Mikrochips zum Anfassen im Labor der Hochschule

Gemeinsam mit Infineon-Auszubildenden probierten Schüler im DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz zentrale Arbeitsschritte der Halbleiterfertigung praktisch aus. ⋌Foto: Carla Schmidt
Zittau. Weiße Schutzanzüge, empfindliche Wafer und jede Menge Neugier: Im DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz in Zittau konnten Schüler jetzt selbst erleben, wie aufwendig die Herstellung moderner Mikrochips ist.
Gemeinsam mit der Infineon Technologies AG wurde dort ein neues Halbleiterexperiment vorgestellt. Auch Sachsens Kultusminister Conrad Clemens verfolgte vor Ort, wie Schüler im DLR_School_Lab an moderne Technologien herangeführt werden. Mit dabei waren auch Auszubildende von Infineon, die den Jugendlichen Einblicke in ihren Arbeitsalltag gaben und erklärten, warum in der Halbleiterfertigung höchste Präzision gefragt ist.
Für viele der Schüler vom Geschwister-Scholl-Gymnasium Löbau war es der erste direkte Kontakt mit der Welt der Mikroelektronik. Im Mittelpunkt stand dabei nicht trockene Theorie, sondern das eigene Ausprobieren. Die Teilnehmer schlüpften in Reinraumkleidung, arbeiteten mit Wafern und lernten Schritt für Schritt, wie empfindlich die Produktion moderner Chips ist.
„Es ist auf jeden Fall eine ganz neue Erfahrung, aber es macht echt Spaß, mal sowas Neues zu erleben“, erzählte eine Schülerin. Besonders spannend sei es gewesen, die Mikrochips in den speziellen Anzügen zu transportieren. „Ich habe schon mal etwas über Halbleiter gehört, aber noch nie so tiefgründig“, fügte sie hinzu.
Auch ein Mitschüler zeigte sich beeindruckt: „Es ist ein neuer Einblick in etwas, das ich vorher noch nicht kennengelernt habe.“ Eine weitere Schülerin kann sich inzwischen sogar ein technisches Studium vorstellen.
Besonders spannend fand sie das Arbeiten in den Reinraumanzügen: „Man fühlt sich ein bisschen wie die Leute in richtigen Laboren.“
Wie wichtig dabei Genauigkeit und Konzentration sind, erklärten die Infineon-Azubis direkt vor Ort. „Der Reinraum ist tausendmal sauberer als ein OP-Saal“, sagte Auszubildende Sofia. „Wir arbeiten an Chips, die später in vielen Geräten stecken, die wir jeden Tag benutzen.“ Schon kleine Fehler könnten große Schäden verursachen. Auch Andrea Bannert von Infineon betonte, worauf es im Reinraum ankommt: „Präzision ist wichtig. Die Schüler haben heute gelernt, wie wichtig Fokus und Hand-Augen-Koordination sind. Gleichzeitig hoffen wir, junge Menschen für die Halbleiterbranche begeistern zu können.“ Das DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz ist Teil der Bildungsinitiative ZukLOS – Zukunftslernort Oberlausitz. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Auf rund 350 Quadratmetern können Schulklassen in Zittau selbst experimentieren und Forschung praxisnah erleben. Gerade mit Blick auf den Strukturwandel und den Ausbau der Halbleiterindustrie in Sachsen gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung.
Unternehmen suchen Fachkräfte, gleichzeitig sollen junge Menschen frühzeitig für technische Berufe begeistert werden.
Rektor Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch sieht darin auch Chancen für die Region: Junge Menschen könnten hier in ihrer Heimat an Zukunftstechnologien mitarbeiten und gleichzeitig in einer lebenswerten Region bleiben.
Die Hochschule Zittau/Görlitz reagiert darauf auch mit neuen Studienangeboten. Aktuell läuft der Bewerbungszeitraum für das kommende Wintersemester. Neu im Angebot sind unter anderem die Studiengänge „Halbleiterprozesse und Materialchemie“ sowie „Mechatronics for Manufacturing“, die sich mit moderner Fertigung und Technologien der Mikroelektronik beschäftigen.
Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.hszg.de.