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So schön ist das neue Begegnungszentrum in Wilthen

So schön ist das neue Begegnungszentrum in Wilthen

Bürgermeister Michael Herfort (li.) und Bauamtsleiter Heiko Knoppik freuen sich, dass das Vorhaben nun zu einem mehr als nur befriedigenden Abschluss geführt werden konnte. Fotos: Uwe Menschner

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Im alten Gewölbekeller wurde ein Ausstellungsbereich eingerichtet, der die Achate aus der Partnerstadt Löwenberg zeigt.

Umgebindehäuser und alte Bauernhöfe erleiden oftmals ein trauriges Schicksal, wenn sich niemand mehr um sie kümmert. Ganz anderes widerfuhr dem Haus Dresdener Straße 2 in Wilthen.

Wilthen. In der Weinbrandstadt Wilthen wurde am Freitag (nach Redaktionsschluss des Oberlausitzer Kuriers vom 12.09.2026) das neue Kultur- und Begegnungszentrum eröffnet. Es entstand aus einem alten Bauerngehöft an der Ecke Dresdener-/Bahnhofstraße. Bürgermeister Michael Herfort und Bauamtsleiter Heiko Knoppik gewährten dem Oberlausitzer Kurier bereits vorab einen Einblick in die alten und nunmehr wieder so modernen Gemäuer. Doch welche Funktionen soll das Zentrum erfüllen, und wie kam es überhaupt dazu? Der Wilthener Bürgermeister gibt Auskunft: „Wir hatten hier mitten im Stadtzentrum eine Brache, ein altes Umgebindegehöft, das dem Verfall preisgegeben war. Das ist ein städtisches Grundstück und wir haben überlegt, welche Nutzung dafür möglich wäre.“ Gemeinsam mit der polnischen Stadt Lwowek Slaski (Löwenberg) startete Wilthen ein Projekt im Rahmen des europäischen Förderprogramms Interreg mit dem Ziel, neue Räume für die Tourist-Information, das Stadtmuseum sowie für Veranstaltungen zu schaffen.

Der Bauamtsleiter erklärt, vor welchen Herausforderungen die Stadt bei diesem Großprojekt stand: „Der Ausgangszustand war dramatisch. Man sagt ja oftmals, ’es ist fünf vor zwölf.’ Bei diesem Haus war es schon halb Eins in der Nacht. So wurde die Umsetzung zu einem enormen Kraftakt.“ Es wurde nicht nur das Haupthaus erhalten, sondern die Scheune komplett neu gebaut: „Der Bauzustand der alten Scheune hat die Erhaltung einfach nicht mehr hergegeben.“ Das Gebäude wurde einmal „komplett auf links gedreht: Wir haben Unmengen an Holz verbaut, eine neue Bedachung errichtet, enorm in die Haustechnik investiert, Wärmepumpe, PV-Anlage … Wir haben alles erneuert, was sich natürlich auch in der Investitionssumme niederschlägt.“

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Die Geduldflaschen funktionieren ähnlich wie Flaschenschiffe, sind aber aufgrund des Fehlens von Fäden noch weitaus komplizierter herzustellen.

Diese beläuft sich auf etwa 2,5 Millionen Euro, wovon 80 Prozent über das europäische Interreg-Programm gefördert wurden. Dafür brauchte Wilthen aber einen polnischen Projektpartner, den es in Lwowek Slaski, auf Deutsch Löwenberg, fand. Doch dazu später noch mehr. Begeben wir uns nun auf einen kleinen Rundgang. Gleich wenn man das Gebäude betritt geht es nach links in die neue Tourist-Information, wo man neben guten Tipps für den Aufenthalt in Wilthen und Umgebung auch Bücher, Wanderhilfen und Souvenirs erhalten kann. Im Gewölbekeller geht es in einen ganz besonderen Raum, in dem es funkelt und glitzert. Michael Herfort erklärt, was es damit auf sich hat: „Wir haben im alten Gewölbekeller einen Ausstellungsbereich eingerichtet, der die Achate aus Löwenberg zeigt. Dabei handelt es sich um einen Halbedelstein, der in der Vergangenheit in der Region gefunden wurde. Der Achatsommer zieht jährlich etwa 50.000 Besucher in unsere Partnerstadt.“ Auch die Löwenberger werden in ihrem Teilprojekt – der Sanierung des Bürgersaals im Rathaus – einen Verweis auf Wilthen schaffen.

Doch damit der Entdeckungen nicht genug. Nach dem Aufstieg ins Obergeschoss, der natürlich auch per Aufzug möglich ist, betritt der Besucher das neue Wilthener Heimatmuseum: „Das Heimatmuseum war bis jetzt eher eine Heimatstube, ein Sammelsurium von Raritäten aus mehreren Jahrhunderten Wilthener Stadtgeschichte“, so der Wilthener Bürgermeister. Und weiter: „Mein Ziel war schon seit langem, ein neues Stadtmuseum zu kreieren, doch an alter Stelle war das schlecht möglich. Hier sind nun zwei neue Ausstellungsbereiche entstanden – ’Wilthens Wunderkammer’ und ein Themenbereich zur Stadtgeschichte.“

Die erwähnte Wunderkammer verdient einen genaueren Blick, denn die hier ausgestellten Besonderheiten sind nicht nur originell, sondern ermöglichen auch einen tiefen Einblick in frühere Zeiten. Beispielsweise die Geduldflaschen, die ähnlich funktionieren wie Flaschenschiffe, aber noch weitaus komplizierter herzustellen sind. Die Butterfässer, die letztlich Wilthens Butterwasser seinen Namen gaben und Erzeugnisse der hiesigen Industrie wie Koffer und – natürlich – Spirituosen gehören ebenfalls zur Sammlung. Zu allen Exponaten können per QR-Code Informationen auch auf Polnisch abgerufen werden. 

In der neu aufgebauten Scheune befindet sich ein modern ausgestatteter Veranstaltungsraum für bis zu 60 Personen. Die Verbindung von Tradition und Moderne bildet ohnehin das Rückgrat des Vorhabens, wie Bauamtsleiter Heiko Knoppik erläutert: „Es ging dabei um die Themen Energieerzeugung, Sicherheit und Barrierefreiheit. Wir konnten mit allen Behörden auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Das Ergebnis spricht, so denke ich, für sich.“ Zum Zeitpunkt des Besuchs des Oberlausitzer Kurier liefen noch letzte Arbeiten im Außengelände und an der Ausstattung, die bis zur Eröffnung sicher abgeschlossen waren. Auch der etwas eingängigere Name für den Gebäudekomplex dürfte nun schon bekannt sein.

Uwe Menschner / 13.09.2026

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