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Leserbrief oder nicht? Trend zum Shitstorm hält an

Leserbrief oder nicht? Trend zum Shitstorm hält an

Auch bei einem „Leserbrief“ gilt es einige Standards einzuhalten. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Region. Erst vorletzte Woche hieß es in einer Meldung in dieser Zeitung: „Das Wissen über Medien ist in Sachsen schwach entwickelt. Das hat eine Studie ergeben, die im Auftrag der Landeszentrale für Politische Bildung herausgegeben wurde. 1/3 der Bewohner Sachsens hätten ’wenig oder falsche Vorstellungen über die Aufgaben von Journalismus’“. Nun gut, der Auftrag zur Studie mag dem Umstand geschuldet sein, dass man genau das gerne postulieren wollte, weil der Bürger ja so störrisch und lästig geworden ist.

Doch ein Beispiel hat mir letzte Woche ebenso belegt, dass es Missverständnisse gibt. Ohne Unterschrift flatterte eine Leserredaktion in den Briefkasten. Im Wesentlichen handelte es sich um die ganzseitige Anzeige „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“ zur Impfkampagne, auf der Edding-Unterstreichungen, Fragezeichen oder neben der Überschrift „Schwangere und Stillende“ ein Totenkreuz mit dem Zusatz „81%“ zu finden sind.
Zunächst einmal: Anzeigen sind keine redaktionellen Beiträge. Ferner führen nur ausformulierte Sätze wirklich zu Verständlichkeit und vor allem: Wer eine Meinung kundtut, der sollte sich auch bitte mit Namen und Wohnort bekennen. Wir Redakteure tun dies ebenso bei vielen brisanten Themen und sind damit Woche für Woche auch angreifbar.

Dass wir dennoch zuletzt sehr wenige Leserbriefe veröffentlicht haben, hängt allerdings vor allem damit zusammen, dass Corona sehr viel Raum für Beiträge genommen hat.

Als Redakteur stelle ich allerdings schon fest, dass Leserbriefe tendenziell abzunehmen scheinen. Das liegt sicher nicht allein daran, dass viele schneller im Internet Frust abladen können, sondern auch daran, dass der Standard für eine gedruckte Meinung schon in etwas Mühe und der Angabe des Klarnamens liegt. Dass Menschen vorsichtiger geworden sind, dürfte leider wohl auch dem allgemeinen Klima zum Shitstorm bis hin zu gesellschaftlichen oder gar beruflichen Konsequenzen geschuldet sein.

Till Scholtz-Knobloch / 22.11.2021

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