Ein Spielzeugmuseum im alten Schlossgemäuer

Sylke Rößler hat jede Ecke des Dobschützer Schlosserdgeschosses liebevoll mit historischem Spielzeug bei gleichzeitigem didaktischem Konzept ausstaffiert. Foto: Till Scholtz-Knobloch
„Das Wasserschloss Dobschütz fand mich, nicht ich das Wasserschloss“, sagt die Physiotherapeutin Sylke Rößler, die in ihrem Spielzeugmuseum im Schloss zuletzt auf mehr Spielzeug aus der DDR-Zeit baut und neben den üblichen Mittwochen nun auch zu Christi Himmelfahrt öffnet.
Vierkirchen. Sie habe sich ihren Traum vom eigenen Schloss nicht gekauft, sondern im Grunde ertauscht, meint Sylke Rößler, die aus Halle (Saale) stammt und sich für einen radikalen Bruch entschied. Am Anfang stand eine lange Suche „nach etwas Historischem mit Substanz“, wie sie sagt. Schon zu DDR-Zeiten habe sie „Burgen und Schlösser besucht, „alles, was zugänglich war“, und nach der Wende schließlich ernsthaft versucht, ein Objekt zu bekommen – nicht ohne Widerstände. Man habe sie häufig abgewiesen, teils mit der Frage, „was wollen Sie denn überhaupt?“, denn eigentlich habe man damals nur auf flüssige Westinvestoren gebaut.
Dass sie dennoch den Zuschlag für das Schloss bekam, sei letztlich ihrem Konzept geschuldet gewesen, „mit Spielzeugsammlung und Gästezimmern und dem Anspruch, das Alte wieder aufleben zu lassen, statt es kaputtzurestaurieren“. Zur Auswahl stand damals neben Dobschütz auch Ober-Neundorf. Aber das Wasserschloss Dobschütz habe sofort zu ihr gesprochen, hier gehöre sie her. Als sie es 2001 übernahm, sei es „so desolat gewesen, dass Birken aus dem Dach wuchsen und es hineinregnete“. Zuerst habe man „alle Löcher zugeschäumt“, um überhaupt sichern zu können, was noch zu retten war. Seitdem sei „jede freie Minute, jedes Geld und viel Kraft“ in die Sanierung geflossen – inzwischen seit über zwei Jahrzehnten. Das Schloss selbst versteht sie nicht als romantische Kulisse, sondern als historisches Gefüge, das man sich erarbeiten müsse. Sie erzählt, dass „um das Jahr 1000 hier ein Witwensitz böhmischer Adeliger gewesen sein soll“ und dass Ladislaus (Vladislav II.) von Böhmen 1174 hier ein halbes Jahr verbracht hat und hier angeblich auch verstorben sei – „zumindest laut Sage“, schmunzelt sie.
Doch im Zentrum steht längst nicht mehr nur das Gebäude, sondern das, was sie darin aufgebaut hat – in erster Linie das Spielzeugmuseum. „Ich sammle seit fast 45 Jahren altes Spielzeug“, sagt sie. Angefangen habe alles schon in der Kindheit, „als mir unsere alte Vermieterin ein Stammbuch, ein Portemonnaie mit altem Geld und eine Sparbüchse schenkte“. Die zerstörte Lieblingspuppe aus DDR-Zeiten habe den Wunsch verstärkt, „sich dieses Stück Kindheit zurückzuholen“.
Zuletzt hat sie sich bewusst stärker auf Nachkriegs- und DDR-Spielzeug spezialisiert, „eben weil die Besucher ihr eigenes Spielzeug wiedersehen wollen. So kommt man ins Erzählen.“ Ältere Stücke wie Biedermeierpuppen oder Poesiealben gibt es dennoch in großer Zahl, aber vieles habe sie abgegeben, um den Fokus zu schärfen. Gleichzeitig erweitert sie die Sammlung immer wieder – zuletzt etwa durch eine Märchenweltausstellung, die sie im vergangenen Jahr eröffnet hat, nachdem sie eine entsprechende Sammlung kaufte. Hinzu kommen spezielle Bereiche wie Figuren von Curt Meißner oder Puppen aus der Tradition von Hildegard Krahmer, die sie als „eine Art Käthe Kruse des Ostens“ bezeichnet.
Ihre Führungen versteht sie ausdrücklich nicht als bloße Präsentation, sondern als Vermittlung. „Ich will erzählen, aus welcher Zeit die Stücke stammen, aus welchem Material sie sind und woher sie kommen“. Nicht alles habe einen materiellen Wert, aber „einen kulturellen und geschichtlichen Wert sehr wohl“. Gleichzeitig beobachtet sie, dass sich der Zugang verändert hat: Kinder wüssten bei klassischen Dingen wie Puppen oder Teddybären noch, „was man damit macht“, aber bei vielem anderen – etwa alten Spielen oder Puppenwagen – gehe dieses Wissen verloren.
Seit April ist nun immer mittwochs ab 13.00 Uhr geöffnet, nach Bedarf – wie etwa zum Männertag – öffne sie zusätzlich. Am Wochenende bleibe aus familiären Gründen meist geschlossen. „Die Eltern und der Bruder leben noch in Halle, Verwandtschaft auch im Vogtland und im Raum Zwickau“. Besuche seien darüber hinaus möglich, „wenn sich jemand anmeldet“ – insbesondere Wander- und Fahrradgruppen nutzten das Angebot unter (035827) 15 98 42 oder (0172) 887 44 34. Die Lage am Jakobsweg spiele dabei eine Rolle, ebenso die Tatsache, dass viele „auf der Durchreise etwa ins Riesengebirge“ seien. Dass sich das alles nicht von selbst trägt, verschweigt sie nicht. Unterstützung aus der Umgebung habe es kaum gegeben, eher Skepsis und später auch „Neid und Missgunst“, wie sie andeutet. Man habe erwartet, sie und ihr Partner geben nach ein paar Jahren wieder auf. Sie stellt klar: „Hier gehe ich nicht mehr weg – nur mit den Füßen zuerst.“
