Vom Chaos zur grünen Kiez-Oase

Das Gartenteam – von links Birgit Scheffler, Christina Schelske und Thomas Schelske – genießt nach getaner Arbeit eine Verschnaufpause unter dem Baum. Foto: Beate Diederichs
Ein dreiköpfiges Team baut ehrenamtlich und mit viel Liebe auf einem einst verwilderten Grundstück an der Kamenzer Mönchsmauer den „Kiezgarten“ auf – und sucht Mitstreiter mit Sinn für Grün und Natur.
Kamenz. Der wechselhafte Frühling zwingt uns Menschen, kleidungstechnisch flexibel zu sein: Verlangen die Temperaturen nach dem T-Shirt oder ist der Griff zur Funktionsjacke angesagt? Die Natur dagegen mag dieses Wetter. Regen und Sonne lassen alles grünen und blühen. Auch im Kamenzer „Kiezgarten“: Auf dem terrassierten, rund 800 Quadratmeter großen Grundstück an der Mönchsmauer zeigen sich die Azaleen in bunter Pracht, sprießen Büsche und wilde Erdbeeren mit ihren weißen Blüten – und gedeiht leider auch das Unkraut. Letzteres erinnert Birgit Scheffler und Christina Schelske an die Zeit, als sie begannen, sich den Garten urbar zu machen: „Die Idee für einen solchen Ort entstand bereits 2019. Konkret wurde es, als mein Mann und ich unseren eigenen Garten aufgeben mussten und mit Unterstützung der Citymanagerin Anne Hasselbach dieses Grundstück fanden. Hier konnten wir unsere Pflanzen unterbringen“, berichtet Christina Schelske. Ihr Ehemann Thomas bildet nun mit den beiden Frauen das Gartenteam. Der heutige „Kiezgarten“ habe damals chaotisch ausgesehen, erzählt Birgit Scheffler: „Alles war zugewachsen, auch die beiden Steintreppen. Jahrelang hatten Passanten Müll in das Grundstück geworfen: Büchsen, Flaschen, Plastik, alte Ziegel...“ Nachdem die Hobbygärtner im Herbst 2024 auf einem kleinen Viereck die Pflanzen aus dem Garten der Schelskes zwischengelagert hatten, begann im Frühjahr 2025 eine Schwerstarbeit von mehreren Monaten. Diese erledigten die Ehrenamtler vor allem an Wochenenden: Sie schnitten die Treppen und die Terrassen vom Unkraut frei, räumten den Müll hinaus, befestigten die Terrassen mit schweren Granitsteinen und pflanzten neu. Da das Gelände keinen Stromanschluss hat, mussten sie alles per Hand oder mit Geräten schaffen, die einen Akku haben.
Ein Wasseranschluss ist geplant. Bisher füllen sie aber ihre Gießkannen aus einem Tank. Um den rechtlichen Rahmen zu sichern, hat die Stadtwerkstatt Kamenz e. V. im letzten Jahr das Grundstück von der Stadt gepachtet. Birgit Scheffler, Christina Schelske und Thomas Schelske sind Mitglieder bei der Stadtwerkstatt.
In dem reichlichen Jahr seit dem ersten Spatenstich hat das Gartenteam viel geschafft: Zwei Terrassen sind befestigt und bepflanzt. Nur die dritte ist noch relativ unerschlossen. Dazwischen verlaufen Wege. Sitzgelegenheiten laden zum Ausruhen ein. Die alten Obstbäume, die schon da waren, breiten ihre Äste aus und tragen auch Früchte. „Einige der Leute, die bei der „Offenen Gartenpforte“ mitwirken, standen uns mit Rat und Tat zur Seite. Bekannte und sogar Unbekannte schenkten uns Pflanzen“, berichtet Birgit Scheffler.
Nun wachsen hier Lavendel, Lungenkraut, Astilben, Sonnenbraut, Rosen, Hortensien, Gewürzpflanzen und Kräuter. Die meisten Stauden sind mehrjährig und locken Insekten an. „Nicht alles gedeiht hier gleich gut, weil der Untergrund schnell steinig wird und wir an einem Nordhang liegen“, kommentiert Christina Schelske. Bald wird das Gartenteam einige Wassertonnen bekommen. Diese sollen bei einem Arbeitseinsatz aufgestellt werden. Bei solchen Aktionen helfen stets zahlreiche Freiwillige mit. Für die Zukunft wünschen sich die Ehrenamtler auch einen Schuppen, um ihre Geräte darin verstauen zu können.
Der „Kiezgarten“ ist als Gemeinschaftsgarten gedacht. Daher sucht das Team Mitstreiter. „Egal ob Hobbygärtner oder Naturliebhaber – jeder ist willkommen!“ Perspektivisch können sich Birgit Scheffler, Christina Schelske und Thomas Schelske vorstellen, dass hier Veranstaltungen stattfinden, unter anderem zu Kräutern und ihrer Nutzung. Schüler haben bereits Tontafeln für das Kräuterbeet gefertigt. Die Zusammenarbeit mit Kindereinrichtungen könne man ausbauen. Nistkästen und ein Insektenhotel sollen ja hier auch mal ihren Platz finden. „Am Ende geht es darum, einen Raum für Austausch, Kunst und gemütliche Stunden im Grünen zu schaffen.“