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Rietschener macht heimischen Elchtest

Rietschener macht heimischen Elchtest

Im Straßenverkehr bei Rummelsburg (Miastko) im polnischen Hinterpommern verendeter Elch Foto: Oliver Rettig

Görlitz/Rietschen. Einst waren Elche in Deutschland so stark verbreitet, dass es gar einen Landkreis Elchniederung gab. Da mit dem Verlust Ostpreußens 1945 das deutsche Staatsgebiet im Nordosten um über 500 km zurückgedrängt wurde – die Elchniederung fiel an die russische Exklave Königsberg (Kaliningrad) – dauerte es bis 1958, ehe in Lübben in Brandenburg und 1959 in Weißkeißel in der Muskauer Heide wieder Elche in Deutschland zumindest gesichtet wurden. Neuerdings werden Elche immer häufiger im kleineren Deutschland beobachtet. Die imposanten Tiere, die man vor allem aus Skandinavien kennt, wandern aus Polens und Tschechiens heutigem Gebietsstand ein und legen dabei mitunter mehrere Hundert Kilometer zurück. Auch in der Oberlausitz tauchen sie regelmäßig auf. Über aktuelle Nachweise, ihre Wanderbewegungen und die Chancen einer dauerhaften Rückkehr berichtet der Biologe und Elchspezialist Michael Striese aus Rietschen am Dienstag, dem 27. Oktober, 19.30 Uhr, im Görlitzer Senckenberg-Museum.

Im vergangenen Jahr sorgte Elchkuh „Elwira“ für Aufsehen, als sie über Rietschen und Kreba durch die Niederschlesische Oberlausitz bis in altsächsische Gebiete vordrang. Im September 2026 wurde ein junger Elchbulle gar im niedersächsischen Wendland nachgewiesen, Anfang Oktober erregte ein Elch an der Ostseeküste Vorpommerns Aufsehen. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt auch der Tod des wohl bekanntesten deutschen Elchs: „Bert“ lebte seit 2018 in Brandenburg und hatte sich im Naturpark Nuthe-Nieplitz südlich von Berlin dauerhaft angesiedelt. Fast neun Jahre lang verfolgten Wissenschaftler seine Bewegungen mithilfe von GPS-Sendern und gewannen dabei Erkenntnisse über die Lebensweise von Elchen in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Im September nun starb der zehnjährige Elchbulle an inneren Verletzungen. Wie diese entstanden, ist bislang ungeklärt.

Michael Striese beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den großen Wildtieren unserer Region und dokumentiert Elchbeobachtungen in Sachsen. In seinem Vortrag stellt er die neuesten Erkenntnisse über das Vorkommen der Tiere in Deutschland vor. Woher kommen die wandernden Elche? Welche Wege nehmen sie und warum bleiben die meisten nur vorübergehend? Und: Könnten sich die mächtigen Pflanzen-fresser künftig wieder dauerhaft in der Oberlausitz ansiedeln? Die Voraussetzungen dafür sind durchaus günstig: In Polen haben sich die Elchbestände in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erholt. Auch im Osten der Bundesrepublik finden die Tiere geeignete Lebensräume mit ausgedehnten Wäldern, Feuchtgebieten und reichlich Nahrung. Allerdings erschweren Straßen und andere Verkehrswege ihre Wanderungen. Erst letzten Sonntag sorgte ein Elch  zwischen Groß Köris und Teupitz südlich Berlins auf der A13 für eigene Gefahr und bei Kraftfahrern. Ob aus durchziehenden Tieren langfristig wieder eine heimische Elchpopulation entstehen kann, ist eine der Fragen, denen der Referent nachgeht.

Till Scholtz-Knobloch / 25.10.2026

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