Eine Woiwodschaft sorgt für regionale Vewirrung

Die 36 Meter hohe Christus-König-Statue in Schwiebus (Swiebodzin) wurde erst 2010 errichtet und ist sechs Meter höher als die Christus-Erlöser-Statue von Rio de Janeiro. Foto: Andrzej Paczos
Niesky. Das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky setzt am 28. Oktober, 18.00 Uhr, die Woiwodschaften-Vortragsreihe von Andrzej Paczos mit der Woiwodschaft Lebus (Lubusz, polnisch-adjektivisch: lubuskie) fort. Die wohl kurioseste der 16 polnischen Woiwodschaften verdankt ihren Namen dem bis heute deutschen 3.000-Einwohner-Ort Lebus, dem schon im Mittelalter das nahe Frankfurt/Oder den Rang ablief. Polen wollte bei der Benennung der Region nach 1945 nicht auf seine faktische Lage als Ost-Brandenburg verweisen und griff als Begriff das Lebuser Land (Ziemia Lubuska) namentlich nach dem einstigen Bischofssitz Lebus neu auf und fügte komplett unhistorisch gleich noch nord-niederschlesische Gebiete mit Grünberg (Zielona Gora), das heute den Sejmik – das Landesparlament – der Region beherbergt, hinzu, während der Woiwode in Landsberg an der Warthe (Gorzow Wlkp.) sitzt. Diese Woiwodschaft hat den größten Waldanteil von allen und ist daher Pilgerziel der Pilzsammler. Im Sommer ziehen ruhige Seen Erholungssuchende an. Touristen verbinden die Region zuvorderst mit der Weinherstellung und dem Weinfestival in Grünberg. Bekannt sind aber auch das Vogelparadies im Nationalpark der Warthemündung, die Festung Küstrin (Kostrzyn), der Muskauer Faltenbogen, unterirdische Eisenbahntunnel, das ehemalige Stalag Luft III oder die Holzkirche Mariä Heimsuchung von Klemzig (Klepsk) bei Züllichau (Sulechow) aus dem 14. Jahrhundert.