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Erzählcafé gibt Geschichten von Alt und Jung ein Podium

Erzählcafé gibt Geschichten von Alt und Jung ein Podium

Sabine Wuttke und Andrea Spee-Keller (v.l.) bitten bald ins Frauenzentrum an der Karl-Marx-Straße zum ersten Erzählcafé. ⋌Foto: RK

Bautzen. Die Mitstreiterinnen der Fraueninitiative Bautzen machen sich bereit für eine Premiere. Spätestens ab Februar nächsten Jahres soll es in der Spreestadt heißen: „Erzähl doch mal...“. Mit einem dauerhaft etablierten Erzählcafé setzen sie schrittweise den Inhalt der Bachelorarbeit einer ehemaligen Bautzener Studentin in die Praxis um. Bevor jedoch in erster Linie ältere Menschen anderen aus ihrem Leben berichten können, sind noch einige Vorbereitungen zu treffen.


„Um eine breitere Öffentlichkeit für die Biografien herzustellen, soll die Methode des Erzählcafés aus der Erwachsenenbildung ansetzen“, erklärt Mitinitiatorin Andrea Spee-Keller den Hintergrund des Vorhabens. Laut der Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten der Stadt Bautzen lässt sich damit einem Wunsch vieler entgegenkommen, über die eigene Lebensgeschichte zu sprechen. „Meist findet dies heutzutage nur im familiären Umfeld statt und nicht jedes Familienmitglied hat ein Ohr dafür“, weiß die 60-Jährige.


Dabei seien die persönlichen Lebenserfahrungen und Lebensleistungen von Frauen und Männern gleichermaßen außerordentlich vielfältig und anerkennenswert. „Die älteren Bürgerinnen und Bürger sind Zeugen einer Zeit, die es so nicht mehr gibt. Nachfolgende Generationen können sich nur schwer beziehungsweise nur bei speziellem Interesse in die Erfahrungswelten der Urgroß-, Groß- und Elterngeneration hineinversetzen.“

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Und genau da setzt das Projekt an, das die Stadtmitarbeiterin als nachhaltig bezeichnet. „Die eigenen Lebensgeschichten kommen zur Sprache und die unterschiedlichen Sichtweisen können, entgegen der herkömmlichen Diskussionskultur, nebeneinander stehen bleiben. Wir möchten ältere und jüngere Menschen in einen Dialog bringen, zu Themen, die so bunt wie das Leben sind.“ Bislang fehle so etwas in Bautzen.
Um das zu ändern, wird während der Herbstferien zunächst eine kleine Gruppe von Moderatorinnen in Göttingen für ihren ehrenamtlichen Job fit gemacht. In der Stadt am Rande des Harzes existiert bereits ein solches Angebot. Das dort erworbene Wissen sollen die Teilnehmerinnen im Rahmen eines dreitägigen Workshops an diejenigen weitergeben, die künftig selbst einmal eine Erzählcafé-Veranstaltung leiten möchten.


Andrea Spee-Keller zufolge liegen ihr bereits bis zu acht Interessensbekundungen vor. Weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind im Frauenzentrum herzlich willkommen. Die Kurstermine sind für den 23. Oktober, 18.00 Uhr, sowie für den 10. November, 10.00 Uhr, jeweils an der Karl-Marx-Straße 7 angesetzt. Es gibt zunächst eine Einführung in das Thema. Am zweiten Tag sind die theoretischen Grundsätze des biografischen Arbeitens an der Reihe. Erzähl- und Moderationsübungen stehen schließlich am 26. November ab 17.00 Uhr auf dem Programm. Allerdings war zum Redaktionsschluss unklar, wo diese Workshopeinheit über die Bühne gehen soll.


Klar ist hingegen: Das sich auf diese Weise zusammenraufende Team wird nicht nur die Akquise der Gesprächsgäste übernehmen, sondern zeitgleich die Bewirtung des Publikums. Andrea Spee-Keller: „Möglichst an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet soll das Ganze in einer ungezwungenen Atmosphäre stattfinden. Wir wollen dabei jedoch keinem Gastronomen Konkurrenz machen. Die Kuchen und der Kaffee werden von den ehrenamtlich Engagierten zubereitet und serviert.“

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Vor dem Hintergrund einer sich spaltenden Gesellschaft setzt die Spreestädterin große Hoffnungen in das Projekt. „Durch die Erzählrunden werden zwischenmenschliche Begegnungen unabhängig vom Alter und der Herkunft möglich. Sie regen zum Nachdenken an und ermuntern, über Selbsterlebtes zu sprechen. Unser Ziel ist es, Verständnis und Akzeptanz für sich selbst und andere zu fördern.“
Wer einmal solch eine Erzählcafé-Runde moderieren möchte, sollte sich jetzt für den Einführungsworkshop anmelden – und zwar unter Telefon: (03591) 423 53 bzw. per E-Mail unter info@frauenzentrum.bautzen.de.   

Roland Kaiser / 19.10.2018

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