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Von der Holperpiste zum zehnspurigen Highway

Von der Holperpiste zum zehnspurigen Highway

Einer arbeitet: Telekom-Mitarbeiter Michael Wagner zeigte, dass auch in der Digitalisierung viel analoge Arbeit steckt.

Der Ausbau des Breitband-Internets im Landkreis Bautzen hat in dieser Woche in Schmochtitz begonnen. Mit dabei: Telekom-Chef Tim Höttges, der sich mehr Wettbewerb wünscht.

Landkreis. Die Zukunft ist digital. Doch bis es soweit ist, muss – auf gut sächsisch gesprochen – „gefriemelt“ werden. „Das bloße Glasfaserkabel würde sofort brechen. Deshalb muss es mit einer Schutzhülle versehen werden.“ Und genau das tat Telekom-Mitarbeiter Michael Wagner gestern Mittag im Innenhof des Bischof-Benno-Hauses Schmochtitz, der Bildungsstätte des katholischen Bistums Dresden-Meißen. Eine höchst analoge Tätigkeit mit Zange und viel Fingerfertigkeit, die am Anfang des größten Infrastrukturprojektes in der Geschichte des Landkreises Bautzen steht: Des Breitband-Internetausbaus.


Ein Vorhaben, das auch bundesweit Maßstäbe setzt. „Es war klug, die Kräfte zu bündeln“, meint Tim Höttges. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG weiß die Dimensionen des Breitbandausbaus im Landkreis Bautzen durchaus zu würdigen, den sein Unternehmen zu etwa 90 Prozent stemmt: „Bautzen ist mit Abstand unser größtes Ausbauprojekt.

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Vergleichbare Dimensionen gibt es sonst nur noch in Vorpommern und im sachsen-anhaltinischen Burgenlandkreis.“ Und 105 Millionen Euro sind auch für die Deutsche Telekom, die alljährlich fünf Milliarden Euro in den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland investiert, kein Pappenstiel. So viel kostet es, die derzeit noch als unterversorgt geltenden circa 60 000 Haushalte, 8800 Unternehmen und 117 Schulen im Landkreis Bautzen mit Internetanschlüssen auszustatten, die eine Bandbreite von 100 bis zu 1000 Mbit pro Sekunde ermöglichen. Genug, dass beispielsweise hochkomplexe Grafiken, wie Baupläne, vom Architekten ins Landratsamt gesendet werden können und dort nahezu zeitgleich ankommen. Oder aber auch, um den neuesten James-Bond-Film in drei Minuten herunterzuladen.


„Es gibt keine Anwendung, die Sie mit dieser Datenrate nicht fast in Echtzeit betreiben können. Sie wechseln quasi von einer Holperpiste auf eine zehnspurige Autobahn“, so der Telekom-Vorstandschef. Virtual Reality, Telemedizin, Smart Home, E-Gaming seien nur einige der Schlagworte. Und: man dürfe nicht skeptisch, sondern müsse vertrauensvoll an die neuen Möglichkeiten herangehen: „Und selbst wenn ich selber noch nichts damit anzufangen weiß – meine Kinder und Enkel werden es sicher wissen.“ Tim Höttges bot der Energie Sachsen Ost AG (Enso), die seinem Unternehmen ein Los (Bischofswerda und Umgebung) abgerungen hatte, die Zusammenarbeit an: „Wir würden gern Ihre Infrastruktur nutzen und bieten Ihnen dasselbe für unsere Infrastruktur an. Wir freuen uns, dass es so engagierte regionale Unternehmen gibt und wünschen uns generell mehr Wettbewerb.“ Ein Seitenhieb auf die großen Telekom-Konkurrenten Vodafone und Telefonica, mit denen man beim Ausbau der digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum kaum in Berührung komme.


Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer verwies darauf, dass neben der digitalen auch die physische Infrastruktur wichtig für die Entwicklung der Region sei: „Deshalb freue ich mich so, dass wir die Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden-Görlitz auf den Weg gebracht haben.“ Und der Bautzener Landrat Michael Harig appellierte an alle Grundstückseigentümer, die Verträge für den Bau der Hausanschlüsse zu unterzeichnen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass das schnelle Internet „ein Mittel der Verbindung und nicht der Spaltung“ sein möge.

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Mit dem Baustart sind die Planungen abgeschlossen, es beginnt der Aufbau der Übertragungstechnik in den Netzverteilern am Straßenrand und in den Vermittlungsstellen. Danach erfolgt die Einbindung in das Telekom-Netz. Bereits ab Juli 2019 können die ersten Kunden ihre neuen Anschlüsse nutzen, die letzten zum Jahresende 2020.
 

Uwe Menschner / 20.11.2018

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