Sagenhafte Würfelei im Reichenturm

Josi Zieschank, Dirk Wujanz, Otto Thiemann, Paul Schneider und Tim Epperlein (v.l.n.r.) beim Dreh auf dem Reichenturm. Foto: TürmeUndTavernen
Ein leerer Stuhl am Stammtisch und eine Geisterermittlung im Bautzen des Jahres 1513: Das Podcast-Team von „Türme & Tavernen“ hat eine lokale Sage als Video-Rollenspiel im Reichenturm aufgezeichnet. Am 7. Oktober feiert das packende Abenteuer Premiere bei Youtube, gefolgt von einem geheimen Live-Auftritt im Steinhaus.
Bautzen. Wenn der Reichenturm in Bautzen nachts zum Schauplatz einer Geisterermittlung wird, stecken dahinter keine echten Gespenster, sondern fünf Freunde, jede Menge Fantasie und ein Haufen Würfel. Das Bautzener Podcast-Team von „Türme & Tavernen“ hat eine lokale Sage in ein packendes Pen-and-Paper Rollenspiel verwandelt und die epische Runde als Video aufgezeichnet. Am Mittwoch, 7. Oktober, um 18 Uhr feiert das fertige Abenteuer seine Online-Videopremiere.
Doch was genau machen die fünf Männer da eigentlich? Das Prinzip „Pen and Paper“ (zu Deutsch: Stift und Papier) ist im Grunde ein Gesellschaftsspiel der reinen Fantasie – eine Mischung aus gemeinsamem Geschichtenerzählen und Stegreiftheater. Die Grundlage dafür bildet das weltbekannte Spiel „Dungeons & Dragons“. Ein Spielleiter beschreibt die Ausgangslage, die Umgebung und die Gefahren. Die anderen Mitspieler schlüpfen in die Rollen ihrer erfundenen Figuren. Sie entscheiden völlig frei, wie sie handeln, wem sie vertrauen und wie sie ein Problem lösen wollen. Ob ein Plan gelingt oder gründlich schiefgeht, entscheiden am Ende die Würfel und der pure Zufall. „Es ist eine würfelbasierte Gruppenhalluzination“, beschreibt Paul Schneider das Prinzip schmunzelnd.
Gemeinsam mit Otto Thiemann bildet Paul das Kern-Duo – die beiden sind die Stimmen und Macher des beliebten Podcasts. Komplettiert wird die kreative Truppe, die sich im Dezember 2025 zusammenfand, durch Tim Epperlein, Dirk Wujanz und Sandro Funke. Normalerweise leitet Paul die Runden als Spielleiter, während Otto mitspielt.
Für Specials und das aktuelle Videoprojekt wurde die Rolle jedoch getauscht – Otto übernahm die Spielleitung und dachte sich das Abenteuer aus. Festgefahren ist bei den Jungs ohnehin nichts: „Denn nichts ist in Stein gemeißelt“, betonen die Macher gut gelaunt. Beim großen Videodreh gab es allerdings eine ganz spontane Änderung im Team:
Da Sandro Funke am Drehtag verhindert war, sprang Josi Zieschank kurzerhand ein und verstärkte das Ermittlerteam vor den Kameras.
Die Handlung des aufgezeichneten Abenteuers führt die Zuschauer zurück in das Bautzen des Jahres 1513. Die historische Kulisse ist kein Zufall, denn alte Sagen und Mythen sind laut Paul derzeit absolut angesagt. Als inhaltliche Vorlage diente die bekannte Bautzener Sage vom Domtürmer, der unter mysteriösen Umständen stirbt, nachdem er auf dem Friedhof einen Geist gesehen haben soll. Vier seiner Türmer-Kollegen werden von einem Ratsherrn beauftragt, die Sache möglichst unauffällig aufzuklären, damit die Situation nicht aus dem Ruder läuft. Was folgt, ist ein genial-schräger Trip zwischen Tavernenbesuch, nächtlichem Kirchhof und unheimlichen Entdeckungen, bei dem die Charaktere auch mal zu ungewöhnlichen Mitteln wie einem Lasso greifen.
Gespielt wurde genau dort, wo die Geschichte atmet: Auf dem Bautzener Reichenturm. Der Kontakt kam über ein Sagen-Event zustande, bei dem das Team die echte Türmerin Renate Peter kennenlernte. Begeistert von der Idee, stellte sie den historischen Turm für die Aufnahme bereit. Am 12. August – dem Tag der realen Sonnenfinsternis – hieß es von 19 bis 23 Uhr im Turmzimmer schließlich: Action! Bevor die ersten Würfel fallen konnten, mussten Kameras, Licht und tonnenweise Ausrüstung die 135 engen Stufen hinaufgeschleppt werden.
Große Unterstützung gab es dabei von freiwilligen Helfern und dem Team von „Lausitz Rocks“, die das Event professionell ausleuchteten, mit Kameras begleiteten und spektakuläre Drohnenaufnahmen beisteuerten. Das reale Himmelsphänomen der Sonnenfinsternis bauten die Spieler dabei spontan in ihre Story ein – inklusive originaler Beobachtungsbrillen, die vom Deutschen Zentrum für Astrophysik in Görlitz bereitgestellt wurden. In der Geschichte verdunkelt sich der Himmel ebenfalls, was für die Türmer des Jahres 1513 alles andere als ein beruhigendes Zeichen ist.
Das gesamte Projekt basiert auf jeder Menge Herzblut und ehrenamtlichem Engagement der lokalen Community. Da allein die offiziellen Genehmigungen für das Drohnenvideo über der Stadt stolze 200 Euro kosteten, freut sich das Podcast-Team im Nachgang über kleine Spenden über www.patreon.com /cw/TuermeundTavernen zur Refinanzierung des Projekts. Wer neugierig auf das packende Bautzener Geisterabenteuer geworden ist, braucht übrigens keinerlei Regelkenntnisse aus der Rollenspielwelt: Die Spielrunde führt zu Beginn des Videos ganz locker und verständlich in das Spiel ein.
Und das nächste Highlight wirft bereits seine Schatten voraus: Demnächst wird das Team von „Türme & Tavernen“ die Podcast-Mikrofone gegen eine echte Bühne eintauschen. Im Rahmen der Live-Podcast-Reihe „Senf.Kom.Pod“ im Steinhaus Bautzen steht ein Live-Auftritt der Truppe an. Welches Abenteuer oder welches Thema das Publikum dort erwartet, bleibt laut Otto bis dahin aber noch streng geheim. Wer keine News, Ankündigungen oder exklusive Einblicke verpassen möchte, sollte unbedingt dem Kanal @tuerme_und_tavernen auf Instagram folgen
weite