Stolpersteine für die Familie Valentin

Hannah Knittel vom Stadtmuseum Löbau und Pfarrer Daniel Mögel putzten hier die Stolpersteine für Adolf und Helene Grünewald. Foto: Stadtmuseum Löbau
Löbau. Fast vier Jahre liegt es nun schon zurück, dass in Löbau die ersten Stolpersteine verlegt wurden. Seit September 2022 erinnern die beiden Messingplatten vor dem Haus am Altmarkt 4 an Adolf und Helene Grünewald. Nun kommen fünf weitere Steine hinzu.
Am Freitag, 20. März, um 14.00 Uhr, werden an der Buswendeschleife unterhalb des Landratsamtes auf der Georgewitzer Straße, direkt neben dem Gelände der ehemaligen Filzfabrik, Stolpersteine für die Familie Valentin verlegt. Der jüdische Kaufmann Simon Valentin gründete die „Georgewitzer Filzfabrik S. Valentin“ 1893 auf dem Gelände der ehemaligen Gruhl-Mühle. Hergestellt wurden technische Filze für Dichtungen oder Kesselumhüllungen, Schleif- und Polierfilze sowie auch Sohlenfilze und Schuhfutter. 1939 wurden die Valentins von den Nationalsozialisten gezwungen, ihre Fabrik an einen nichtjüdischen Besitzer zu verkaufen, unter dem realen Wert. Simon Valentin, seine Frau Mathilde und die vier Söhne verließen allesamt das Deutsche Reich, nachdem sie immer wieder Hetze und Diskriminierung erfahren hatten. So überlebten sie den Holocaust. Nach Kriegsende bemühte sich Albert Valentin, einer der Söhne, um Rückgabe der Fabrik, was ihm allerdings nicht gelang. Die Fabrik, deren Besitzer Fritz Bretschneider enteignet worden war, wurde in Volkseigentum überführt und hieß nun „VEB Georgewitzer Filzfabrik”. Nach 1990 wurde sie geschlossen. Ein Enkel von Simon Valentin lebt heute noch in den USA. Für ihn und seine Eltern werden im Juni in Görlitz drei Stolpersteine verlegt. Die fünf neuen Steine in Löbau erinnern an Simon Valentin, seine Frau und drei seiner Söhne. In Löbau kümmert sich seit mehreren Jahren eine Initiative darum, das Gedenken an die Löbauer Jüdinnen und Juden aufrecht zu erhalten. Sie war auch schon an der Verlegung der letzten beiden Stolpersteine maßgeblich beteiligt. Zur „Initiative Geschichte der Löbauer Juden“ gehören Vertreter aus städtischen Einrichtungen, den Kirchgemeinden sowie auch aus Löbauer Vereinen. Zur Finanzierung der Stolpersteine hat die Initiative ein Spendenkonto eingerichtet.