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Ein Stück Tirol im Riesengebirge

Ein Stück Tirol im Riesengebirge

Tiroler Häuser kann man unweit von Hirschberg (Jelenia Gora) im Riesengebirge entdecken. Über ihre Geschichte erzählt eine Ausstellung in Reichenbach. Foto: Zbigniew Kulik

Ab dem 28. September ist im Reichenbacher Via-Regia-Haus die Ausstellung „Die Zillertaler im Riesengebirge“ zu sehen.

Reichenbach. Die Ausstellung wurde anlässlich des 180. Jahrestages der Ankunft der evangelischen Tiroler aus dem Zillertal im Riesengebirge durch das Museum für Sport und Touristik des Riesengebirges in Krummhübel (Karpacz) organisiert. Durch Unterstützung der Woiwodschaft Niederschlesien und des Sächsischen Staatsministerium des Innern entstand eine Exposition, die auf 20 Text- und Bildtafeln die Lebenssituationen der Tiroler Exulanten bis in unsere Zeit hinein darstellt.

So werden die Zeit der Reformation und Gegenreformation in Tirol, die Situation der Evangelischen und der Entzug der Bürgerrechte, die Verhandlungen mit den Regierungen in Wien und Berlin, die Vorbereitung der Umsiedlung sowie die Ankunft in Schmiedeberg (Kowary) dargestellt. Aber auch die damaligen Bedingungen im Hirschberger Tal, der Bau der Tiroler Kolonie und deren Entwicklung bis in die heutige Zeit werden gezeigt. Historische Materialien und Fotos von Zbigniew Kulik zu den Tiroler Häusern in Zillerthal-Erdmannsdorf (Myslakowice) sowie aus dem heutigen Tirol vervollständigen das Bild über diese besondere Migrationsgeschichte.
Im Riesengebirge war am 16. und 17. September 2017 im benachbarten Buchwald (Bukowiec) das 180. Jubiläum der Aufnahme von Glaubensflüchtlingen groß begangen worden. Geblieben ist von ihnen freilich nur das materielle Erbe – die bekannten Tiroler Gehöfte, die noch heute das Bild des Ortes am Fuße des Riesengebirges prägen.

Am 20. September 1837 hatten die sogenannten Tiroler Exulanten bei Michelsdorf im Kreis Landeshut (Kamienna Gora) preußischen Boden betreten. Sie und ihre Nachkommen fanden hier für 108 Jahre eine neue Heimat, ehe diese in einem Millionenheer an Flüchtlingen 1945 quasi nicht mehr auszumachen waren. Sächsische Bergknappen hatten einst die Saat der Reformation nach Tirol getragen. Strenge Unterdrückung seitens des Salzburger Erzbischofes im Inn- und im Arntal sowie im Pinzgau drängten die Lehre Luthers zurück, während das damals noch isolierte Zillertal sich selbst überlassen blieb. Doch die architektonische Charakteristik ihrer neuen schlesischen Heimat Zillerthal-Erdammsdorf, Spuren ihrer Tiroler Mundart oder kulinarische Spezialitäten wie Mürbeblatel, Strauben oder Gerbennudeln hielten ein Zusammengehörigkeitsgefühl auch nach 1945 im Westen aufrecht. Mit der politischen Wende von 1989/90 waren Traditionstreffen nicht mehr nur in der Urheimat im österreichischen Zillertal, sondern nun auch im Riesengebirge möglich. Aus ihnen ist eine Tradition geworden, die den Polen in Niederschlesien heute immerhin die Herkunft ihrer regionalen Bausubstanz erklärt und sich zudem hervorragend im Tourismus nutzen lässt.

Die zum 180. Jubiläum entstandene Ausstellung vervollständigte auch das historische Bild, da Gräfin Friederike von Reden als Hausherrin auf Schloss Buchwald gegenüber König Friedrich Wilhelm III. die Aufnahme der Protestanten in Zillerthal-Erdmannsdorf und dem nahen Seidorf (Sosnowka) überhaupt erst durchgesetzt hatte.
Schmerzlich blieb die lange Ausblendung mancher Traditionen zwischen 1945 und 1990 insbesondere beim Gedenken an den Anführer der Zillertaler Protestanten Johann Fleidl. Das für ihn 1890 in Buchwald errichtete Denkmal war nach 1945 erheblich beschädigt worden, ehe 1994 eine Restaurierung und die Verlegung an das Schloss von Zillerthal-Erdmannsdorf erfolgte. Das Grab Fleidls befindet sich auf dem örtlichen Friedhof, während seine Schwester Elisabeth auf dem Tirolerfriedhof von Los Bajos in Chile ihre letzte Ruhe fand. Denn 54 Exulanten zog es zwischen 1856 und 1860 weiter nach Südamerika. Im Gegensatz zu den 1945 vertriebenen Zillertalern in Niederschlesien leben am chilenischen Llanquihuesee noch etwa 600 Nachfahren, die ihre Tiroler Traditionen weiter pflegen. Die Freunde des Nollau-Hauses laden nun zur Vernissage am Freitag, dem 28. September um 18.00 Uhr in das Via-Regia-Haus nach Reichenbach, Große Kirchgasse 1 ein. Die Ausstellungseröffnung wird musikalisch umrahmt von Schülern der Musikschule Dreiländereck. Öffnungszeiten des Via-Regia-Hauses: dienstags bis sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Till Scholtz-Knobloch / 27.09.2018

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