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Malteser trennen sich vom Krankenhaus in Kamenz

Malteser trennen sich vom Krankenhaus in Kamenz

Das Malteser-Logo wird nicht mehr lange das Kamenzer Krankenhaus schmücken.

Zwei Jahre lagen die 2019 erstmals verkündeten Pläne auf Eis. Jetzt werden sie verwirklicht – an den Gründen hat sich nichts geändert.

Kamenz. Jetzt also doch: Das Kamenzer Krankenhaus bekommt einen neuen Betreiber. Wie die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen GmbH (GGS) mitteilt, übernimmt sie die Krankenhäuser St. Johannes in Kamenz sowie St. Carolus in Görlitz vollständig von der Malteser Sachsen-Brandenburg gemeinnützige GmbH. Die Malteser hatten bereits vor zwei Jahren angekündigt, sich von ihren ostsächsischen Klinikstandorten trennen zu wollen. Ein Jahr später dann die Rolle rückwärts: Angesichts der damals bereits grassierenden Corona-Pandemie stehe die medizinische Versorgung der Patienten an vorderster Stelle, daher nehme man von den Verkaufsplänen Abstand.

Nun die abermalige Kehrtwende, die für außen stehende Beobachter überraschend kommt. Zumal erst unlängst für Kamenz ein neuer ärztlicher Direktor und ein neuer Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin berufen wurden. Sven Heise bleibt auch unter dem neuen Betreiber Geschäftsführer, erhält jedoch einen „Co“: Lutz Möller, der laut Angaben der GGS über langjährige Erfahrungen aus dem sächsischen Gesundheitswesen verfügt und seit 15 Jahren in Führungspositionen tätig war. Die Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen selbst hat ihren Sitz in Hamburg und ist über ihren Geschäftsführer Ulf Völkel mit medizinischen Gesellschaften unter anderem in Berlin und Nordrhein-Westfalen verbunden. „Für die Zukunft braucht es im Gesund-heitswesen investitionsfreudige vernetzte Strukturen mit standortübergreifender Spezial-Kompetenz. Mit dem Engagement der GGS werden unsere Krankenhäuser in Kamenz und Görlitz Teil eines solchen Netzwerkes und damit zukunftssicherer und wettbewerbsfähiger“, freut sich dann auch der bisherige und künftige Geschäftsführer Sven Heise.

Auch am Personalbestand beider Kliniken will die neue Betreibergesellschaft nichts ändern: „Die neue Trägerin GGS schließt betriebsbedingte Kündigungen für die nächsten zweieinhalb Jahre aus und wird alle 600 Mitarbeitenden weiter beschäftigen“, versichert ein Sprecher. 330 davon arbeiten in Kamenz, 270 in Görlitz. Die GGS setzt demnach auf „integrierte ambulant-stationäre Versorgungsmodelle“ und insbesondere auf Digitalisierung. Die von den Maltesern übernommene christliche Ausrichtung beider Krankenhäuser soll beibehalten werden. Mittelfristig will die Gesellschaft einen „mehrstelligen Millionenbetrag“ investieren, um „Modernisierung und Digitalisierung voranzutreiben und gegebenenfalls bauliche Veränderungen vorzunehmen“. Anliegen sei es, beide Krankenhäuser langfristig zu betreiben. Malteser-Geschäftsführerin Verena Hölken betont: „Der Trägerwechsel soll die Mitarbeitenden nicht belasten, sondern ihnen die Sicherheit geben, dass ihre wertvolle und aufopfernde Arbeit sehr geschätzt und auch künftig benötigt wird.“

Die Malteser selbst bleiben in der ostsächsischen Region aktiv, insbesondere mit ihren Angeboten in der Altenhilfe und Pflege. Die bereits 2019 aufgeführten Gründe für die Trennung von deutschlandweit insgesamt sechs Krankenhäusern sind laut dem Sprecher gültig geblieben: „Die Malteser können aufgrund steigender Kosten und sinkender Vergütungen eine hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung nicht an allen Standorten nachhaltig sicherstellen.“

2017 hatte die Malteser Sachsen-Brandenburg gemeinnützige GmbH laut Jahresabschluss im Krankenhausbereich einen Fehlbetrag von 2,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Pflegebereich hingegen schrieb schwarze Zahlen. Im jüngsten verfügbaren Jahresabschluss von 2019 weist der Krankenhausbereich einen Fehlbetrag von 2,7 Millionen Euro aus (Gesamtminus: 2,3 Millionen Euro). Allerdings schreiben die Geschäftsführer der Gesellschaft, dass sie ab 2022 ein positives Jahresergebnis erwarten. Anlass dazu gäben demnach unter anderem die mittlerweile erfolgte Eröffnung der geriatrischen Abteilung im Jahre 2020 und die begonnene Umstrukturierung der Notfallaufnahme am Standort Kamenz.

Uwe Menschner / 07.12.2021

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