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„Eine große Ehre für uns“

„Eine große Ehre für uns“

Der Spielmannszug Oberlichtenau reiste Mitte Mai für vier Tage nach Oslo. Auch das nasse Wetter hielt die Musiker nicht davon ab, die Zeit dort zu genießen und sich vor den Sehenswürdigkeiten der norwegischen Hauptstadt aufzustellen. Foto: D. Wunderlich

Der Spielmannszug Oberlichtenau e. V. kehrte vor kurzem von einer besonderen Fahrt zurück: Er weilte als Gast der norwegischen Königsgarde für vier Tage in Oslo und trat mit ihr dort auf. 

Oberlichtenau/Oslo. Reist man zur Zeit der Eisheiligen, sollte man warme Kleidung dabeihaben, vor allem, wenn es nach Norwegen geht. Das „Marsch- und Drillkontingent“ des Spielmannszuges Oberlichtenau, die erwachsenen Musiker, sind dafür gut ausgestattet: Sie tragen bei Auftritten eine blaue Jacke und eine schwarze Hose aus solidem Uniformstoff, dazu feste Lederschuhe. „Kälte in Oslo wäre daher kein Problem gewesen. Doch es regnete bei milden Temperaturen fast die ganze Zeit, so dass wir mehrmals bis auf die Haut nass wurden“, erzählt Janet Kunath. Sie gehört zum Team Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Das Wetter war jedoch der einzige Wermutstropfen bei einem begeisternden Norwegen-Aufenthalt des Spielmannszuges: Am 13. Mai flogen 67 Musiker plus rund 30 Helfer und Angehörige von Berlin nach Oslo. Dort übernachteten sie in Mehrbettzimmern in der Kaserne der norwegischen Königsgarde, speisten in deren Kantine und probten auf deren Exerzierplatz und in der Übungshalle. Die Oberlichtenauer absolvierten mehrere Auftritte in der norwegischen Hauptstadt. Unter anderem zeigten sie eine Show gemeinsam mit der Garde auf dem Rathausplatz und eine individuelle Show vor der Universität. „Als Höhepunkt duften wir mit der Königlichen Garde beim Festumzug zum Nationalfeiertag mitlaufen. Das empfanden wir als große Ehre“, betont Janet Kunath. Der Nationalfeiertag sei für die Norweger der höchste Festtag im Jahr – als ob Weihnachten und Ostern zusammenfielen. „Die Begeisterung der Menschen für diesen Tag hat uns tief beeindruckt“, so die Musikerin. Für diese Veranstaltung schloss Petrus vorübergehend die Schleusen und ließ die Sonne erstrahlen. Zwischen den Auftritten erkundeten die deutschen Gäste die Sehenswürdigkeiten der Stadt, unter anderem die Festung. Ein Grillabend mit den Mitgliedern der Garde bot auch Raum für Gespräche, die wie die gesamte Kommunikation auf Englisch abliefen. Am 17. Mai flogen die Sachsen in die Heimat zurück. „Uns ist vor allem im Gedächtnis geblieben, wie nett und gastfreundlich die Osloer waren“, meint Janet Kunath.

Den Kontakt zwischen der norwegischen Königsgarde und den Oberlichtenauern stellten Ende der 90-er Jahre befreundete Musiker her. „Seitdem tauschen wir uns regelmäßig aus“, erzählt die Ehrenamtlerin. Dwayne Fairchild, der Ansprechpartner auf der norwegischen Seite, organisierte 2019 innerhalb der Deutschland-Tour der Garde einen Besuch in Oberlichtenau. „Damals gaben wir in Dresden ein gemeinsames Konzert mit den Norwegern. Ein tolles Erlebnis!“ erinnert sich Janet Kunath. Nun erwiderten die Sachsen den Besuch. Die Reise war eigentlich für 2025 geplant, verzögerte sich aber wegen des vollen Terminkalenders der Garde. Rund ein Jahr dauerte die Vorbereitung für den Höhepunkt. Die Kosten, eine fünfstellige Summe, bestritt man aus Fördermitteln, Sponsorengeldern und Spenden. 

2028 oder 2029 planen die Norweger, erneut nach Oberlichtenau zu kommen. Sie sind in ihrer Heimat oft unabkömmlich. Denn sie absolvieren dort regelmäßig Wachparaden und treten zu Repräsentationszwecken auf. Die Königliche Garde ist eine traditionsreiche militärische Institution, deren Mitglieder Berufssoldaten sind. Doch auch der ehrenamtlich tätige Spielmannszug Oberlichtenau e. V. muss sich nicht verstecken: 1951 als Sektion der Sportgemeinschaft Oberlichtenau gegründet, war und ist er einer der erfolgreichsten Musikvereine des Landes auf nationaler und auf internationaler Ebene. Die Vielfalt der Instrumente, die man spielt, wird nach und nach ausgebaut. Der Verein arbeitet mit Kindereinrichtungen und Schulen zusammen und gewinnt so Nachwuchs. Die jungen Musiker bildet er aufwändig aus, bis sie in der „Juniorband“ spielen dürfen. „Sie lernen dabei auch, wie wichtig es ist, dass man sich im Team aufeinander verlassen kann. Denn anders geht es im Spielmannszug nicht“, sagt Janet Kunath. 

Beate Diederichs / 07.06.2026

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