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Böhme-Erbe in der Dreifaltigkeitskirche

Böhme-Erbe in der Dreifaltigkeitskirche

Die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt. Hier soll das künftige Kulturerbe-Zentrum Jakob Böhme entstehen. Foto: fum

Die Umgestaltung der Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt zum Kulturerbe-Zentrum Jakob Böhme nimmt gedanklich immer mehr Konturen an. Anfang des Jahres wurden von der Stadt zwei Arbeitsgruppen gebildet, die mit der Kirchenverwaltung über Vertragsformen, Inhalte und die gleichzeitige religiöse Nutzung des historischen Gemäuers sprechen.

Görlitz. Noch liegt die Verwirklichung des Projektes in weiter Ferne, doch hinter den Kulissen wird kontinuierlich daran gearbeitet. Denn in der stark sanierungsbedürftigen Dreifaltigkeitskirche soll schon in ein paar Jahren das Erbe von Jakob Böhme präsentiert werden – des berühmtesten Sohnes der Neißestadt, des großen Philosophen, der den Kulturschaffenden einst sogar ein Historienspiel auf dem Untermarkt wert war und dessen Schriften zu den bedeutendsten seiner Zeit gehören. Ziel ist es, im zweiten Quartal einen Stadtratsbeschluss und eine Entscheidung der Kirchengremien zu erzielen – mit der Kernaussage: Wir machen das! „Dann könnten wir die Planung für das Objekt noch 2017 ausschreiben“, erklärt Bürgermeister Dr. Michael Wieler und verweist darauf, dass dies wegen des Auftragsvolumens europäisch erfolgen muss. In den Jahren 2019 und 2020 könnte dann die Baumaßnahme erfolgen. Der größte Teil der rund 5,5 Millionen Euro würde in die Kirchensanierung fließen, der kleinere in die Ausstellungsgestaltung. Wieler rechnet im günstigsten Falle 2020/21 mit dem Nutzungsbeginn.

Damit würde eine Lücke geschlossen, die eigentlich schon längst nicht mehr hätte existieren sollen. „Es gab immer Menschen, die sich in unserer Stadt mit dem Thema Jakob Böhme beschäftigt haben, aber nur phasenweise. Ein Komplettüberblick über sein Schaffen fehlt bisher“, begründet der Bürgermeister die aktuellen Aktivitäten. Den entscheidenden Impuls dazu habe vor ein paar Jahren Michael Kretschmer gegeben, als er in der sächsischen Landesvertretung in Berlin Experten zusammenbrachte, die über Möglichkeiten diskutierten, wie man Jakob Böhmes Leistungen in Görlitz würdigen kann.

Inzwischen haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden „den Hut“ auf für die inhaltliche Gestaltung einer solchen Präsentation. „Es gibt einiges an Material, was Böhme im Zusammenhang mit Mystik, Wissenschaft, Theologie und Phylosophie hervor gebracht hat. Es war und ist eine intensive Forschung notwendig, um sein Leben und Werk zu ergründen und es der Öffentlichkeit zeigen zu können“, so Wieler weiter. Im zweiten Halbjahr 2017 soll in der Dresdener Hofkapelle eine Ausstellung eröffnet werden, die danach auf Wanderschaft durch Europa geht und den Verantwortlichen in der Neißestadt Zeit gibt, in der Zwischenzeit die Dreifaltigkeitskirche auf Vordermann zu bringen und für den neuen Zweck herzurichten.

Bereits 2015 hatte die Innenstadtgemeinde ihre Mitglieder befragt, ob sie sich eine solche Nutzung vorstellen könnten – mit positivem Ausgang. Im Sommer 2016 gab es schließlich im Stadtrat eine Vorlage, das Projekt weiter zu verfolgen – dies wurde ebenfalls positiv beschieden. Vereinbart wurde, dass kirchliche Handlungen im Chorraum und in der Barbarakapelle weiterhin möglich sind, der große Kirchenraum aber abkömmlich ist. „Die Lage ist einfach ideal – direkt an der so genannten Museumsmeile vom Kaisertrutz über die Neißstraße bis zum Jakob-Böhme-Haus auf der anderen Neißeseite“, hebt Wieler die Vorzüge hervor und nennt einen weiteren interessanten Umstand: „Die Dreifaltigkeitskirche gab es schon zu Böhmes Lebzeiten. Es wird äußerst spannend sein, wie das bauliche Ensemble mit den geistigen Ergüssen dieses Mannes koaliert.“

Nicht ganz einfach dürfte die Art und Weise der Präsentation von Böhmes Werk werden, denn Originalexponate gibt es so gut wie nicht. Für den Görlitzer Bürgermeister steht deshalb fest, dass viel mit neuen Medien und außergewöhnlichen Darstellungsformen gearbeitet werden muss.

Die Finanzierung des Vorhabens scheint indes kein Problem zu sein. Im Herbst 2016 hatte sich CDU-Mann Kretschmer für die Förderung stark gemacht. Der Bund hat inzwischen 2,5 Millionen Euro avisiert, die gleiche Summe soll der Freistaat zur Verfügung stellen. Kirche und Stadt beteiligen sich mit insgesamt zehn Prozent der Baukosten.

Dabei will die Stadt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neben der Böhme-Ausstellung soll es in der Dreifaltigkeitskirche künftig auch eine Exposition zum eigenen materiellen Kulturerbe geben. „Besucher können zwar die tolle historische Bausubstanz direkt betrachten, bekommen bisher aber keine Erläuterungen und fachlich fundierte Einordnungen geboten. Man könnte zum Beispiel die Entwicklungsstufen der Stadt beschreiben und erklären, was die verschiedenen Baudenkmale – zum Beispiel die Hallenhäuser – zu bedeuten haben. Auch einen Film zu zeigen wäre möglich“, blickt Michael Wieler auf das künftige Kulturerbe-Zentrum voraus. Mit einfließen in die inhaltliche Gestaltung soll auf jeden Fall bürgerschaftliches Engagement. Schon jetzt gebe es einen philosophischen Freundeskreis Jakob Böhme und andere Initiativen. „Die dort entstehenden Ideen wollen wir bündeln.“

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Frank-Uwe Michel / 06.03.2017

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