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Menschen als Fackeln mahnen zum Frieden

Menschen als Fackeln mahnen zum Frieden

Hubertus Schwerk zeigt das Plakat für die Menschenkette für den Frieden. Er hat an seiner Wohnung in der Bautzener Altstadt eine weiße Friedensfahne gehisst.⋌Foto: Carmen Schumann

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Hubertus Schwerk zeigt das Plakat für die Menschenkette für den Frieden. Er hat an seiner Wohnung in der Bautzener Altstadt eine weiße Friedensfahne gehisst.

Der 21. September ist der Internationale Tag des Friedens. An diesem Tag soll in Bautzen ein Zeichen für den Friedenswillen der Bautzener gesetzt werden. Die Aktion „Menschenkette für den Frieden“ wird von einem 89-Jährigen organisiert.

Bautzen. Als Kind erlebte Hubertus Schwerk mit seiner Mutter und seinen Geschwistern den Angriff auf Dresden im Februar 1945. Die schrecklichen Bilder bekommt er bis heute nicht aus dem Kopf. „Nie wieder Krieg!“ ist für ihn daher keine hohle Phrase.

Der Frieden in Europa war schon lange nicht mehr so gefährdet wie jetzt. Das lässt dem pensionierten Architekten keine Ruhe. Bereits Anfang dieses Jahres entwickelte er die Idee, für den 21. September eine Menschenkette ins Leben zu rufen. Diese Idee hat nun Gestalt angenommen. Aus eigener Tasche finanzierte Hubertus Schwerk Plakate und Flyer, die derzeit im Stadtbild zu sehen sind und möglichst viele Menschen dazu animieren sollen, sich der Menschenkette anzuschließen.
Hubertus Schwerk hofft, dass mindestens tausend Menschen zusammenkommen, um die Kette zu schließen. Mit Postkarten richtet er eindringliche Appelle an die Jungen und Männer aus der Oberlausitz: „Wir lassen uns nicht zum Kriegsdienst einziehen. Wir wissen, dass aus Krieg nur neuer Krieg entsteht. Wir wollen im Frieden leben.“

Der Aufruf an die Alten lautet: „Wir haben böse Erinnerungen an Kriegs- und Nachkriegszeit. Wir sorgen uns um unsere Söhne und Enkel. Wir erleben wieder eine allgemeine Kriegvorbereitung.“
Und auch an die Kinder ergeht der Aufruf, sich mit den Eltern in die Menschenkette einzureihen: „Wir üben schon im Kindergarten, Streit nicht mit Fäusten auszutragen, sondern wir vertragen uns als Freundinnen und Freunde.“ Hubertus Schwerk resümiert: „Wir sind viele – wir sind die meisten. Unabhängig von unserem Alter, unserem Geschlecht, unserer Herkunft oder unserer Parteizugehörigkeit vereint uns die Sehnsucht nach Frieden!“

Hubertus Schwerk stammt aus Bautzen, sein Vater war ein bekannter Frauenarzt. Er erlernte bei Hentschke-Bau den Beruf des Bau- und Möbeltischlers und absolvierte dann ein Architekturstudium in West-Berlin. Sein Hauptaugenmerk als Architekt galt Krankenhausbauten. „Doch ein Bundeswehrkrankenhaus habe ich nie projektiert!“, unterstreicht Hubertus Schwerk.

Er engagierte sich schon früh in der Friedensbewegung und nahm an Demonstrationen gegen den Atomkrieg teil. Im Jahr 2000 kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Ob Schwerk am 21. September selbst teilnehmen kann, war zum Redaktionsschluss offen, da er sich nach einer Knieoperation in einer Reha befindet.

Botschaft aus Erfahrungen der Dresdner Bombennacht

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Mit diesem Plakat wirbt die Initiative für ihr Anliegen.

In einer Videobotschaft berichtet der 90-Jährige bereits umfassend aus seinen prägendsten Erinnerungen: „Vor 80 Jahren hat meine Mutter beschlossen, Bautzen zu verlassen mit ihren fünf Söhnen. Sie wollte nicht, dass der Älteste mit 16 Jahren zur Verteidigung der Stadt auf die Ortenburg befohlen wird. Wir fuhren dann nach Dresden. Am 13. Februar in der Nacht kam der erste Schub der vielen, vielen Tausend Flugzeuge. Und die entluden ihre Bomben, nachdem sie vorher den Himmel erleuchtet hatten mit sogenannten Christbäumen. Sonst hätten sie die Ziele nicht erkennen können. Das waren Fackeln in der Luft, die nur langsam heruntersanken. In unserem Keller kamen immer mehr Leute vom Neustädter Bahnhof rüber, weil der Bahnhof selbst angegriffen wurde. Und die Menschen flohen von dort. Wir hatten kaum Luft zum Atmen, die Wände haben gewackelt, der Fußboden hat gewackelt.

Am anderen Morgen sind wir wieder losgezogen in Richtung Westen. Die Stadt brannte lichterloh. Wir mussten über die Elbe rüber und die Brücke war zerstört. Nur ein überbreiter Stahlträger war überhaupt passierbar. Ich habe dort unten an der Elbe gesehen, wie Menschen wie Fackeln brannten. Phosphorbomben hatten sie erwischt. Das Phosphor entzündet sich auf ihrer Haut. Die Menschen springen ins Wasser, um es zu löschen. Sie kommen wieder hoch und sie brennen weiter. Und es geht so lange, bis sie ertrunken sind.

Wir sind auf der Mitte der Straße gelaufen. Weil die Häuser brennend inzwischen rechts und links einstürzten. Ich habe Menschen gesehen, die vom Feuer geschrumpft worden sind. Wie Zwerge hockten sie tot vor ihren Häusern. Es war schwer für meine Mutter mit dem zwei Monate alten Kind im Kinderwagen da durchzukommen.

Aber wir haben es geschafft. Wir sind heil geblieben. Ich habe viel erlebt in meinem Leben. Aber ich weiß, dass Krieg immer nur neuen Krieg hervorbringt. Und deshalb, Krieg nicht in meinem Namen.“
Die Veranstaltung geht auch auf eine Initiative von Beate Simmgen zurück. Aus ihrem Projekt „Straßenmusik für den Frieden“ ist der Friedenschor Bautzen hervorgegangen, der seit dreieinhalb Jahren montags von 17.15 bis 18.00 Uhr in der Reichenstraße auftritt.

Eine menschliche Brücke

Ausgangspunkt ist am 21. September der Wendische Kirchhof an der Michaeliskirche. Nach dem Friedensgebet um 16.15 Uhr beginnt um 16.30 Uhr dort die Versammlung, um 17.00 Uhr soll der Zug zur Friedensbrücke aufbrechen. Dort soll die Menschenkette gebildet werden, die möglichst über die Brücke und auf der anderen Seite zurück zum Wendischen Kirchhof führt. Gegen 18.30 Uhr ist die Verabschiedung vorgesehen. Am Wendischen Kirchhof sind nach dem Friedensgebet unter anderem ein Redebeitrag und das Verlesen der Versammlungsauflagen vorgesehen. Während der Menschenkette werden Beate und Reinhard Simmgen mit den Teilnehmern Friedenslieder singen.

Carmen Schumann, Till Scholtz-Knobloch / 19.09.2026

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