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Klitten/Boxberg/Kreba-Neudorf nimmt Anlauf

Klitten/Boxberg/Kreba-Neudorf nimmt Anlauf

Die Fans in Klitten (Foto) und Kreba-Neudorf freuen sich über den Höhenflug, auch wenn es am Sonntag daheim im Kreispokalhalbfinale gegen See eine 2:4-Niederlage gab. Foto: Till Scholtz-Knobloch

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3. Halbzeit: Johann Wierick (links) konnte nach verlorenem Halbfinale gegen See schon wieder lachen. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Es ist schon ein Wortungetüm: Seit dieser Saison gibt es im Fußball die „Spielgemeinschaft SV Klitten/Boxberg / SG Kreba-Neudorf“. Bei sportlichen Ambitionen, gepaart mit dem demografischen Wandel, müssen eben neue Ideen her.

Klitten / Kreba-Neudorf. Die aktuelle Ausgabe I/2026 vom „Zeitspiel – Magazin für Fußball-Zeitgeschichte“ macht mit dem Schwerpunktthema „Fusion – wenn Vereine heiraten“ auf und stellt auf etwa 90 Seiten Fusionserfolgsgeschichten wie den Hamburger SV oder den FC Ingolstadt 04 vor. Man erfährt, dass mit RB Leipzig, dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund ganze drei derzeitige Bundesligisten bislang nie eine Fusion in ihrer Geschichte erlebt haben. Aber es gibt auch die Geschichten von gescheiterten Anläufen, als man drohender Bedeutungslosigkeit entfliehen wollte. Der Duisburger Spielverein, dem in der Endrunde der deutschen Meisterschaft 1957 ein Tor in Nürnberg zum Einzug ins Finale fehlte, musste sechs Jahre später dem Nachbarn aus Meiderich (MSV) den Vortritt beim Einzug in die Bundesliga lassen. Man versuchte es mit einer Fusion mit Duisburg 48/99 zu Eintracht Duisburg. Die Fans nahmen das Kunstprodukt nicht an, das heute in der Kreisliga C herumdümpelt.

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Johann Wierick beim Halbfinale am Ball Foto: Till Scholtz-Knobloch

Die Nachwendezeit hat – gerade auf dem Land im Osten – tiefgreifendere Probleme mit sich gebracht. Immer mehr Sportvereine bekommen angesichts von Landflucht, demografischem Wandel sowie auch geändertem Freizeitverhalten ihre Teams nicht mehr voll und müssen zwangsläufig Partner suchen. Das geht im Amateurfußball immerhin auch ohne Fusion. Der Sächsische Fußballverband erlaubt Spielgemeinschaften (SpG) ohne Fusion bis hinauf zur Sachsenliga. Mit anderen Worten: Noch ordentlich Luft nach oben für alle 32 Vereine, die im Verteilungsgebiet des Niederschlesischen Kuriers beim Oberlausitzer Fußballverband gemeldet sind. Viele von ihnen sind oder waren schon mal kürzer, mal länger in einer SpG mit Nachbarvereinen auf diese Weise verbunden.

Seit dieser Saison sind nun auch die SG Kreba-Neudorf und der SV Klitten/Boxberg – vor über 10 Jahren übrigens ein echtes Fusionprodukt aus dem FSV Boxberg und dem SV Klitten 89 – in einer Mannschaft vereint. Aber Moment: Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

„Formal betrachtet ist die SG Kreba-Neudorf eigentlich nur mit der 2. Mannschaft vom SV Klitten/Boxberg in einer Spielgemeinschaft verbunden. Das heißt: In der Liga und beim heutigen Kreispokalhalbfinale gegen die Seer Wölfe stehen zwar zur Hälfte Kicker mit Herkunft aus beiden Vereinen auf dem Rasen, aber von der Ansetzung her offiziell als SV Klitten/Boxberg. Im Miteinander spricht man aber auch bei den 1. Herren von der SpG Klitten/Kreba oder Kreba/Klitten – ganz nach Geschmack und keinen stört’s“, klärt Johann Wierick, Abteilungsleiter Fußball bei der SG Kreba-Neudorf und treibende Kraft beim Zustandekommmen der Verbindung, klar. So nimmt auch beim Halbfinale vergangenen Sonntag niemand wirklich Anstoß an den SVK-Schlachtrufen aus dem Fanblock, die Klitten ja eigentlich bevorzugen. Letztlich tue der Zusammenschluss beiden Seiten gut. Fast teuflisch gute 665 zahlende Zuschauer stellten gar einen Allzeitrekord in Klitten dar. Im Ligaalltag gebe es einen stetigen Wechsel zwischen Heimspielen in Klitten und Kreba-Neudorf, klärt Johann Wierick auf. Das habe die Nachbardörfer insgesamt auch weiter zusammengeführt. Gemeinsam lässt es sich eben auch gut feiern, wenn es sportlich bergauf geht.

Die 1. Herren haben die Kreisliga Staffel 1 in dieser Saison bislang dominiert, sind mit 13 Siegen und einem Unentschieden souveräner Tabellenführer. Damit winken in der kommenden Saison interessante Derbys etwa gegen Gebelzig, die II. von Eintracht Niesky oder Halbfinalgegner Seer Wölfe F.C., der seit seiner Gründung den Marsch nach oben schon mal vorgelebt hat. Hinzu kommt von oben aus der Landesklasse Ost wohl auch Problemkind – statt Leuchtturm der Region – NFV 09 Gelb-Weiß Görlitz.

Ganz beiläufig betont Johann Wierick seine Beobachtung, dass diese Spielklasse für Vereine der Region der Logik nach oft die beste Option sei. Abzulesen etwa daran, dass die II. Herren von Eintracht Niesky mitunter mehr Zuschauer als die I. Herren hätten. „Die Rivalität der Nachbarn untereinander lockt doch Zuschauer besonders an“, meint er. Am 29. März musste sich die Klitten/Krebaer Kombination erst einmal den Seern im Pokalhalbfinale 2:4 unglücklich geschlagen geben. Da war mehr drin, auch wenn der Sieg der Seer ’Löwen’ (also der Seelöwen?), wie sich Stadionsprecher Lutz Peuthert zwei- dreimal verhaspelte, mit mehr Abgeklärtheit voll in Ordnung ging. Die Seer ’Wölfe’ treffen nun im Juni im Finale in Weißwasser auf den VfB Weißwasser 1909. Von der Sprecherterrasse gab es dennoch beste Laune in der Halbzeit, als Ingo Rink als Stimmenimitator Gerd Rubenbauer und Reiner Calmund imitierte. Letzter schwärmte etwa mehr vom guten Essen bei einer sponsorenden Gaststätte als übers Spiel.

Dass die Spielgemeinschaft einmal in einer förmlichen Fusion münde, sieht Johann Wierick nicht am Horizont und gibt einem mit Augenzwinkern erfragten ’FC Fischteiche Niederschlesische Oberlausitz’ eine Absage. Die Initiative für die Spielgemeinschaft sei aus der SG Kreba-Neudorf an Klitten/Boxberg herangetragen worden. „Wir wollten selbst nicht absteigen. Es gibt eine niedrige Geburtenrate, die sich über kurz oder lang weiter bemerkbar machen wird. Wir haben uns nach Kandidaten umgeschaut: Reichwalde, Rietschen und See. Bei aller Rivalität – wir sind Nachbarn, Verwandte, Arbeitskollegen. So wie es ist klappt es derzeit sehr gut.“

Till Scholtz-Knobloch / 04.04.2026

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