, die bis zum 25. Mai ein Partyfoto von einem Auftritt der Band per E-Mail an stadtmarketing@bautzen.de senden, wird dieses einmalige Konzerterlebnis verlost. Auch an den darauffolgenden Tagen animiert der Livestream zum ausgelassenen Feiern. „Ziel ist es, die digitale Veranstaltung in der analogen Welt zu feiern“, erklärte Rathaussprecherin Laura Ziegler den Hintergrund der Idee.

Weitere Livestreams: Samstag, 30. Mai: 17.00 Uhr Dusk, 18.30 Uhr Vin Diego, 20.00 Uhr Alec Trique, 21.30 Uhr Dr. Zoidberg, 23.00 Uhr Needlehopper. Sonntag, 31. Mai: 16.30 Uhr „Stojanov & The Syndicate“, 18.30 Uhr Literaturclub mit dem Programm „Bis(s)tro!“, 21.00 Uhr „Alexander Schmidt Band“.

Bautzener Band für den heimischen Garten

Die Corona-Pandemie zwingt indes auch Künstler zum Umdenken. Um nicht im Proberaum zu versauern, sind selbst Partybands wie „Jolly Jumper“ einmal mehr auf ihre Kreativität angewiesen. Weil etliche Veranstaltungen aufgrund staatlicher Einschränkungen bis auf Weiteres nicht stattfinden dürfen, müssen andere Wege beschritten werden, um am Ende nicht als Verlierer dazustehen. Der Manager der Formation und Ersatzschlagzeuger, Nino Richter, gab im Gespräch mit dem Oberlausitzer Kurier einen Einblick in den Corona-Alltag der Formation und einen Ausblick, worauf sich deren Anhänger demnächst freuen dürfen.

Herr Richter, Wie erleben Sie gemeinsam mit den Jungs die momentane Virus-Krise?

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Nino Richter: Uns trifft die derzeitige Krise wie auch alle anderen in der Veranstaltungs-, Dienstleistungs- und Vergnügungsbranche sehr hart. Sämtliche Aufträge und Veranstaltungen von Anfang März bis mindestens 31. August sind abgesagt worden. Da viele Events an eine Besucherzahl von mehr als 1.000 Personen geknüpft sind, trifft es inmitten der Open-Air-Saison inzwischen jeden gebuchten Auftritt der Band. Wir sind alle Berufsmusiker und leben von diesen Veranstaltungen. Daher trifft uns das mit voller Breitseite. Wir sind in der Branche tätig, denen zuerst der Saft abgedreht wurde, und denen auch erst als Letzte wieder die Möglichkeit gegeben wird, das kulturelle Leben stattfinden zu lassen, was für alle Beteiligten natürlich sehr schwer ist. Weiterführend sind auch bereits geplante Weihnachtsfeiern von Firmen für Ende November und den Dezember gecancelt worden, da auch sie zu kämpfen haben. Nicht wenige Unternehmen versuchen, diese schwierige Zeit, in der sie mitunter weniger Aufträge abzuarbeiten haben, mittels Kurzarbeit zu überstehen. Somit können wir nicht nur während der Zeit des Stillstandes unserem Musikerjob nicht nachgehen, sondern weitaus länger.

Wie behelfen Sie sich in der schwierigen Situation?

Nino Richter: Wir haben die ersten Wochen dafür genutzt, persönlich etwas zu entschleunigen. Daheim verbrachten wir viel Zeit mit der Familie. Dinge, die zuvor liegen geblieben waren, wurden aufgearbeitet. Mittlerweile bieten wir für Interessierte die Möglichkeit an, „Jolly Jumper“ als Trio zu buchen und sich exklusiv nach Hause zu holen – beispielsweise für Privatfeiern, Geburtstage, Hochzeiten oder Gartenpartys. Üblicherweise sind wir über das Jahr hinweg schon im Voraus für öffentliche Veranstaltungen gebucht. Vor Corona spielten wir auf so gut wie keinen privaten Veranstaltungen. Jetzt haben alle die Chance, uns für zwei Stunden ganz privat zu erleben. Darüber hinaus üben wir im Proberaum neue Titel ein, stellen Medleys um und bereiten uns auf die hoffentlich stattfindende Oktoberfestsaison vor. Musikalisch sind wir also weiterhin sehr kreativ, wenn auch zumeist noch hinter verschlossener Proberaumtür.

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Zu Pfingsten verlassen Sie nach längerer Zeit den Proberaum wieder, um den „Bautzener Frühling“, der in diesem Jahr erstmals völlig anders ausfallen wird als sonst, musikalisch einzuleiten. Wie muss man sich dieses Intermezzo vorstellen?

Nino Richter: Wir werden am 29. Mai ein Livestream-Konzert aus dem Steinhaus Bautzen senden. Uns gibt es dann 90 Minuten in einer Art Wohnzimmeratmosphäre über die Videoplattform YouTube zu sehen. Wenn wir schon nicht gemeinsam mit vielen Leuten auf dem Hauptmarkt feiern können, wollten wir zumindest auf diese Weise ihnen eine Alternative bieten. Unser Programm passen wir dementsprechend an. Es gibt neue Titel zu hören, die wir sonst nicht im Programm haben. Medleys haben wir extra dafür etwas umgestellt. Auf jeden Fall freuen wir uns sehr auf diesen Abend, an dem wir ab 20.00 Uhr online zu sehen sind. Natürlich hoffen wir, dass alle die, die wir sonst auf dem Hauptmarkt begrüßen konnten, dann vor den Rechnern sitzen. Unser Publikum erhält in dem Zusammenhang die Möglichkeit, aus einer Auswahl von Titeln ihren Favoriten zu bestimmen. Den werden wir dann auch spielen.

Inwieweit betreten Sie damit eventuell Neuland und wie ungewöhnlich könnte das für die Band werden?

Nino Richter: Reines Neuland betreten wir damit nicht. Unser Björn Martins beispielsweise hat bereits selbst mit seinen eigenen Titeln einen Livestream veranstaltet, der sehr viele Zuschauer an die Bildschirme lockte. Natürlich wird es für uns sehr ungewohnt sein, ohne Publikum auf einer Bühne zu stehen. Man erhält kein unmittelbares Feedback der Zuhörer, kann in keine Gesichter blicken und sehen, ob der Titel ankommt. Zudem gibt es keinen Applaus. All das, was eine tolle Atmosphäre für einen Musiker ausmacht, wird fehlen. Auf jeden Fall werden wir uns bemühen, ein abwechslungsreiches Programm zu spielen, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Was erhoffen Sie sich für die kommenden Wochen und Monate?

Nino Richter: Wir hoffen natürlich, dass sich die derzeitige Situation für alle Betroffenen schnellstmöglich normalisiert und es wieder Veranstaltungen geben darf. Es existieren strenge Bestimmungen und Vorgaben, um überhaupt kleinere Events durchführen zu können. Dies macht es für alle leider äußerst schwierig, unter den Bestimmungen des Abstandes und der Hygiene ein Fest zu veranstalten, was sich erst mit einer bestimmten Anzahl an Besuchern überhaupt rechnet. Zusätzliche Auflagen erfordern wieder zusätzliche Ausgaben, die erwirtschaftet werden müssen. Bis zum 31. August 2020 scheint das schier aussichtslos. In dem Zusammenhang stellt sich aufgrund der eingeschränkten staatlichen Unterstützung die Frage: Soll man sich für die Sicherung des Fortbestandes der Band mit Krediten verschulden, um die fälligen Verbindlichkeiten zu bezahlen? Vielen aus der Branche ist das unmöglich, das Darlehen wieder abzuzahlen. Die Kultur ist ein sehr sehr hohes und freies Gut in unserer Gesellschaft, was zur Lebensqualität und Lebensfreude enorm beiträgt. Diese muss unbedingt erhalten bleiben! Fest steht daher: Mit jeder Woche eher, in der Veranstaltungen wieder stattfinden dürfen, werden Existenzen gerettet und gesichert.

Roland Kaiser / 22.05.2020

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