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Wie Pulsnitz der Borussia hilft

Wie Pulsnitz der Borussia hilft

Die frühere Bandweberei an der Goethestraße in Pulsnitz dient heute fast 400 Menschen als Arbeitsort.

Seit 20 Jahren ist Hans-Peter Weber unternehmerisch in der Pfefferkuchenstadt tätig. Seine Firma würde man eher in Berlin, wenn nicht gar in Dortmund vermuten.

Pulsnitz. Was hat Pulsnitz mit Borussia Dortmund zu tun? Nun, so könnte die einfache Antwort lauten, es gibt in der Pfefferkuchenstadt sicher eine ganze Menge Fans des schwarz-gelben Kultvereins aus dem Westen. Sicher nicht falsch, aber auch nicht die einzig mögliche richtige Antwort. Denn: Ohne Pulsnitzer Know-how läuft auf den Rängen und in den Katakomben des Dortmunder Westfalenstadions, der Heimstadt des BVB, nicht viel. Wie ist das möglich?

Ganz einfach: Der berühmte „Stadiondeckel“, die Karte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr im Signal-Iduna-Park, ist eine Pulsnitzer Entwicklung. Die hier ansässige Secupay AG wickelt für die BVB Event & Catering GmbH sämtliche Zahlungsvorgänge, die mit dem „Deckel“ getätigt werden, ab. Eine „großartige Partnerschaft“ sei das, betont Hans-Peter Weber, der Gründer und Inhaber des Unternehmens.

Eine weitere großartige Partnerschaft sei die mit einer Neckarsulmer Großbäckerei. Für diese hat Secupay eine Kundenkarte mit vielfältigen Bonusfunktionen entwickelt, die die Bäckerei mit ihren zahlreichen Filialen sehr erfolgreich zur Kundenbindung einsetzt. Wenn Hans-Peter Weber Nichtfachleuten erklären will, womit sich die Secupay AG beschäftigt, dann tut er dies am Liebsten mithilfe von Beispielen, von denen Dortmund und Neckarsulm die markantesten sind. Doch wie lässt sich das nun verallgemeinern und in die „Laiensprache“ übersetzen? Vielleicht so: „Die als Zahlungsinstitut zugelassene Secupay AG ist auf Payment (Bezahl-)-Verfahren sowohl für den stationären als auch für den Online-Handel spezialisiert. Die Secupay AG ist der einzige Marktteilnehmer, der Zahlungsverkehr, Gutscheine, Bonuspunkte und Coupons über eine einheitliche API abwickeln kann.“ (API bedeutet Application Programming Interface – eine Schnittstelle, die es erlaubt, Apps von Drittanbietern an die eigene Software anzubinden.) So jedenfalls steht es auf der Website des Unternehmens.

Den Einen ist jetzt alles klar, die Anderen verstehen immer noch nur Bahnhof. Doch das ist auch nicht weiter schlimm. Denn: Wichtig ist eine andere Botschaft. Nämlich die, dass es in unserer Region Unternehmen gibt, die man hier nicht unbedingt vermuten würde. „Säßen wir in Berlin, wären wir mit Sicherheit ein hippes Fintec-Unternehmen“, meint Hans-Peter Weber selbstironisch. Und fügt hinzu: „So sind wir das auch, aber immer noch bodenständig und inhabergeführt.“ Doch wie kommt eine Firma wie Secupay nach Pulsnitz? Durch Zufall: „Ich habe in der Nähe von Dresden für eine Loftwohnung nach einem Fabrikgebäude Ausschau gehalten“, blickt Hans-Peter Weber zurück. Doch es wurde mehr daraus – heute dient die frühere Bandweberei an der Goethestraße fast 400 Menschen als Arbeitsort: 75 davon bei Secupay, circa 300 bei dem hier eingemieteten Call-Center. Wobei das mit dem Arbeitsort in Corona-Zeiten so eine Sache ist: „Wir haben innerhalb von eineinhalb Tagen auf Homeoffice umgestellt. Derzeit ist es den Mitarbeitern freigestellt, von wo aus sie arbeiten.“

Corona hat den Pulsnitzer Zahlungsdienstleister nicht substanziell getroffen, Änderungen sind aber doch spürbar: „Weniger Kunden lösen mehr Transaktionen aus.“ Dies erklärt sich unter anderem damit, dass mehrere Crowdfunding-Plattformen wie StartNext ihren Zahlungsverkehr über Secupay abwickeln. Und diese haben derzeit Hochkonjunktur.

Zahlungsdienstleistungen – da kommt in diesen Tagen die Rede unweigerlich auf Wirecard, jenes Skandalunternehmen, das fast zwei Milliarden Euro nicht vorhandenen Kapitals „erfand.“ Hans-Peter Weber sieht seine Branche dadurch nicht wesentlich erschüttert: „Wirecard hat im Zahlungsverkehr eigentlich keine Rolle gespielt. Wir wissen nicht, womit die ihr Geld verdient haben.“

Wie sein eigenes Unternehmen Geld verdient, weiß der Secupay-Inhaber dagegen genau, und er weiß auch, wie es in Zukunft weitergehen soll: „Wir werden weiter organisch, also aus dem eigenen Geschäft heraus, wachsen und unsere Aktivitäten ausbauen“, kündigt er an. Gewinne sollen investiert werden und so nicht nur den eigenen Reichtum, sondern auch den der Gesellschaft mehren – „darin sehe ich meine Verantwortung als Unternehmer.“
 

Uwe Menschner / 01.08.2020

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