Was der Heimatverein in 25 Jahren schaffte

Vincent Riemer und sein Vorgänger Rudolf Welk präsentieren hier die neuen Vereins-T-Shirts sowie einen Band der umfangreichen Heimathaus-Chronik.

Der Verein trug auch dafür Sorge, dass am Kriegerdenkmal eine Tafel mit den Namen der im II. Weltkrieg Gefallenen ergänzt wurde.
Reichenau. Heimatpflege lebt von den Menschen, die sich in den einzelnen Orten dafür einsetzen. So gibt es in manch großem Dorf oder gar in mancher Stadt keinen Heimatverein, in vielen kleineren Dörfern dafür sehr aktive. So wie in Reichenau, einem etwa 400 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Haselbachtal, wo der „Heimat- und Museums-Förderverein“ in diesen Tagen sein 25-jähriges Bestehen feiert. Sein Vorsitzender Vincent Riemer ist nicht viel älter, was durchaus bemerkenswert ist. Er kam 2013 zu dem Verein, dessen Ursprünge in der 750-Jahr-Feier des benachbarten Reichenbach im Jahre 1998 lagen: „Damals gab es die Initiative für einen Heimatverein in Reichenbach, der allerdings nicht lange bestehen blieb. Doch die Idee schwamm die Pulsnitz hinunter und stieß in Reichenau auf fruchtbaren Boden. Über die Ergebnisse können wir uns nun, 25 Jahre später, freuen.“ Doch worin bestehen diese Ergebnisse? Nachfolgend einige Beispiele.
Altes Armenhaus
2004 erwarb der Heimatverein für einen Euro das alte Armenhaus von der Gemeinde Haselbachtal. „2005 und 2006 sanierte es der Verein mithilfe von Leader-Mitteln, sodass er es im November 2006 als Heimatraum und Pilgerherberge in Betrieb nehmen konnte“, berichtet Vincent Riemer. Im 19. Jahrhundert entstanden in zahlreichen Dörfern der Westlausitz Armenhäuser, in denen die Dorfgemeinschaften für ihre bedürftigsten Mitmenschen sorgten. Diese konnten hier unter einfachsten Verhältnissen, aber doch immerhin mit einem Dach über dem Kopf ihr Dasein fristen. „Das Armenhaus war zwischenzeitlich Gemeindeamt und noch bis 2001 bewohnt. Danach wäre es dem Verfall preisgegeben gewesen, wenn sich der Heimatverein nicht darum gekümmert hätte“, so Vincent Riemer. So wurde es zu einem beliebten Treffpunkt für die Reichenauer und ihre Gäste.

Eine liebevoll gestaltete und sehr detaillierte Informationstafel erinnert heute noch an das 2001 abgerissene Rittergut.
Denn neben dem vielfältig genutzten Heimatraum gibt es hier auch zwei Zimmer, in denen Pilger auf dem vorbeiführenden Jakobsweg übernachten können. „Das Armenhaus hat eine Größe, die wir als Verein gut händeln können – anders als die alte Schule mit dem Heimatmuseum“, so der Vorsitzende.
Heimatmuseum
Diese ist nämlich ein ganzes Stück größer und gehört der Gemeinde Haselbachtal, wird aber vom Heimat- und Museums-Förderverein in Abstimmung mit dieser als Heimatmuseum betrieben. Die Geschichte des Museums geht bis in das Jahr 1930 und auf den damaligen Oberlehrer Hermann Richter zurück. Der Bestand ist für ein Heimatmuseum eines so kleinen Dorfes wie Reichenau außergewöhnlich umfangreich und doch wohl geordnet – so unter anderem in die Bereiche Natur und Umwelt, Forst- und Landarbeit, Dorfgeschichte sowie – ganz wesentlich – Abbau und Verarbeitung von Gestein. Ein besonderes Highlight stellt die Schuluhr dar: „Viele Jahre zeigte sie ständig 10.10 Uhr an, mehrere Reparaturversuche blieben erfolglos. 2015 gelang die Reparatur. Im gleichen Jahr wurde auch die Schulglocke durch einen neuen Klöppel vervollständigt und konnte so wieder in Betrieb gehen“, so Vincent Riemer. Allerdings stieß das nicht bei allen auf Gegenliebe, manch einer fühlte sich von dem Gebimmel in seiner Nachtruhe gestört. „Durch eine geschickte Konstruktion ist nun dafür gesorgt, dass die Glocke nur noch tagsüber schlägt – ein Kompromiss, mit dem alle leben können.“
Verschönerung des Ortsbildes
Zu den „klassischen“ Aufgaben eines Heimatvereins gehören auch die Pflege und die Verschönerung des Ortsbildes. Die Reichenauer haben so beispielsweise die Wegsäulen an den Wanderwegen, die durch ihren Ort führen, instand gesetzt und verschönert.
Immerhin kreuzen sich in Reichenau mehrere beliebte Wege, so der bereits erwähnte Pilgerweg (der für etwa 120 Übernachtungen pro Jahr im Vereinshaus sorgt) und der deutschlandweit zertifizierte Gräfenhainer Wanderschuh. Der Heimat- und Museums-Förderverein trug auch dafür Sorge, dass am Kriegerdenkmal eine Tafel mit den Namen der im II. Weltkrieg Gefallenen ergänzt wurde. Er pflegt das Areal und führt die Tradition des Volkstrauertags fort. Mit Bedauern hatte der Verein 2021 auf den Abriss des Rittergutes reagiert, mit dem laut damaliger Aussage „der historische Kern des Ortes“ verschwand. Bemühungen um eine Nachnutzung des Areals waren erfolglos geblieben. Eine liebevoll gestaltete und sehr detaillierte Informationstafel erinnert heute noch daran.