Katastrophenschutz und Ehrenamt in Kreis Bautzen

Mit der Feldküche kann der Katastrophenschutzzug direkt vor Ort eine große Zahl von Personen mit warmen Essen versorgen. Foto: Manuela Dietze
Wenn Krieg oder eine Katastrophe kommen, wer sorgt für Notunterkünfte, medizinische Versorgung, Trinkwasser, wo ist der nächste Schutzraum? Das alles sind Fragen des Zivilschutzes. Der ist in Deutschland schlecht aufgestellt. Deshalb wurde ein Gesetzespaket verabschiedet. Der Bund wird mittelfristig zehn Milliarden Euro zur Verfügung stellen.
Landkreis. Was wird im Landkreis Bautzen benötigt? Die Pressestelle des Landratsamtes erklärt auf Anfrage: „Zuständig für den Aufgabenbereich des Zivilschutzes, d.h. den Schutz der Bevölkerung im Spannungs- oder Verteidigungsfall, ist der Bund. Eine Einschätzung, wie man im Landkreis Bautzen diesbezüglich aufgestellt ist, welche Bedarfe es gibt, kann insofern einzig der Bund beantworten.“ Im Landkreis wird im Zivilschutzfall auf die vorhandenen Kapazitäten des Katastrophenschutzes zugegriffen. Zuständig ist der 1. Katastrophenschutz-Einsatzzug, sichergestellt durch den ASB Bautzen mit dem Standort Käthe-Kollwitz-Straße.
Fragen wir dort nach. Die Helfer brauchen seit Jahren selbst Hilfe. An ihrem Standort in der Husarenkaserne gibt es keine Toilette, keine Küche, keine geeigneten Schulungsräume, keine großen Lagerräume. Stattdessen seit vielen Jahren das Flair alter Pferdeställe. Eine Fertigteilhalle auf dem Gelände der ASB-Geschäftsstelle in der Czornebohstraße sollte die Lösung sein. Doch auch dafür fehlte das Geld. Landtagsabgeordnete unterschiedlicher Fraktionen versprachen nach Berichterstattungen verschiedener Medien über die untragbare Situation Hilfe. Getan hat sich nichts. In der Mitteilung des Landratsamtes heißt es aktuell: “Nach Kenntnis des Landratsamtes hat es hinsichtlich der räumlichen Situation der Unterbringung des 1. Katastrophenschutz-Einsatzzuges, sichergestellt durch den ASB Bautzen mit Standort Käthe-Kollwitz-Straße, keine gravierenden Veränderungen gegeben.“
Die gute Nachricht, eine gemeinsame Initiative der Kreisverbände des ASB Löbau und Bautzen hat eine Lösung für das dringendste Problem gefunden. Es wurden 30.000 Euro in eine mobile Sanitäranlage investiert. Diese wird in Kürze auf dem Gelände der Kaserne für die Katastrophenschützer stationiert, wurde aber so konzipiert, dass dieser Wagen im Einsatzfall, zum Beispiel bei Evakuierungen, und auch von anderen Organisationen genutzt werden kann. Der Träger der Katastrophenschutzeinheit musste nicht nur da tief in die Tasche greifen. Für Wartung, Prüfung, Unterhalt der Fahrzeuge und Geräte sowie Verbrauchsmaterialien muss ein großer Teil der Kosten vom ASB übernommen werden. Zuschüsse vom Land Sachsen fließen träge, wenn der Haushaltsplan und die Höhe der Zuschüsse für die „weißen“ Einheiten beschlossen sind, dann dauert es immer noch Monate, bis die Träger das Geld erhalten. Inzwischen muss vorfinanziert werden. Kein einfacher Zustand.
Mit moderner Technik ist die Einheit gut aufgestellt, doch Technik allein reicht nicht aus. Nötig sind Fachkräfte für die Bedienung und für Aus- und Weiterbildung. Ehrenamtliche können nicht alle Aufgaben erledigen. Notwendige Dokumentation und Anträge benötigen immer mehr Zeit. „Das ist ehrenamtlich fast nicht mehr zu bewältigen,“ sagt Uwe Janeck, ASB-Gruppenführer und Vorstand, „da muss eine Möglichkeit her, Zeit zu bezahlen.“ Apropos Ehrenamt, es ist schwierig, neue Mitglieder für die Schnelleinsatzgruppe (SEG) zu finden. Gerade jüngere Leute sind oft nur kurz dabei. Kaum jemand ist noch bereit, einen großen Teil seiner Freizeit dem Gemeinwohl zu opfern. Es hört sich gut an, wenn von offiziellen Stellen über die Unterstützung und Wertschätzung für das Ehrenamt gesprochen wird. Leider kommt bei dem Einzelnen davon wenig an.
Währenddessen spricht Landrat Udo Witschas von der Errichtung eines modernen Zentrums für Bevölkerungsschutz, nach dem Vorbild des Vogtlandkreises. Von der Idee bis zur Fertigstellung hat es dort 8 Jahre gedauert, ca. 13,6 Millionen Euro wurden investiert. Der Landkreis Bautzen beziffert die Kosten für den geplanten Neubau mit 40 Millionen Euro, 10 Millionen aus dem Sachsenfond werden dafür vorerst reserviert. Bis Jahresende sollen Fördermittel für die fehlenden 30 Millionen akquiriert werden. Falls diese Mittel bewilligt werden, vielleicht aus Dobrindts Milliarden, dauert die Verwirklichung des Projektes Jahre. Dann kann es sein, dass es keine ehrenamtlichen Katastrophenschützer mehr gibt, die dieses Zentrum beleben.