Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

Gdingen zeigt es Görlitz, wie es geht

Gdingen zeigt es Görlitz, wie es geht

Skizze für das 1928/1929 realisierte Kurhaus in Gdingen (Gdynia)

Busan. Das UNESCO-Welterbekomitee hat während seiner 48. Sitzung im koreanischen Busan mehrere neue Stätten in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Görlitz stand hierbei noch nicht wieder zur Auswahl. Die Görlitzer Bewerbung mit dem Titel „Ein Architekturensemble von Kaufleuten an der Via Regia“ zielte auf die besondere Bedeutung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kaufmannsstadt mit ihren Hallenhäusern ab. Im Dezember 2023 entschied die Kultusministerkonferenz jedoch, Görlitz nicht auf die deutsche Tentativliste (Vorschlagsliste) aufzunehmen. Damit war das Verfahren beendet, bevor ein internationaler Vergleich durch das UNESCO-Welterbekomitee überhaupt möglich wurde.

Zu den bedeutendsten Neueinträgen gehört nun auch das Zentrum von Gdingen (Gdynia) bei Danzig aus der Zeit der Moderne. Im Gegensatz zu Görlitz wurde nicht eine einzelne historische Epoche herausgestellt, sondern ein klar umrissenes städtebauliches Konzept – eine in kurzer Zeit geplante Hafenstadt der Zwischenkriegsmoderne, die von Polen von einem Fischerdorf zum Ostseehafen als Alternative zu Danzig gepusht wurde.

Hintergrund dafür war, dass Polen nach dem 1. Weltkrieg keinen unmittelbaren Anschluss Danzigs an sein Staatsgebiet durchsetzen konnte, da die Stadt zu 95 Prozent deutsche und nur geringfügig polnische Bevölkerung hatte. Danzig wurde jedoch als „Freie Stadt“ von Deutschland gelöst.

Die Aufnahme Gdingens in die Kulturerbeliste würdigt nun die zwischen den beiden Weltkriegen geplante Hafenstadt als herausragendes Beispiel für die Architektur und Stadtplanung des 20. Jahrhunderts. Gdingen verfügt über ein nahezu geschlossen erhaltenes städtebauliches Ensemble der Moderne.

Ebenfalls neu aufgenommen wurden die Festungsstädte der Raia in Portugal, die historischen Roças von São Tomé und Príncipe als Zeugnisse des kolonialen Plantagensystems, die spanische Kulturlandschaft Ribeira Sacra mit Weinbau und Klöstern sowie die archäologische Stätte Samaria (Sebastia) in Israels Westbank (Palästina). Der Ort war Hauptstadt des biblischen Nordreiches Israel.

Hinzu kamen der buddhistische Tempel Wat Phra Mahathat Woramahawihan in Thailand, das tunesische Dorf Sidi Bou Saïd, die römische Zerzevan-Burg mit Mithräum in der Türkei und die moderne Architektur von Taschkent (Usbekistan). Außerdem wurde die Region des Olymps in Griechenland als Verbindung von Natur- und Kulturerbe ausgezeichnet, nicht jedoch wie beantragt auch der Olymp alleinig aufgenommen. 2026 ebenfalls nicht aufgenommen wurden unter anderem etwa die Strände der alliierten Landungen in der Normandie 1944 als Erinnerungslandschaft des ’D-Day’.

Till Scholtz-Knobloch / 03.08.2026

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel