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Wenn verschwundene Dörfer wiederauferstehen

Wenn verschwundene Dörfer wiederauferstehen

Informationsstände über die Köngsbrücker Militärgeschichte und den ehemaligen Truppenübungsplatz anzubieten, gehört zu den Aufgaben des Geschichtsvereins (hier v.l.n.r.: Johannes Scheller, Jakob Scheller, Rico Görner, Diana Meinke, Ute Steckel.) Foto: BD

In jahrzehntelanger Arbeit baute der Geschichtsverein Truppenübungsplatz Königsbrück e.V. ein Museum auf. Es befindet sich im Alten Garnisonshaus am Via Regia Park.

Königsbrück. Historische Dokumente, Karten, Fotos und Gebrauchsgegenstände erzählen hier die Geschichte von Königsbrück als Militärstandort und die der verlassenen Dörfer auf dem Übungsplatz. „Im Herbst bieten wir wieder einige Veranstaltungen zu diesen Themen an“, sagt Leiterin Ute Steckel.

Königsbrück war lange ein Militärstandort – und ist es noch heute: es beherbergt das Flugphysiologische Trainingszentrum, das am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Bundeswehr angesiedelt ist. Das Alte Garnisonshaus am Via Regia Park demonstriert diese Tradition: Der markante Backsteinbau entstand 1895 und wurde über viele Jahre militärisch genutzt, zuletzt von der sowjetischen Armee. Nach 1990 stand er leer. Einige Zeit später schufen im rechten Flügel des Erdgeschosses kundige Bastler Architekturmodelle von historischen Bauwerken entlang der Via Regia. „Von diesen haben wir die Räume übernommen und darin unser Museum aufgebaut“, erzählt Ute Steckel, die Leiterin des Geschichtsvereins Truppenübungsplatz Königsbrück e.V. Zwischen Sommer 2021 und Frühherbst 2022 investierten die Vereinsmitglieder rund 760 Stunden Arbeit, um die Räume herzurichten. Etwa 30.000 Euro flossen in das Vorhaben, unter anderem Fördermittel und Spenden. Die Ziegel an der Wand sind nun weiß gestrichen, aber ansonsten unverputzt. Heizen lassen sich die Räume nicht. In den Vitrinen sind historische Dokumente, Karten, Fotos und Gebrauchsgegenstände ausgestellt. Ute Steckel weist auf einen Kartenschrank, den der Verein von den Modellbauern erhalten hat.

Auf seinen Schubkästen sind die Namen der Dörfer zu lesen, die verschwinden mussten, um dem Truppenübungsplatz Raum zu geben, wie Otterschütz und Naundorf. „Zehn Schubkästen hat der Schrank – und zehn Dörfer wurden verlassen. Das passt doch wunderbar“, meint Ute Steckel. 
Der Verein möchte mit seinen Aktivitäten die verschwundenen Dörfer wiederauferstehen lassen. Daneben forscht und informiert er zur Militärgeschichte von Königsbrück und zur Historie des Truppenübungsplatzes. Wie Ute Steckel haben auch die anderen Mitglieder in der Vergangenheit ihre Passion gefunden. „Ich interessierte mich schon als Kind für Geschichte und hörte stets gut zu, wenn meine Großmutter von früher erzählte.“ Als Leiterin der Stadtbibliothek konnte sie zudem von jeher deren umfangreichen Bestand für Recherchen nutzen. „Das Thema Militärgeschichte kam hier nach der Wende und dem Abzug der sowjetischen Truppen auf“, berichtet sie. Nachdem Ute Steckel 1994 einen Vortrag über die Historie ihrer Heimatstadt gehalten hatte, brachten ihr zahlreiche Menschen aus der Region Material dazu, vor allem alte Fotografien. Um das alles zu ordnen und für andere sichtbar zu machen, gründete sich der Verein. Er hat derzeit 17 Mitglieder, die zwischen 37 und 82 sind und bis auf Ausnahmen in Königsbrück und der Region leben. Auch wenn keiner von ihnen ausgebildeter Historiker ist, gehen alle akribisch ihrem persönlichen Forschungsschwerpunkt nach. „Das Vereinsziel war es, das Museum zu schaffen. Das wurde 2022 erreicht. Nun pflegen wir es und wechseln oder erneuern ab und an die Exponate“, fasst Ute Steckel zusammen. Das Museum öffnet bei größeren Veranstaltungen und auf Anfrage.
 
Um den Menschen die abwechslungsreiche Königsbrücker Militärgeschichte zu erzählen, setzt der Verein nicht nur auf das Museum: Bei regionalen Saisonhöhepunkten wie dem Heidefest organisieren die Mitglieder Info-Stände. Seit 2024 offerieren sie in Kooperation mit der NSG-Verwaltung die Busführung „Auf Zeitreise im Wildnisgebiet“, die sich vor allem den verschwundenen Dörfern widmet. Diese Führungen sind immer schnell ausgebucht. Zwei Bücher entstanden, eins davon heißt „Tarnname Kolybel“. In diesem Werk geht es um die sowjetischen Atomraketen in der Oberlausitz. Sehr aktuell in diesen Zeiten, wo die Zeichen wieder auf atomarem Wettrüsten stehen. Zum Thema Atomraketen erwartet die Zuhörer auch ein Vortrag von Thomas Petzold am 5. November, 17 Uhr, im Gasthof „Zum Brüderchen“ in Koitzsch. Interessenten sollten sich telefonisch im Gasthof anmelden. Ute Steckel wird am 16. Oktober im Gasthof Hermsdorf ab 18 Uhr zu den „Dörfern vom Truppenübungsplatz Königsbrück“ referieren. Hierfür kann man Karten im Vorverkauf bei MÜKADO Schreibwaren in Ottendorf-Okrilla erwerben. 

Beate Diederichs / 07.10.2026

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