Blasmusik und Honig als Klammer eines Kulturraums

Die Dunajska Kapela präsentiert Volkstumssymbiose auf höchstem musikalische Niveau. Foto: PR
Görlitz. „Im Grunde fehlte bislang ein typisches Mitbringsel aus Görlitz“, stellt Gerde Weise von der Kulturservicegesellschaft als Organisator des Altstadtfestes fest und hat 2026 gleich auch für Abhilfe gesorgt. Ein Görlitzhonig als Mitbringsel soll das Fest zusätzlich versüßen und wird 2026 nun erstmals verkauft. Man habe – so die Selbstvermarktung – mit der Imkerei Lohse und KommWohnen 24 Bienenvölker in Königshufen, zwischen Ölberggarten und Kidronpark, zwischen Gartensparten und Gärten im Neubaugebiet Honig gesammelt. Görlitzer sei reich an Blumen und Blüten, so dass der „Görlitzer Festhonig“ einen Hauch von Wildrosen habe. „Uns ging es vor allem darum, einen leckeren Gruß aus Görlitz zu kreieren. Zum Altstadtfest haben wir tausende Gäste, viele Heimkehrer, denen wir Görlitz auf vielfältige Weise schmackhaft machen wollen und Honig gehört auf jeden Frühstückstisch. Bestenfalls beginnen Familiengründer von einem Leben in Görlitz zu träumen“, lautet also die offizielle Begründung für die neue Kreation.
Auch musikalisch wartet das Altstadtfest vom 28. bis 30. August – neben starker lokaler musikalischer Beteiligung – mit etwas Ungewöhnlichen auf. Als musikalischen Starbesuch bekommt Görlitz zum Altstadtfest Besuch aus Pressburg (Bratislava) – und was für einen. „Die Dunajska Kapela (Donaukapelle) zählt zu den herausragenden Blasorchestern Europas. Wer von ihrem Titel ’Europameister der Blasorchester’ liest, mag das für eine Marketing-Formel halten – im Fall dieses Ensembles handelt es sich um eine sachliche Beschreibung dessen, was vierzehn Musiker aus der slowakischen Hauptstadt regelmäßig auf internationalen Wettbewerbsbühnen erreichen“, charakterisierte die Kulturservicegesellschaft den musikalischen Fang.
Was die Dunajska Kapela so besonders mache, sei die Verbindung aus volkstümlicher Verwurzelung und musikalischer Präzision. Slowakische und mährische Blasmusiktraditionen würden hier nicht nostalgisch verklärt, sondern mit der Sorgfalt gespielt, die man von Konzertorchestern erwartet. Das Repertoire reicht von klassischen Blasorchesterwerken über böhmisch-mährische Pol-kas bis zu modernen Arrangements.
Pressburg spiegelt in besonderer Weise die Mischung vieler Traditionen wider. Die vom 13. bis ins 19. Jahrhundert mehrheitlich von Deutschen besiedelte Stadt war mit ungarischer und slowakischer Minderheit 1536-1783 ungarische Hauptstadt (ungarisch: Pozsony), nachdem die Krönungsstadt Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) türkisch-osmanisch besetzt worden war. Als Hauptstadt der Slowakei gelangte die Stadt später zu neuer Blüte. Blasmusik hat in der Slowakei wie in der Oberlausitz, in Schlesien oder in Mähren eine gemeinsame Wurzel. Sie ist die Musik des Mitteleuropas, die seit Jahrhunderten über Grenzen hinweg verstanden wird – auch dann, wenn sich Grenzen und Bevölkerungsmehrheiten änderten. Die Dunajska Kapela bringt diese gemeinsame Tradition zurück in die Stadt, in der sie immer zu Hause war.
Am Samstag eröffnet die Dunajska Kapela das Konzert am Nachmittag, dies läuft über in die Preisverleihung des Schwimmschafcups und führt damit den charakteristisch Görlitzer Brauch in eine internationale Klangkulisse hinüber. Am Sonntag öffnet das Orchester den letzten Festtag mit einem zweistündigen Mittagskonzert.
