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Was passiert jetzt 
im Piushaus?

Was passiert jetzt 
im Piushaus?

Lydia und Olaf Kramer haben das Piushaus in Schirgiswalde erworben und wollen es sowie den umgebenden Park nun Schritt für Schritt restaurieren.

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Original-Tapeten der elsässischen Firma Zuber aus dem 19. Jahrhundert gibt es außer im Piushaus nur noch in Rammenau.

Nach jahrelangem Leerstand hat die frühere Sommerresidenz der Bautzener Bischöfe nun neue Eigentümer. Die haben schon einiges geschafft – und noch viel mehr vor.

Schirgiswalde. Das Herrenhaus des Schirgiswalder Oberhofs – oft auch als Piushaus bezeichnet – hat schon vieles erlebt. Es war Sommerresidenz der Bautzener Bischöfe, Kirchenmusikschule, Heimstatt der katholischen Fürsorge und auch Kindergarten. Hier fand im Juli 1845 die feierliche Übergabe Schirgiswaldes von Österreich an das Königreich Sachsen statt. 2006 endete die Nutzung, und es begann eine lange Zeit des Leerstands. Lange bemühte sich das Bautzener Domkapitel vergeblich, das um 1700 errichtete Gebäude zu verkaufen. Jetzt hat es mit Lydia und Olaf Kramer neue Eigentümer, und das kam so: „Wir wollten gern von Dresden aufs Land ziehen. Wir wollten irgendwohin, wo unsere drei Kinder sicher und friedlich aufwachsen können, und in Schirgiswalde hat es super gepasst. Wir dachten: Dann ist die Oberlausitz vielleicht eine gute Idee.“

Olaf und Lydia Kramer hatten allerdings finanzstarke Konkurrenz, denn Investoren aus Dubai planten zur gleichen Zeit, das Piushaus zu einem Hotel umzubauen. Umso größer war die Freude, als die Maklerin der jungen Familie den Zuschlag erteilte – für Olaf und Lydia Kramer stellte das eine göttliche Fügung dar. Wobei Lydia etwas Zeit brauchte, um sich mit dem neuen Zuhause anzufreunden: „Man hat gemerkt, dass es im letzten Jahrhundert sehr oft Restaurierungsversuche gegeben hat. Da wurden verschiedene Materialien einfach aufeinander gesetzt, was gerade zur Verfügung stand. Auch wir nehmen, was uns zur Verfügung steht. Es ist wie eine archäologische Ausgrabung.“ Spätere Besitzer werden sich vielleicht über einen Hammer in der Wand wundern, der den Kramers in ein Loch fiel. 
Die neuen Eigentümer machten sich ans Werk. So entfernten sie in der Halle und im Wohnraum den Fußboden, wodurch sie zehn Zentimeter an Raumhöhe gewannen. 

Auch die durch geplatzte Leitungen durchfeuchteten Tapeten und Putzschichten wurden abgetragen und der Boden im Obergeschoss ausgeglichen. Dies alles diente zunächst dem Ziel, im Piushaus wohnen zu können. 

Doch die Familie hat noch weitere Pläne: „Der Kindergarten hat nur ein recht kleines Grundstück und kann den Park mit nutzen. Unten soll eine Alltagshilfe rein kommen und oben eine Ferienwohnung, als niederschwelliges Angebot für Reisegruppen und junge Familien. Längerfristig soll hier eine Begegnungsstätte für Jung und Alt entstehen, wo sich die Generationen treffen können.“
Das Piushaus birgt, durch seine langjährige Nutzung durch das Domkapitel bedingt, wertvolle Kunstschätze. Insbesondere die Bildtapeten in den Räumen im Obergeschoss, das in Anlehnung an größere Schlösser wie zum Beispiel Rammenau als „Belle Etagé“ gestaltet wurde. Ihre Bedeutung kann kaum hoch genug eingeschätzt werden: „Der damalige Bischof und Domdekan Mauermann ließ die Tapeten 1838 hier einbauen, der dafür eine ganze Etage aufstockte. Es gibt solche Tapeten aus dem 19. Jahrhundert noch einmal, in Schloss Rammenau, und sonst auf der ganzen Welt fast nirgendwo mehr. Und dass Boden, Decke, Türsockel und Sockelbemalung zusammenpassen, im ursprünglichen Zustand, gibt es sonst auch fast nicht mehr.“ Die Wände der Räume mit den Tapeten sind mit Rissen durchzogen. Mithilfe eines Stahlträgers sorgten die Kramers für die statische Sicherung, sodass sich der Zustand nicht weiter verschlechtern wird. An eine Restaurierung ist aufgrund der hohen Kosten derzeit allerdings nicht zu denken. 

Eine große Bedeutung für das Gesamtensemble hat der Park, der sich beim Einzug der Familie als Wildnis präsentierte. Familie Kramer entfernte den Wildwuchs und sorgte für die Baumsicherheit, sodass der benachbarte Kindergarten, wie schon in den Jahren zuvor, einen Teil des Parks als Freigelände nutzen kann. Und es existieren noch weitere Pläne: „Es gibt einen verschütteten Brunnen, den wir freilegen wollen, und einen anderen Teil möchten wir als Natur- und Umweltgarten gestalten. Das ist ein Gemüsegarten, den wir Kindergarten und Schule als Ganztagsprojekt zur Verfügung stellen wollen. Auch die Pfadfinder wollen sich daran beteiligen.“ Und schließlich gibt es da noch die Marienstatue, die für Olaf und Lydia Kramer eine ganz besondere Bedeutung hat: „Die Marienstatue wurde 1893 von einem Domdekan und Bischof gespendet, der sehr krank war. Die Gemeinde betete für ihn, und er wurde wieder gesund. Zum Dank spendete er die Statue. Die ist leider mit der falschen Farbe restauriert worden. Dadurch bröckeln jetzt sowohl Sandstein als auch Farbe.“ 

Um sie instandzusetzen, müsste die Farbe komplett entfernt werden. In der jetzt beginnenden warmen Jahreszeit soll Familie Kramer der eigene Eisautomat helfen, die Schirgiswalder und ihre Gäste an der wieder erblühenden Schönheit des Piushauses und des Parkes teilhaben zu lassen. Für den dafür benötigten langen Atem setzen sie auf ihr unerschütterliches Gottvertrauen. 

Uwe Menschner / 14.03.2026

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