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Alte Straßenmeisterei wird ASP-Stützpunkt

Alte Straßenmeisterei wird ASP-Stützpunkt

Der Landesjagdverband Sachsen will in der alten Kamenzer Straßenmeisterei einen Stützpunkt für die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest einrichten. Foto: UM

Vor Kurzem stritten Stadt und Landkreis noch um das leerstehende Objekt. Jetzt gibt es einen Plan, dem alle Beteiligten zustimmen können. Los gehen soll es zum Jahresbeginn 2022.

Kamenz. Der Landesjagdverband Sachsen e.V. plant in der früheren Straßenmeisterei Kamenz die Einrichtung eines Stützpunktes zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Dies bestätigt Geschäftsführer Martin Wißmann auf Anfrage. Ein entsprechender Projektvorschlag sei an das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz übergeben worden und befinde sich nun in der Bearbeitung. Der Projektstart soll nach derzeitigem Stand am 1. Januar 2022 erfolgen.

„Mit diesem Stützpunkt kommt der Landesjagdverband seinem Auftrag nach, die verstärkte Bejagung von Schwarzwild zu unterstützen“, erklärt Martin Wißmann. Bereits jetzt seien für das kommende Jahr 20 Drückjagden jeweils an Samstagen vorgesehen. Wichtig dabei: „Die Jagden finden in der Verantwortung der Revierpächter statt. Wir als Landesjagdverband leisten dafür materielle, personelle und organisatorische Unterstützung.“ Mit eingebunden sind die Kreisjägerschaften Niederschlesische Oberlausitz, Kamenz, Hoyerswerda, Bautzen und Oberlausitz, wozu Löbau und Zittau zählen.

Die frühere Straßenmeisterei soll hauptsächlich dazu dienen, Materialien wie Ansitze oder Kühlanhänger zu lagern und diese den Revierpächtern im Bedarfsfall zur Verfügung zu stellen. Ein vom Landesjagdverband eingesetzter Koordinator, laut Martin Wissmann „ein erfahrener Waidmann“, soll „regelmäßig am Standort präsent sein und dort als Ansprechpartner fungieren“. Auch Pächtern, die nicht Mitglied im Jagdverband sind, stehen diese Ressourcen zur Verfügung, wie der Geschäftsführer betont. Die Unterstützung bezieht sich aus-schließlich auf die Bejagung von Schwarzwild. Zu eventuell erforderlichen Umbauarbeiten auf dem Gelände kann Martin Wissmann noch nichts sagen, „das befindet sich alles noch in der Planung“.

Der Landkreis Bautzen hatte die Kamenzer Straßenmeisterei ebenso wie die in Wachau im Oktober 2020 geschlossen – zeitgleich mit der Eröffnung der neu errichteten Meisterei in Königsbrück, die die beiden Altstandorte ersetzt. In der Folgezeit war es hinsichtlich der Zukunft des Objektes zu Irritationen zwischen dem Landkreis und der Stadt Kamenz gekommen. Nachdem der Landkreis als Eigentümer seine Verkaufsabsichten bekundet hatte, verhängte der Stadtrat eine Veränderungssperre über das Gebiet.

Ziel war laut Beschlussvorlage „die Sicherung der geordneten Entwicklung des Areals unter Berücksichtigung der Schutzansprüche der umgebenden Nutzungen.“ Dabei hatte die Stadt insbesondere die benachbarte Wohnbebauung sowie den geplanten Ausbau des nahe gelegenen Knotenpunktes Nordstraße/An der Windmühle im Blick.

Auch von der jetzt geplanten Nutzung erfuhr die Stadt Kamenz laut Pressesprecher Thomas Käppler erst durch die Anfrage dieser Zeitung. Gegen das Ansinnen spricht aus Sicht der Kommune jedoch nichts: „Wir gehen davon aus, dass es sich um ein temporäres Vorhaben handelt. Nach dem Stand unserer jetzigen Abprüfung sehen wir keinen Konflikt zu der vom Stadtrat beschlossenen Veränderungssperre, wenn keine wesentlich wertsteigernden Maßnahmen stattfinden.“

Derzeit befinden sich auf dem Areal das Bürogebäude, die Werkstatt, zwei Hallen und mehrere Kleingaragen. Das Tausalzlager verbleibt beim Landkreis und wird weiter als solches genutzt. Die Gesamtfläche beläuft sich auf knapp drei Hektar. Erst unlängst hatte der für die Bekämpfung der ASP zuständige Staatssekretär im Sozialministerium, Sebastian Vogel, in Kodersdorf angekündigt, dass die entsprechenden Bemühungen intensiviert werden sollen.

Neben der verstärkten Bejagung setzt der Freistaat auch auf zusätzliche Sperrzäune und auf die Kadaversuche mit Hunden. Mit Stand vom 11. November hat es in Sachsen 624 Feststellungen von ASP bei Wildschweinen gegeben, davon 618 im Landkreis Görlitz und sechs im Landkreis Meißen. Die Übertragung auf Hausschweine konnte bislang noch vermieden werden.

Uwe Menschner / 21.11.2021

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