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Kinder fehlen, Hoffnung wächst

Kinder fehlen, Hoffnung wächst

Die Kita in Ralbitz steht beispielhaft für die Betreuungsinfrastruktur im Landkreis Bautzen. Angesichts sinkender Kinderzahlen müssen die Kommunen ihre Angebote künftig stärker an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Foto: Uwe Menschner

Weniger Geburten, weniger Kinder in den Einrichtungen: Der Landkreis Bautzen muss seine Betreuungsangebote an eine deutlich veränderte demografische Entwicklung anpassen. Langfristig könnte sich der Trend allerdings wieder umkehren.

Landkreis Bautzen. In den Krippen und Kindergärten des Landkreises Bautzen werden die Plätze zunehmend leerer. Innerhalb von nur vier Jahren ist die Zahl der Kinder bis zum zehnten Lebensjahr um rund 14 Prozent gesunken. Besonders stark trifft es die Krippen: Hier ging die Zahl der unter Dreijährigen seit 2022 sogar um knapp ein Drittel zurück. Das geht aus der aktuellen Kita-Bedarfsplanung hervor, die der Jugendhilfeausschuss des Kreistages am 2. November beschlossen hat.
Wie stark sich die Entwicklung verändert hat, zeigen die Geburtenzahlen. Kamen 2016 im Landkreis noch 2.608 Kinder zur Welt, waren es 2025 nur noch 1.456. Das ist ein Rückgang um rund 44 Prozent. Auch die Zahl der Frauen zwischen 19 und 35 Jahren ist deutlich geschrumpft: von 21.255 im Jahr 2016 auf 16.145 im vergangenen Jahr. Dabei ist die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im Landkreis vergleichsweise hoch. Sie lag 2024 mit 1,50 deutlich über dem sächsischen Durchschnitt von 1,22. Der Geburtenrückgang lässt sich deshalb nicht allein mit einer geringeren Bereitschaft zur Familiengründung erklären. Es gibt schlicht weniger Frauen im entsprechenden Alter.

Langfristig gibt es dennoch einen vorsichtigen Hoffnungsschimmer. Die geburtenschwachen Jahrgänge der Nachwendezeit haben das Familiengründungsalter inzwischen weitgehend erreicht oder durchlaufen. Danach folgen wieder stärker besetzte Jahrgänge. Weil damit künftig wieder mehr Frauen in die Altersgruppe kommen, in der Familien gegründet werden, rechnen die Modellberechnungen des Landkreises nach einem weiteren Tiefpunkt Ende der 2020er Jahre auch wieder mit steigenden Geburtenzahlen. Eine Trendwende ist damit allerdings noch nicht erreicht.
„Wir müssen die derzeit sinkenden Kinderzahlen ernst nehmen und unsere Betreuungsstrukturen daran anpassen. Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fehler machen, die heutige Entwicklung einfach für die nächsten 20 Jahre fortzuschreiben“, erklärt Sozialdezernentin Kristin Penther. Bei der Zahl der jungen Frauen sei die demografische Talsohle erreicht.

Für das Betreuungsjahr 2026/2027 weist der Bedarfsplan 251 Kindertageseinrichtungen mit 27.795 genehmigten Plätzen aus. Hinzu kommen 39 Tagespflegepersonen mit 193 Plätzen. Die tatsächliche Inanspruchnahme geht zurück: Die Zahl der betreuten Kinder in den Einrichtungen sank innerhalb eines Jahres von 23.413 auf 22.455. Besonders deutlich ist das Minus bei Krippen- und Kindergartenkindern. Die Zahl der Hortkinder blieb dagegen mit rund 10.640 nahezu konstant.
Den Rechtsanspruch auf Betreuung sieht der Landkreis weiterhin gesichert. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, wie vorhandene Kapazitäten sinnvoll angepasst werden können. Automatische Schließungen soll es nicht geben. Gemeinsam mit Städten, Gemeinden und Trägern will der Landkreis jeden Standort einzeln betrachten. Dabei zählen neben der Auslastung auch der bauliche Zustand, die Erreichbarkeit, die pädagogische Qualität und die Kosten. „Eine Kindertagesstätte ist gerade im ländlichen Raum mehr als eine Zahl in einer Statistik. Sie gehört zur Infrastruktur eines Ortes und ist für Familien ein wichtiger Standortfaktor“, betont Penther. Gefragt seien deshalb tragfähige kommunale Konzepte statt pauschaler Entscheidungen. 

Redaktion / 11.11.2026

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