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Zuwachs zur rechten Zeit bei der Feuerwehr

Zuwachs zur rechten Zeit bei der Feuerwehr

Das sind die Neuen im Kreis der Bautzener Berufswehr: Dominic Stübner, Claudia Knebel, Kevin Drogla, Hendrik Schütze, Roman Pittke und Vincent-Kevin Barvick (v.l.n.r.) mit Ausbildungsleister Sando Stübner in der Mitte. Foto: Paul Stübner

Das Jahr beginnt gut für die Feuerwehr in der Spreestadt. Die darf sich derzeit eines außergewöhnlichen Zuspruchs erfreuen.

Bautzen. Innerhalb kurzer Zeit sind die Mitgliederzahlen in den Reihen der aktiven freiwilligen Kameraden von 157 auf 163 Frauen und Männer gestiegen. Und auch in den Reihen der 42 Profis der Berufsfeuerwehr konnten neue Gesichter begrüßt werden, wie jetzt eine Anfrage bei der Stadtverwaltung ergab.

Ein ereignisreiches Jahr

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Der Zuwachs kommt gerade zur rechten Zeit, um auch künftig für so ereignisreiche Jahre wie das zurückliegende gewappnet zu sein. 2018 mussten die Helfer rund 830 Mal in Bautzen und über die Stadtgrenzen hinaus ausrücken. Der Statistik zufolge ist das ein Plus von 60 Einsätzen im Vergleich zu 2017. Dabei sind den Kameraden einige Geschehnisse besonders in Erinnerung geblieben. Der Bombenfund am 4. Mai auf der Paul-Neck-Straße beispielsweise. „In Zusammenhang mit der Evakuierung im Umkreis war es eine Begebenheit, die nicht zum alltäglichen Einsatzgeschäft gehört“, sagt der Leiter der Berufsfeuerwehr Markus Bergander. Darüber hinaus führt er den Brand im Tagebau Reichwalde an, der sich bereits wenige Tage zuvor am 25. April zugetragen hatte. „Das Einsatzterritorium zählt nicht regulär zu den Bereichen der Bautzener Kameraden. Es handelte sich dort jedoch um ein brennendes Kohleflöz auf einer Länge von zwei Kilometern. Hierbei nahmen viele Feuerwehren aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie aus dem südlichen Brandenburg den Kampf gegen die Flammen auf.“ Unvergessen blieben des Weiteren die Unwettereinsätze am 18. Januar und 30. Mai. „Die Herausforderungen bei solchen Lagen bestehen vor allem in der Disposition der Einsätze“, erklärt Markus Bergander. „Innerhalb kürzester Zeit fallen viele davon an. Insgesamt gab es im zurückliegenden Jahr 81 Unwettereinsätze abzuarbeiten. Außerdem waren aufgrund der langanhaltenden Trockenheit vermehrt Wiesen- und Feldbrände zu löschen.“
Bezüglich der Technik sind sowohl die Profis als auch die freiwilligen Floriansjünger gut ausgestattet. So erhielt die Ortsfeuerwehr Stiebitz ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, nennt der Stadtsprecher ein Beispiel. Im kommenden Monat werde zudem bei der Ortswehr Kleinwelka ein modernes Löschauto in Betrieb genommen.
 

Hingegen konnten sich die Kameraden der Wache Bautzen-Mitte bereits im Dezember über ein Löschfahrzeug freuen, das sie vom Katastrophenschutz erhielten. Unabhängig davon will die Kommune den Freiwilligen Wehren auch weiterhin neue Einsatzbekleidung beschaffen.
Unterdessen schreitet der Neubau des Gerätehauses der Ortsfeuerwehr Niederkaina weiter voran. Selbst der Anbau der Hauptfeuerwache nimmt zunehmend Gestalt an. Wie Markus Bergander erläutert, soll dieser Mitte dieses Jahres fertiggestellt sein.
Vielleicht entdecken bis dahin noch mehr Spreestädter ihr Herz für die Einsatztruppe. Die Berufsfeuerwehr beispielsweise sucht eigenen Angaben zufolge in regelmäßigen Abständen neue Kollegen. Schon jetzt bekommt sie fünf neue Gesichter. Eine Kameradin und fünf Kameraden haben kürzlich ihre Ausbildung begonnen beziehungsweise werden dies im April tun. „Für die nächsten zwei Jahre ist die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Nardt bei Hoyerswerda ihr Lebensmittelpunkt“, weiß Ausbildungsleiter Sandro Stübner. „Bevor sie 2021 eine Staatsprüfung ablegen, durchlaufen sie verschiedene Praktika in Bautzen und bei anderen Berufsfeuerwehren. Auch die Schulung zum Rettungssanitäter ist Teil der Ausbildung.“ Als Grundlage für die Neueinstellungen dient der 2017 beschlossene Brandschutzbedarfsplan. Er regelt den personellen und technischen Werdegang der Bautzener Feuerwehr für die kommenden Jahre. „Ein Knackpunkt dabei ist: Zwar liest sich die Struktur der freiwilligen Ortswehren auf dem Papier sehr gut, in der Praxis arbeiten viele Kameraden allerdings außerorts“, meint ein Rathaussprecher. „Damit stehen sie im Ernstfall nur bedingt zur Verfügung.“ Um dieses Defizit zu kompensieren, sei eine Erhöhung der täglichen Schichtstärke der Berufsfeuerwehr auf zehn Einsatzkräfte festgelegt worden. „Sie sind rund um die Uhr auf der Hauptfeuerwache verfügbar“, betont Markus Bergander. „Dazu sind allerdings noch weitere Einstellungen notwendig.“

Konstante Entwicklung im Umland und mehr Zuschüsse

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Potenzielle Kandidaten müssen neben bestimmten persönlichen Anforderungen, die sie zu erbringen haben, ein Auswahlverfahren durchlaufen und einen Brandmeisterlehrgang absolvieren. Einzelheiten dazu finden interessierte Bewerber unter www.feuerwehr-bautzen.de/berufsfeuerwehr.
Indes ist – bezogen auf die Jahre 2017 und 2018 – bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren im Bautzener Umland und im gesamten Landkreis mit insgesamt 5.647 aktiven Floriansjüngern die Mitgliederzahl nahezu konstant geblieben, wie Kreisbrandmeister Manfred Pethran dem Oberlausitzer Kurier veranschaulicht. Deren Riege werde inzwischen eindrucksvoll von Nachwuchskräften gestützt, die aus den Jugendfeuerwehren zu den Erwachsenen aufsteigen. Demnach wuchs die Zahl der Kameraden im Jugendbereich innerhalb des zurückliegenden Jahrzehnts von 969 auf aktuell mehr als 1.500 Kinder und Jugendliche, die sich auch künftig in dem Rahmen engagieren möchten. Gebraucht wird einjeder, denn die Herausforderungen nehmen in Hinblick auf Sturmereignisse, langanhaltende Trockenphasen und neue Technologien wie Elektromobilität eher zu. Dies hat scheinbar nun auch die Landesregierung erkannt und die Fördermittel für eine zeitgemäße Feuerwehrausstattung in den Landkreisen aufgestockt. Manfred Pethran sowie der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Gert Schöbel, begrüßen diese Initiative. Somit erhält der Landkreis Bautzen nunmehr nicht nur rund 2,3 Millionen Euro im Jahr, um den Kauf von Feuerwehrausrüstung und Fahrzeugen sowie den Bau von Gerätehäusern unterstützen zu können. Inzwischen kann er rund fünf Millionen Euro bereitstellen. Mit diesem Geld lasse sich eine ganze Liste der von den Kommunen angemeldeten Vorhaben abarbeiten, so Manfred Pethran. Allerdings gehe das auch weiterhin nur, wenn die Städte und Gemeinden den entsprechenden Eigenanteil vorhalten. Im Fall von Fahrzeuganschaffungen beispielsweise bewege sich dieser bei 30 bis circa 50 Prozent. „Die Förderrichtlinie weist für die entsprechenden Fahrzeugtypen bestimmte Festpreise aus, die das Landratsamt als Zuschuss auszahlen kann. Genauso verhält es sich beim Bau oder der Rekonstruktion von Feuerwehrhäusern“, erklärt der Kreisbrandmeister. Am höchsten fiel die staatliche Finanzspritze im vergangenen Jahr bei der Bekleidung und Ausrüstung aus. „Hierbei brauchten die Antragsteller, also die Gemeinden, in vielen Fällen lediglich einen Eigenanteil von 25 Prozent aufzubringen. Das geht auch in Ordnung, weil wir es in dem Fall mit dem Arbeitsschutz, also der Sicherheit der Feuerwehrleute zu tun haben. Wir sehen es als Priorität an, dass die aktiven Kameradinnen und Kameraden gut ausgerüstet werden. Dazu zählen vordergründig die persönliche Schutzkleidung, Atemschutzgeräte und auch hydraulische Rettungsgeräte.“

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Die Nachwuchsgewinnung für die Feuerwehr kann nie früh genug beginnen. Foto: Archiv

Ehrenamt wird fortan besser honoriert

Um eine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Feuerwehr für noch mehr Menschen möglichst attraktiv zu machen, hat die Landesregierung nach Auskunft des Kreisbrandmeisters Investitionspakete geschnürt. Unter anderem nennt er den Lkw-Führerschein. Gemeinden bekommen seit 2018 pro Jahr zwei Ausbildungen mit bis zu 1.000 Euro bezuschusst. Zudem erhalten Kommunen für jedes aktive Mitglied einmalig 50 Euro, für den Nachwuchs werden 20 Euro pro Mitglied den Gemeinden überwiesen. „Das motiviert“, ist sich Manfred Pethran sicher. Um auch irgendwann einmal in den Genuss einer solchen Anerkennung zu kommen, müssten Interessierte zunächst den Weg zu den Floriansjüngern finden. „Das geht bei den freiwilligen Feuerwehren per Antrag“, weiß Gert Schöbel. „Im Anschluss ist ein Grundlehrgang auf Landkreisebene zu absolvieren. Danach lassen sich weitere Seminare besuchen, um sich zu spezialisieren. Der Kreisfeuerwehrverband unterstützt hingegen mit thematischen Kursen. So stehen wir beratend zur Seite, wenn es beispielsweise ums Löschen von in Brand geratenen Elektrofahrzeugen geht. In diesem Jahr planen wir einen Vortrag zum Thema Feld- und Wiesenbrände, die unsere Kameraden in den zurückliegenden Monaten physisch stark gefordert haben. Aufgrund der langen Trockenphase kam es zu zahlreichen Einsätzen, die mitunter auch mehrere Tage andauerten.“ Als Beispiel dafür nannte Gert Schöbel den Löscheinsatz auf dem Areal des einstigen Truppenübungsplatzes in der Königsbrücker Heide, der aufgrund der im Erdreich verborgenen Munitionsrückstände nicht ungefährlich war. Damit sich nach dem Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr zeitnah die Grundausbildung anschließen kann, plädieren sowohl der Kreisbrandmeister als auch der Chef des Kreisfeuerwehrverbandes für einen Ausbau der Kapazitäten der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschule in Nardt. Die Landesregierung habe erste Maßnahmen ergriffen, die Einrichtung künftig besser in die Lage zu versetzen, den Ausbildungsbedarf der Feuerwehren im Freistaat zu decken. Dafür sah Dresden in der Vergangenheit keine Veranlassung, betonen beide. Um aber Menschen für den Brandschutz begeistern zu können, müsse auch in dem Punkt alles stimmig sein.
Und in noch einem Detail sehen Manfred Pethran und Gert Schöbel Handlungsbedarf: Obwohl sich kürzlich der Innenminister in einem offenen Brief an die Arbeitgeber von freiwilligen Feuerwehrangehörigen gewandt hat, sollte mehr für diese getan werden. „Sie sind es schließlich, die unsere Kameraden vom Dienst freistellen“, betont der Kreisbrandmeister. „Es sollte also machbar sein, Unternehmen für die ausgefallene Arbeitszeit angemessener als bisher zu entschädigen. Damit der Firmenchef von sich aus seinen Arbeitnehmer fragt: ,Was machst du denn noch hier, müsstest du nicht zum Einsatz raus?’.“

Notlagen möglichst vermeiden

Vor diesem Hintergrund, so hoffen die Fachleute, lässt sich die Tagesbereitschaft auch in Gegenden, in denen sie derzeit nicht so gut ausgeprägt ist, verbessern. „Mit den 249 Feuerwehrstandorten im Landkreis Bautzen verfügen wir über ein stabiles Einsatzsystem in der Region“, beruhigt Manfred Pethran. Aufgrund des demografischen Wandels und der anhaltenden Abwanderung sollte aber alles Mögliche unternommen werden, damit sich die Situation in den kommenden Jahren nicht wieder verschärft.“ Die Bevölkerung hingegen könne ihren Teil dazu beitragen, dass bestimmte Einsatzlagen ausbleiben. Noch einmal Manfred Pethran: „Wer sich im Schneegestöber ins Auto setzt, sollte damit rechnen, möglicherweise länger im Stau stehen zu müssen. Auf eine solche Situation sollte derjenige vorbereitet sein. Für daheim gilt: Im Fall eines längeranhaltenden Stromausfalles ist darauf zu achten, dass sich eine ausreichende Bevorratung im Haus befindet. Wichtig erscheint dem Kreisfeuerwehrverband zudem, auch wenn der Freistaat dies nur für Neubauten festgeschrieben hat, dass Wohnungsinhaber Rauchmelder installieren – zu ihrer eigenen Sicherheit. Diese erkennen bereits frühzeitig einen Entstehungsbrand, der durchaus noch beherrschbar ist.“ Sollte es dennoch zu einem Einsatz kommen, wird die Feuerwehr in der Regel innerhalb von nur neun Minuten am Einsatzort eintreffen. „Gerade in diesen Wintertagen ist das umso wichtiger und hilfreich, wenn die Hydranten beziehungsweise die Zuwegungen zu Löschteichen freigeräumt sind“, weiß der Kreisbrandmeister.

Roland Kaiser / 27.01.2019

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