Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

Zwischen Bulli und Umgebindehaus

Zwischen Bulli und Umgebindehaus

Von Bernstadt in den Rest der Welt mit einem alten Volkswagen T3. Elisa Model ist Langzeitreisende mit einer stolzen Bilanz von 44 bereisten Ländern. Während ihrer Sommerpause in der Heimat taucht sie in die magische Landschaft Nordböhmens ein. Foto: priv

Bernstadt a.d.Eigen. Was für viele nur ein großer Traum ist, wurde für die Bernstädterin Elisa Model längst zum bewährten Lebensmodell, das sich mit jeder Reise neu bestätigt. Die zertifizierte Baubiologin und Autorin ist leidenschaftliche Langzeitreisende und hat bisher 44 Länder intensiv bereist.

Während die meisten Menschen in den Sommermonaten ihren langersehnten Urlaub in der Ferne antreten, kehrt sie in ihre Oberlausitzer Heimat zurück, um nach einer positiven Rastlosigkeit „on the Road“ Zeit mit ihrer Familie in Bernstadt zu verbringen. Es ist die Gegend, wo sie 12 Jahre zur Schule gegangen ist und auch für ihr Architekturstudium hat sie sich für die Hochschule Görlitz/Zittau entschieden. Bücher von Reisen und Reisenden haben sie seit jeher am meisten fasziniert. Die erste große Reise führte sie 2009 nach Australien. Spätestens ab dann war klar, das Erkunden von Neuland ist ein sehr tiefes, inneres Bedürfnis, das die Zeit und den Raum in ihrem Leben bekommen soll, nach dem es verlangt. 

Seit Mitte 2020 leben sie und ihr Partner überwiegend im Camper. Ihr erster Campingbus war ein T5, seit nunmehr drei Jahren sind sie in einem T3 von 1987 unterwegs. Der ehemalige Postbus in neuer Lackierung ist der nostalgische Bulli-Klassiker schlechthin. Ihre letzte große Tour führte sie auf die Arabische Halbinsel, davon verbrachten sie vier Wochen im Irak. „Unglaublich nette Menschen, ein riesengroßer Teil unserer Menschheitsgeschichte und die Architektur haben mich jeden Tag aufs Neue begeistert. Der Oman weiter im Süden war ein wahrer Roadtrip-Traum aus TausendundeinerNacht. Das Leben im Bulli erfüllt all meine Bedürfnisse nach Abenteuer, Neugier, Rückzug, Minimalismus, Naturliebe und Weltenbummlerei“, lautet ihr Fazit, das sie aus dem blühenden Sommergarten ihrer Eltern gibt. Zudem ist der Bulli ihr Arbeitszimmer, denn ihr Beruf ermöglicht es ihr, völlig dezentral zu arbeiten. Beide Camper-Fahrzeuge haben Elisa und ihr Partner selbst ausgebaut, damit das Zuhause auf Rädern den bestmöglichen Raum für ihre individuellen Bedürfnisse bietet.

Obwohl sie die Zeit mit ihrer Familie sehr genießt, bleibt der Bulli auch in der Heimat in Bewegung. Elisa nutzte die Zeit für ein nahegelegenes Ziel und tauchte für mehrere Wochen in die faszinierende Landschaft Nordböhmens ein. „Ich glaube, es gab in all den Jahren kaum eine Gegend, in der ich mich so wohlgefühlt habe als im Norden unseres Nachbarlandes Tschechien. Für eine gelungene Tour mit dem Bulli haben wir alles gefunden, was das Reiseherz begehrt. Genau das liebe ich so an unserem Unterwegssein. Die Ziele können manchmal nicht gegensätzlicher sein. Und dank der 50 PS unseres Bullis praktizieren wir Slow Travel in Perfektion und verbringen oft Wochen oder gar Monate in einem Land oder einer Region“, erzählt sie. Der Aufenthalt in Nordböhmen war für sie etwas ganz Besonderes, da sie viele Orte aus ihrer Kindheit kannte. Es ist, als würde man eine Tür zur vergangenen Zeit aufstoßen. Orte fühlen sich an wie ein alter vertrauter Freund – und dennoch gibt es viel Unbekanntes zu entdecken. Man realisiert unweigerlich, wie viel Lebenszeit vergangen ist. Melancholie und Freude wechseln sich ab, ohne dass sich eine der beiden Emotionen falsch anfühlt.

Noch etwa drei Wochen werden sie in der Heimat verbringen, ehe es wieder auf eine große Tour geht, erneut nach Georgien. Während dieser Zeit liegt ihr ganzer Fokus auf den schönen Umgebindehäusern, die die Oberlausitz so einmalig machen. 

„Bei jeder Heimatpause nehme ich mir ein bestimmtes Thema oder eine Region vor, über das beziehungsweise über die ich mehr erfahren möchte“, erzählt sie. „Sind wir in der Heimat, dann sind wir hier auch als Reisende unterwegs. Ich vertiefe mich jedes Mal noch mehr in die Geschichte der Oberlausitz und besuche die vielen tollen Menschen, die Vielfalt leben und mit ihrer wunderbaren Arbeit Gäste willkommen heißen. Mittlerweile fragt mich meine Familie sogar nach Tipps für die Region, obwohl wir die meiste Zeit ja eigentlich woanders sind. Ich genieße es wirklich sehr, wenn wir andere Länder und Kulturen bereisen, die meinen Horizont erweitern. Diese Welt ist so groß und so bunt, und der Wunsch, möglichst viel von ihr zu erleben, wird mit jedem bereisten Land nicht weniger. Aber die Heimat und das Heimatgefühl hier ist mit fast nichts aufzuwiegen“.

Aus ihrer Angewohnheit, Sehenswürdigkeiten in Google Maps zu speichern, hat sich inzwischen ein digitaler Reiseführer mit mehr als 180 interessanten und lohnenswerten Orten für die Oberlausitz entwickelt. Alle Markierungen enthalten Beschreibungen und Informationen, unterteilt in Kategorien wie Restaurants, Bars und Cafés, Wanderungen, Campingplätze und Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und viele mehr (takeanadVANture.com/digitale-reisekarte-oberlausitz/). Auf ihrem Reiseblog www.takeanadVANture.com kann man die Abenteuer der Bernstädterin mitverfolgen.

Auch wenn es bald wieder mit dem Bulli richtig losgeht, reist ein großer Traum immer noch stets mit: ein eigenes Umgebindehaus in der hügeligen Landschaft mit großem Grundstück, das viel Platz hat, um anderen Reisenden einen Stellplatz anzubieten.

Bettina Hennig / 14.07.2026

Schlagworte zum Artikel

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel