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Stadtlauf soll nicht in Vergessenheit geraten

Stadtlauf soll nicht in Vergessenheit geraten

Sind angetreten, um Schüler in Corona-Zeiten zum Laufen zu bewegen: Ines Pröhl und Steffen Waldmann vom MSV Bautzen 04 sowie die EWB-Geschäftsführer Andrea Ohm und Kai Kaufmann. Foto: RK

Das winzige Corona-Virus wirft in diesem Jahr vieles über den Haufen. Selbst der traditionelle Bautzener Stadtlauf, an dem im Schnitt auch 1.200 Schüler alljährlich teilnehmen, wurde Opfer der Pandemie. Doch die Organisatoren haben die Köpfe rauchen lassen und eine Alternative ins Leben gerufen.

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Beim Stadtlauf gehen traditionell auch Hunderte Schüler aus Bautzen und Umgebung an den Start. Weil dieser 2020 coronabedingt ins Wasser fällt, dürfen Erst- bis Zwölfklässler im Zuge einer Schulchallenge ihre Ausdauer unter Beweis stellen. Foto: Archiv/M. Glaser

Bautzen. Alles sollte wie immer seinen sportlichen Gang gehen – nach dem Stadtlauf ist bekanntlich vor dem Stadtlauf. Der Sportverein MSV Bautzen 04 hatte bereits in den Organisationsmodus geschaltet, als mit dem Auftreten der ersten Corona-Verdachtsfälle im Landkreis und dem staatlich verordneten Lockdown im Anschluss die Routine einen herben Dämpfer verpasst bekam. Mit einem Mal war guter Rat teuer, denn die Veranstalter gelangten zu der Einsicht: Vor solch einer Kulisse lässt sich kein Sportereignis dieser Größenordnung durchführen. „Aufgrund der staatlichen Maßnahmen war zunächst ungewiss, ob der Lauf stattfinden kann. Außerdem schien ein genehmigungsfähiges Hygienekonzept illusorisch.  Abstands- und Hygieneregelungen sind bei einem Massenstart wie am Postplatz schwierig umzusetzen. Letztendlich geht es aber um die Sicherheit der Kinder, die uns sehr wichtig ist. Und noch etwas muss bedacht werden. Damit der Stadtlauf über die Bühne gehen kann, hätten wir schon vor vier Monaten Planungssicherheit herstellen und die entsprechenden Verträge beispielsweise mit unseren Sponsoren schließen müssen. Das lässt sich nun nicht mehr in einer Hau- ruckaktion bewerkstelligen, wenn wir am ursprünglichen Termin festhalten würden“, erklärte MSV-Geschäftsführer Steffen Waldmann zu Beginn dieser Woche dem Oberlausitzer Kurier im Anschluss an ein Pressegespräch in den Räumlichkeiten der Energie- und Wasserwerke Bautzen (EWB).

Da es jedoch diese Planungssicherheit zum damaligen Zeitpunkt nicht gab, wurde der Stadtlauf im September abgesagt.
Um vor dem Hintergrund der jüngsten Lockerungen dennoch vor allem den jüngeren Menschen in Bautzen und Umgebung eine sportliche Betätigung zu bieten, hat der Verein im Alterschluss mit mehreren Geldgebern und Unterstützern eine Alternative aus der Taufe gehoben. Damit soll quasi der Brückenschlag zum nächsten regulären Stadtlauf erfolgen. „Auf keinen Fall möchten wir, dass dieser aufgrund von Corona bei seinen Teilnehmern in Vergessenheit gerät“, meinte Vereinspräsidentin Ines Pröhl. Sportliche Betätigung und Bewegung seien „das A und O“, so EWB-Geschäftsführerin Andrea Ohm.

Doch gerade die jungen Leute hätten während der schulfreien Zeit zum Höhepunkt der ersten Corona-Welle nicht wie sonst üblich den Sportunterricht besuchen können. Die Kinder seien vielmals zu Hause gewesen und hätten dort gelernt, mit den Handys gespielt und ferngeschaut.

Diese Entwicklung war letztendlich dem MSV-Team nicht verborgen geblieben. „In einer Videokonferenz haben wir uns zur aktuellen Lage mit den Sponsoren ausgetauscht“, erinnert sich Ines Pröhl. „Dabei ist der Vorschlag unterbreitet worden, eine Schulchallenge in Angriff zu nehmen.“ Und die funktioniert so: Schulklassen in Bautzen und im Umland sind bis zum 16. Oktober dazu aufgerufen, vorrangig im Sportunterricht so viele Laufmeter wie möglich innerhalb von zwölf Minuten zurückzulegen. Im Anschluss wird das Ergebnis in eine Meldeliste, die der MSV zuvor den infrage kommenden Bildungseinrichtungen auf dem Postweg zukommen ließ, eingetragen und den Organisatoren via E-Mail übermittelt. Je Jahrgangsstufe winken den drei Klassen mit den besten Resultaten Preisgelder von jeweils 200, 150 und 100 Euro. „Das soll allen als Anreiz dienen“, betonte Andrea Ohm. „Damit lässt sich doch ein Stück weit die Klassenkasse aufbessern. Wir wünschen viel Spaß an der Bewegung und freuen uns auf eine rege Beteiligung.“

Voraussetzung ist jedoch, dass mindestens 80 Prozent der Schüler einer Klasse beziehungsweise eines Kurses an der Schulchallenge teilnehmen. Und auch wenn es nicht reicht fürs Preisgeld, gibt es dennoch etwas zur Erinnerung – eine Teilnehmerurkunde für jeden Schüler.

Am 4. November will der MSV Bautzen 04 das Geheimnis lüften, wer besondere Ausdauer an den Tag gelegt und die weiteste Strecke absolviert hat. Im kommenden Jahr allerdings, so hoffen alle, wird der Stadtlauf wieder zahlreiche Starter in seinen Bann ziehen.
Zuletzt hatten daran 1.135 Schüler teilgenommen. 378 Frauen und Männer waren ebenso in die Laufschuhe geschlüpft. In dieser Altersklasse ließ sich damit das zweitbeste Teilnehmerresultat in der Geschichte des Bautzener Traditionssportereignisses verzeichnen.

Roland Kaiser / 12.09.2020

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