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Verzicht auf Fahrscheinzwang während der Corona-Krise?

Verzicht auf Fahrscheinzwang während der Corona-Krise?

Nahverkehrszüge nach Cottbus und Bischofswerda im Görlitzer Bahnhof Foto: Till Scholtz-Knobloch

Der Fraktionsvorsitzende vom Bündnis Grüne/SPD/KJiK im Kreistag Görlitz Thomas Pilz hat sich an den Landrat Bernd Lange sowie den Geschäftsführer des ZVON Hans-Jürgen Pfeiffer als Aufgabenträger des ÖPNV gewandt, um während der Coronakrise den Fahrscheinzwang auszusetzen. „Als Kreistagsfraktion unterstützen wir die veranlassten Maßnahmen aufgrund der Coronapandemie bei Fahrscheinerwerb und Kontrolle im vollen Umfang. Allerdings darf dies nicht dazu führen, dass insbesondere Ältere und Menschen, die sich nicht selbstverständlich digital durch unsere Welt bewegen vom ÖPNV ausgeschlossen werden. Deshalb ist unseres Erachtens eine Klarstellung, dass zurzeit kein Fahrscheinzwang bei der Nutzung des ÖPMV existiert sinnvoll und notwendig, um der Verunsicherung entgegenzuwirken“, teilt Thomas Pilz mit.

Das Schreiben trägt folgenden Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Landrat Lange, sehr geehrter Herr Geschäftsführer Pfeiffer,
es ist unstrittig, dass die Einstellung des Ticketverkaufs in Zügen und Bussen eine notwendige wie sinnvolle Maßnahme darstellt, um das Personal vor Ansteckungen zu schützen. Die Verpflichtung für Fahrgäste, sich vor Fahrtantritt ein Ticket zu besorgen, ist in dieser Situation u.E. jedoch realitätsfremd und benachteiligt die in unserer Gesellschaft, die aus gesundheitlichen, finanziellen Gründen auf den ÖPNV angewiesen sind. In Zittau beispielsweise gibt es die  Reise-Agentur im Bahnhof als Vorverkaufsstelle. Da das gesamte Bhf-Gebäude zur Vermeidung von Ansteckungen geschlossen wurde, fällt somit diese Vorverkaufsmöglichkeit weg. An allen Bahnhöfen im ZVON-Gebiet gibt es unserer Kenntnis nach auch keine Automaten mehr. Der Verweis auf das Handyticket dürfte gerade viele ältere Menschen überfordern (zudem mussten Handy-Läden schließen, wo man ggf. Hilfestellung beim Herunterladen der App erhalten würde).

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Problemlos ist die Lage nur im Stadtverkehr GR, wo alle Busse und Trams sowie wichtige Haltestellen  mit Automaten ausgestattet sind.

Wir haben daher die dringende Bitte, in der Zeit der Kontakteinschränkungen durch die Corona-Pandemie auf den Fahrscheinzwang zu verzichten und dies in geeigneter Form öffentlich zu machen. Wir wollen erreichen, dass insbesondere ältere Bürgerinnen und Bürger nicht auf die Möglichkeiten des ÖPNV für ihre notwendigen Fahrten verzichten aus Angst, ohne Fahrschein (den sie nicht erwerben können) einen Fehler zu begehen.

Till Scholtz-Knobloch / 01.04.2020

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