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Der Herr über alle Aggregatzustände

Der Herr über alle Aggregatzustände

Am 30. Juni wurde der Jahresrekord an Badegästen erreicht. Hier das 25-Meter- hinter dem großen Erlebnisbecken. Ganz hinten das Eisstadion. Foto: Waldbad

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Steffen Hanzig würde gerne vor dem Nieskyer Waldbad eine weitere Liegewiese nebst Spiel- und Beachvolleyballplatz anlegen. Er zeigt auf die dafür vorgesehene Stelle. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Die Urlaubsregion Oberlausitz-Niederschlesien besticht mit beeindruckenden Kulturdenkmälern und wechselvollen Panoramen zwischen Heide- und Teichlandschaften und dem Zittauer Gebirge. In dieser herrlichen Gegend lässt es sich in vielen Bädern und Seen jedoch auch ganz einfach im kühlen Nass herrlich planschen und schwimmen. Wir stellen Ihnen in der Ferienzeit in loser Folge einige schöne Badegewässer der Region vor.

Niesky. Ewig grüßt das Murmeltier, heißt es in einem bekannten Spielfilm, in dem der Hauptdarsteller den gleichen Tag immer wieder in neuen Variationen erlebt. Und auch mancher Nieskyer wundert sich das ganze Jahr über im Freizeitpark Niesky. „Den kenn ich doch noch irgendwo anders her“, denkt sich der ein oder andere, ohne den gedanklichen Bogen zu schlagen. Kein Wunder, Steffen Hanzig ist ihnen als derjenige bekannt, der im Waldbad im Sommer alles im Blick hat und dessen freundliches Gesicht man deswegen auch im Winter nicht aus dem Hirn verbannt hat. Und dann bringt man es dennoch nicht automatisch zusammen, dass man das gleiche Gesicht an ganz anderer Stelle im Freizeitpark in der Innenstadt zu anderer Jahreszeit wieder erblickt. Als Eismeister sitzt Steffen Hanzig ja ebenso im Sattel der Eismaschine und fegt in den Drittelpausen über das nun gefrorene Nass.

Und da gibt es sogar Zusammenhänge im Kreislauf, denn mit der verdampfenden Abwärme aus dem Kühlaggregat für das Eisstadion wird im Winter das Wasser in den Schwimmbecken länger oder auch gänzlich vor dem Überfrieren bewahrt. Steffen Hanzig ist eben Herr über alle drei Aggregatzustände (fest, flüssig und gasförmig) des Wassers und Eismeister und Bademeister in einer Person. Wobei sich ein Bademeister heute ja auch mit erweiterten Anforderungen Fachangestellter für Bäderbetriebe nennen darf. Nicht, dass ihn der volkstümliche Begriff Bademeister stören würde, aber in seiner smart-flapsigen Art sagt er: „Wieso Bademeister? Wir sind ja nicht in der Badewanne“.

Über die DRK-Wasserwacht und das Rettungsschwimmen hat der Nieskyer in den Freizeitpark Niesky gefunden und begann hier einst als Nebenjobber. „Für uns hier ist das eine tolle Sache, im Sommer wie im Winter Aufgaben zu haben. Die Arbeit für das Bad und das Stadion machen die Arbeit abwechslungsreich und zugleich das ganze Jahr über auch sicher“, stellt er fest.
Doch auch ohne Eisstadion ist das Dasein als Fachangestellter für Bäderbetriebe weit mehr als der von manchen angenommene „bezahlte Urlaub“.

Zu den Aufgaben der insgesamt drei Fachangestellten, die in Früh-, Spät- und Freischicht rotieren, gehört eben auch neben dem weiten Feld der Technik die Kassenabrechnung, Wasserproben mit Kontrollen des PH-Wartes und weitererer Indikatoren oder die Herrichtung und Bewässerung der Wiesen mit der Ausrichtung der Liegestühle. „Da ist eigentlich erst um 22.00 Uhr der Tag vorbei“, stellt Hanzig fest. Immerhin wird der Diensthabende morgens in Sachen Sauberkeit von einer Pauschalkraft unterstützt.
Apropos Sauberkeit: Im Nebengebäude mit den riesigen Filtertanks spricht Steffen Hanzig über die schleimige Brühe, die die Maschinen da mitunter hervorbringen. Ob er dann noch Lust hätte, selbst ins Wasser zu steigen? „Natürlich“, sagt er. Eben „weil wir im Schwimmbad so gut filtern, kann man ja morgens quasi aus dem Becken trinken. Ich weiß ja gerade, was in den Baggerseen eben nicht herausgefiltert wird“.

Ein paar Schritte weiter wird deutlich, dass die Arbeit weitere Facetten hat. An den Umkleidekabinen zeigt er, wo er gerne einen Durchbruch setzen würde. „Ich liege der Stadt und den Stadtwerken öfter damit im Ohr, dass wir auf der Wiese vor dem Bad einen Spielplatz für die Kleinen und einen Beachvolleyballplatz für die etwas größeren anlegen sollten“, sagt er in der Hoffnung, dass sich dafür eines Tages Geld findet.

Mit der umfassenden Sanierung der Eissporthalle mit Überdachung war auf der gegenüberliegenden Seite des Bades ein Spielplatz weggefallen. Hanzig sieht das auch als letztes Handicap des Waldbades. Die zweijährigen Lärmbelästigungen seien Vergangenheit, die lange Rutsche wieder hergerichtet und in der letzten Saison konnte auch der neue Imbiss eröffnet werden, der ja nur die nach Außen offene Rückseite des Imbiss’ im Eisstadions ist. Wo einst der Spielplatz lag, wurde eine befestigte Stelle für ein Feuerwehrfahrzeug angelegt. „Ich hatte angeboten, dass wir das einfach etwas tieferlegen und ich für die zeitweilige Nutzung darüber Grasnarben ausbreite“. Aber für die Feuerwehr sei das so vorgeschrieben, habe es damals gehießen. „Ich habe entgegnet, wenn die Feuerwehr in den Wald zum Einsatz fährt, stört sich auch niemand darüber, wenn das Fahrzeug dann auf Schotter steht“, meint der Nieskyer lakonisch und mitdenkend. Als am 30. Juni mit 1.722 Gästen der Besucherhöhepunkt in diesem Jahr erreicht wurde (am 11. Juli 2010 wurde der Allzeitrekord mit 1.926 Gästen aufgestellt), schimpfte Hanzig im Umfeld des Bades: „Ihr könnte doch keine Knöllchen verteilen“, da man in Sachen Parkplätzen auch auf solche Spitzenwerte vorbereitet sein müsse. An den Wochenende soll nun zusätzlicher Stellplatz beim Stahlbau zur Verfügung stehen, lediglich die Schilder für die entsprechende Parkregelung seien noch nicht fertig. Mit seiner Schlagfertigkeit hat Hanzig aber auch die Ordnung im Bad stets im Griff. Wer im jugendlichen Übermut aus der Reihe tanze, erhalte schon mal 1, 2, 3 Stunden Rutschverbot oder wenn es sein müsse auch mal eine Woche – „und tschüss“, wie er sich nicht verkneifen kann anzufügen.

Stillstand gibt es für den Objektleiter ohnehin nicht, wenn Ende August die Badesaison zu ende geht, sofern eine Hitzewelle diese nicht ohnehin verlängert. Im Oktober starten ja bereits die Vorbereitungen auf das Eis für den Herr über die Aggregatzustände.

Till Scholtz-Knobloch / 31.07.2019

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