Klangfarben trifft auf Kammermusik

Von der Bigband Klangfarben e.V. Jonsdorf in die Kammermusikfest Akademie. Kuno Hepper (1. Reihe 3. v. li.) ist einer von 13 musikalischen Ausnahmetalenten der Oberlausitz. Vor kurzem qualifizierte er sich für die Kammermusikfest Oberlausitz Akademie.
Wenn vom 13. bis 16. August 2026 die dritte Auflage der Kammermusikfest Oberlausitz Akademie (KMA) auf Schloss Gröditz ihre Tore öffnet, ist auch der 14-jährige Kuno Hepper dabei.
Schönbach. Neben zwölf weiteren Musikern im Alter zwischen zehn und 18 Jahren überzeugte Kuno im April die prominent besetzte Jury unter Vorsitz des renommierten Bratschisten Prof. Nils Mönkemeyer und mit Beteiligung von Vertretern der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, des Sächsischen Musikrats sowie „Jugend musiziert“ Sachsen/Lausitz e. V. von seinem außergewöhnlichen Können.
Dass Kuno Hepper mit seinem Instrument, dem Altsaxophon, nun neben Talenten wie der mehrfachen Bundeswettbewerbsteilnehmerin Anne Beykirch oder der jungen Ukrainerin Myroslava Khokhych auf Schloss Gröditz im Akademiejahrgang 2026 musizieren darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Nachwuchskünstler aus Schönbach erfuhr seine musikalische Förderung schon seit frühesten Kindertagen.
Am prägendsten für seine musikalische Entwicklung ist die Arbeit des Oberlausitzer Jugendjazz-Orchesters „Klangfarben e.V. Jonsdorf“. Die Bigband, die sein Vater Frank Hepper seit 2001 leitet, ist mehr als ein Jugendorchester, sie ist unter anderem eine Talentschmiede mit Schülern der Kreismusikschulen Bautzen und Dreiländereck. Zu Hause ist Frank Hepper zugleich der musikalische Lehrer und Mentor von Sohn Kuno, der natürlich auch engagiert den Instrumental- und Ensembleunterricht an den beiden Musikschulen besucht. Zusammen mit seiner Saxophontrio-Partnerin Pauline Schkade, Tenorsaxophon von der Kreismusikschule Bautzen, die ebenso wie Kuno auch Stipendiatin der Domhof-Stiftung Weinheim ist, gelang dem Schüler bereits zum zweiten Mal der nächste Karriereschritt: Ein 1. Preis mit Weiterleitung zum Bundesfinale des Wettbewerbs „Jugend musiziert“. Diese Auszeichnung sowie die Teilnahme an der Kammermusikfest Oberlausitz Akademie zeugen von der hohen Qualität der musikalischen Förderung in der Region.
Schon im Alter von fünf Jahren bewies Kuno Hepper sein außergewöhnliches Gespür für Musik und Bühnenpräsenz: Beim 18. Internationalen Musikfestival in Tschechien erhielt der damals erst Fünfjährige für sein Sopransaxophon-Solo beim „Dino-Blues“ einen Sonderpreis. Dieser „Dino-Blues“, eine Eigenkomposition von Vater Frank, brachte der Band zudem den gut dotierten Kompositionswettbewerbssieg ein. „Solch prägende Erlebnisse im Ensemble legen natürlich die Grundsteine für die musikalische Spielfreude“, freut sich Frank Hepper auch heute noch. Davon konnten sich im letzten Sommer viele Gäste überzeugen, als die Bigband Klangfarben im Rahmen des Kammermusikfestes Oberlausitz zu einem umjubelten Open-Air Konzert in den Schlosspark Gröditz einlud.
Im August werden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Kammermusikfest Oberlausitz Akademie unter der Anleitung von Hochschulprofessoren wie Prof. Uta Schmidt (Flöte), Prof. William Youn (Klavier), Prof. Neasa Ní Bhriain (Viola) sowie Prof. Nils Mönkemeyer (Bratsche und künstlerischer Leiter der Akademie) von den Weltbesten ihres Faches lernen.
Im Jahrgang 2026 treffen Marie Krentz (Violine, Görlitz), Louisa Matthieu (Violine, Görlitz), Lea Marie Eichelmann (Violine, Görlitz), Ronja Peuckert (Klavier, Bautzen), Hermine Hertwig (Klavier, Radeberg), Hanna Angermann (Blockflöte, Kamenz), Anne Beykirch (Klavier, Lawalde-Lauba), Myroslava Khokhych (Klavier, Sohland an der Spree), Pauline Schkade (Tenorsaxophon, Weißenberg), Kuno Hepper (Altsaxophon, Schönbach), Kilian van Dorp (Blockflöte, Räckelwitz), Gertrud Volkmer (Klavier, Panschwitz-Kuckau) und Gustav Noack (Fagott, Lohsa) im Schloss Gröditz aufeinander.
Festival- und Akademieintendant Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld betont: „Wir sehen einmal mehr, welche enormen musikalischen Potenziale im Kulturraum Oberlausitz stecken. In der Akademie können wir ganz individuell auf die Akademisten eingehen. Diese Intensität erhöht die Langzeitwirkung und schafft neue Perspektiven für den weiteren musikalischen Lebensweg der Kinder und Jugendlichen.“ Dass diese Potenziale jedoch nicht versanden, ist oft eine Frage des Engagements und der Finanzen. Die Nachwuchsförderung im Osten Deutschlands steht vor großen Herausforderungen, wie jüngst der MDR untersuchte. Gerade im ländlichen Raum ist der wirtschaftliche Rahmen für die kulturelle Nachwuchsförderung oft fragil. Die Einbindung von Stiftungen ist unablässig, möchte man die Potenziale nicht versanden lassen und die Kulturlandschaft lebendig halten.
Die Stiftung Kammermusikfest Oberlausitz als Veranstalter der Akademie stellt sich seit 2022 dieser Aufgabe mit großem Zuspruch und Erfolg. Weil die öffentliche Hand trotz Förderung durch Programme wie „So geht sächsisch“, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Landkreise nicht alle Kosten decken kann, wird die Förderung im Osten Deutschlands allzu oft zur Stiftungssache. Es sind private Mäzene, bürgerschaftliches Engagement und eben Stiftungsgelder, die notwendig sind, um Projekte wie die KMA zu realisieren.
Für die Teilnehmer der Akademie verspricht die diesjährige Ausgabe wieder ein großes Abschlusskonzert vor einem öffentlichen Publikum. Am Sonntag, 16. August, um 11.00 Uhr, in der Ev. luth. Kirche Baruth wird sich zeigen, wie sich die Energie der Bigband „Klangfarben“ und die feinsinnige Kunst der Kammermusik verbinden lassen.
Foto: Martin Pizga