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Denkmaltag 2020: Hunderte auf den Beinen

Denkmaltag 2020: Hunderte auf den Beinen

Der ehemalige Lokführer Dieter Grosch im Führerhaus der Bautzener Museumslok: Am Denkmaltag stand er den Besuchern Rede und Antwort. Fotos: RK

Bautzen. Trotz Corona-Pandemie kann sich die Bilanz sehen lassen: Die Angebote zum diesjährigen Denkmaltag haben Hunderte Bautzener und deren Gäste dankend angenommen. Zwar fiel das Ereignis, das an jedem zweiten Septemberwochenende bundesweit begangen wird, aufgrund der Virus-Krise anders aus an der Spree. Der Neugierde vieler Besucher tat das jedoch keinen Abbruch. Auf dem Hof der Ortenburg informierte die Stadt über die „Vision Spreetor“. Nicht nur Videos, die das ehrgeizige Projekt in Szene setzten, flimmerten über diverse Monitore. Es gab auch Führungen durch das sanierungsbedürftige Langhaus und den Burgwasserturm, dessen Inneres ebenfalls einer Verjüngungskur unterzogen werden soll – vorausgesetzt das Vorhaben wird einmal Realität.

„Anschlag“ überschattet Informationsveranstaltung
 

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Am Fuße des Burgwasserturmes haben Unbekannte kaputte Flaschen eingegraben. Vertreter der Stadt dokumentierten die Untat mit dem Mobiltelefon.

Unter anderem sprechen die Visionäre, zu denen neben der Stadtspitze auch einzelne Stadträte, Bauunternehmer und Architekten zählen, vom Einbau eines Liftes, um einen barrierearmen Zugang herzustellen. Außerdem ist die Etablierung einer sogenannten Sky-Bar angedacht. Deren Gäste sollen zu gegebener Zeit einen unvergesslichen Blick aufs Spreetal serviert bekommen, während sie einen Cocktail schlürfen. Jedoch kommt das offenbar nicht bei jedem gut an, wie sich am Fuße des Turmes zeigte. Dort hatten laut Vertretern der Stadtverwaltung Unbekannte den Weg zur Eingangstür mit Scherben und zerschlagenen Flaschen präpariert, um auf diese Weise einen ungefährlichen Zugang unmöglich zu machen. Gar von einem „Anschlag“ war die Rede. Die Polizei sei vor Ort gewesen und habe sich selbst ein Bild gemacht. Außerdem seien Parkverbotsschilder verschwunden und der Bereich daraufhin zugestellt worden.

Indes begrüßten zahlreiche Spreestädter die Brückenbaupläne, wie sich auf dem Hof der Ortenburg zeigte. Ein Rentnerehepaar wünschte sich sogar eine zügige Umsetzung des Vorhabens. „Wir können uns gar nicht erklären, wie man etwas dagegen haben kann“, sagte der 80-jährige Bautzener. Auch im Familien- und Bekanntenkreis herrsche keine abweichende Meinung, fügte seine Frau hinzu.

Dampfross gucken und Rundfahrten mit dem Ferkeltaxi

Etwa zwei Kilometer vom Burghof entfernt hießen die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde zahlreiche Bahnliebhaber willkommen. Bis zu 700 Frauen, Männer und Kinder nahmen an der Packhofstraße die Museumslok in Augenschein. Diese war vor drei Jahren mit schwerer Technik vom Bahnhofsvorplatz an ihren jetzigen Bestimmungsort gebracht worden. Ehrenamtliches Engagement hatte dies ermöglicht. Ex-Lokführer Dieter Grosch, der einst selbst auf dem Dampfross lange Zeit seinen Dienst schob, erklärte den Interessierten das Führerhaus und beantwortete deren zahlreiche Fragen. So war unter anderem zu erfahren, dass die in den 80er Jahren ausrangierte Dampflok mehr als zwei Millionen Fahrkilometer auf dem Kessel hat. Laut Heiner Schleppers, der zusammen mit den Vereinsleuten die Veranstaltung im Süden der Spreestadt auf die Beine stellte, soll das gute Stück demnächst in Etappen vom Rost befreit werden. So nagte der Zahn der Zeit recht stark an der Zylinderverkleidung, für die sich bereits neue Bleche organisieren ließen. Um diese in ihre entsprechende Form zu bringen, bedürfe es jedoch professioneller Hilfe. Und die haben die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde vielleicht in Neukirch/Lausitz gefunden. Zumindest seien dort in Kürze Gespräche  mit einem Unternehmen aus der Metallbranche angesetzt, hieß es.

Höhepunkt ganz klar waren jedoch die Rundfahrten mit dem Ferkeltaxi, einem in schickem Türkis und Weiß gehaltenen Triebwagen, der extra für den Denkmaltag aus Löbau angerollt kam. Mit diesem ging es auf der Industriebahnstrecke vom Güterbahnhof aus bis zum Bahnübergang Wilthener Straße und wieder zurück. Links und rechts der Strecke bekamen die Reisenden Dinge zu sehen, die ihnen sonst verborgen bleiben. Die Vereinsmitglieder darauf angesprochen, ob es solche Triebwagenausflüge nun des Öfteren geben wird in Bautzen, gab es zur Antwort: Diese müssten stets anlassbezogen sein. Also wer weiß: Eventuell erfährt das Highlight für alle Bahnfans im nächsten Jahr eine Neuauflage. Zudem können sich die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde durchaus vorstellen, die Strecke bis auf das Werksgelände von Bombardier zu erweitern. Dies bedürfe aber im Vorfeld Absprachen mit dem Waggonbauunternehmen. Fakt ist allerdings: Der Verein will im Oktober die im Mai aufgrund der Corona-Pandemie abgesagten Maschinenhaustage in Löbau nachholen. Darüber informierte er während des Denkmaltages.

Krone-Verein bereit für den Veranstaltungsbetrieb
 

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Wolfgang Steidte und Utta Winzer in der neu hergerichteten Tanzbar im Krone-Gebäude.

Zu guter Letzt gibt es auch positive Signale aus der Stadthalle Krone. In der früheren Tanzbar trafen sich am Nachmittag die Mitglieder des Fördervereins, um als momentaner Betreiber des Hauses über die Strategie für die Monate bis zum Jahresende zu beraten. Während dieser Zeit ist die Ausrichtung von zwei Jugendweihefeiern im dafür hergerichteten Stadthallensaal vorgesehen. Zudem soll es Ende November eine Benefizveranstaltung des Steinhauses geben sowie eine Demokratiekonferenz wenige Tage zuvor. Auch das Forum „Bautzen gegen Extremismus“ hat vor Ort ein Dach überm Kopf gefunden.

„Am 1. Januar 2021 geht dann ein neuer Betreiber an den Start“, erklärte Utta Winzer, die sich jahrelang für die Wiederbelebung der Bautzener Krone einsetzte. „Der Förderverein wird sich aber weiterhin einbringen. Eine entsprechende Unterstützung bieten wir an. Das Hauptaugenmerk liegt dann jedoch in der Erarbeitung der Chronik des Hauses, für die wir gezielt Spenden sammeln werden.“ Wolfgang Steidte, der seit der Eröffnung der Stadthalle im Jahr 1967 dort lange Zeit als Kellner seine Arbeit verrichtete, beschrieb die bevorstehende Wiedereröffnung mit den Worten, es sei ein schönes Gefühl. „Ich wünsche mir, dass die Bautzener das Angebot annehmen, dass die Krone Beachtung findet und ausgelastet wird“, sagte er vor Beginn der Zusammenkunft, zu der sich lediglich geladene Gäste einfanden. „Das Haus war in der Vergangenheit zunehmend in Vergessenheit geraten, da es dort immer weniger Veranstaltungen gab.“ Das allerdings soll sich nun ändern.  

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Roland Kaiser / 13.09.2020

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