Besser zu Fuß unterwegs in Zittau

Die Route für die Erwachsenen in der Stadt Zittau startete am Klosterplatz. Foto: „wegecheck“
Durch den „wegecheck“ sollen die Bürger künftig besser zu Fuß in der Stadt Zittau unterwegs sein. Da laut den Machern jede Person irgendwann mal zu Fuß geht – und sei es der Weg vom Auto zum Ziel – profitieren am Ende alle.
Zittau. In Zittau war bei der Auftaktveranstaltung mit Bürgerbeteiligung im April gemeinsam eine Route für die Erwachsenen festgelegt worden. Im Mai folgten die Kinderbegehung mit Workshop in Kooperation mit der Wilhelm-Busch-Grundschule sowie die Erwachsenenbegehung. Bei letzterer konnte die Bevölkerung an verschiedenen Stationen Checklisten ausfüllen, Herausforderungen beschreiben und erste Ideen zur Verbesserung diskutieren.
Aktuell werden die Ergebnisse vom Verkehrsplanungsbüro SVU Dresden ausgewertet und Handlungsansätze erarbeitet. Diese sollen in einem Abschlussbericht der Stadt Zittau übergeben und in einer Abschlussveranstaltung am Montag, 21. September, von 17.00 bis 19.00 Uhr, in der Villa, Hochwaldstraße 21 b, mit den Beteiligten diskutiert werden. Das große Ziel besteht darin, den Fußverkehr in Zittau zu fördern. „Im Detail bedeutet das unter anderem, die Öffentlichkeit aktiv in die Verbesserung der Wege einzubinden, die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen kennenzulernen und die Zittauer Bevölkerung für das Thema Zu-Fuß-Gehen zu sensibilisieren“, so Sarah Hoemske Projektreferentin „wegecheck“. Gleichzeitig sollen Lösungen für konkrete Herausforderungen vor Ort gefunden werden. Zu den thematische Schwerpunkten auf der Route in Zittau zählten Querungen, Gehwegbreiten und Barrierefreiheit.
Laut Sarah Hoemske war die Beteiligung bei allen Veranstaltungen bisher sehr gut: „ Besonders bei der Begehung zeigte sich die Bevölkerung engagiert und diskussionsfreudig zum Thema Fußverkehr.“ Der Austausch mit den Bürgern sei dabei elementar: Nur durch ihre Perspektiven und Erfahrungen können Herausforderungen erkannt und idealerweise von der Stadt verbessert werden. „Die Menschen vor Ort haben lokales Wissen, was ein Verkehrsplanungsbüro von außen nicht immer hat“, betont sie.
Besonders wichtig sei es, die Kinder zu Wort kommen zu lassen – sie haben andere Bedürfnisse an das Zufußgehen als Erwachsene. Zudem gab es die Möglichkeit, sich digital zu beteiligen, für alle, die am Begehungstermin keine Zeit hatten.
Die Route für die Erwachsenen selbst startete am Klosterplatz, führte über den Klienebergerplatz, entlang des Theaterrings bis zum Weberfriedhof. Die fünf Stationen umfassten zwei Knotenpunkte, einen Gehwegabschnitt, einen Platz und eine Querungsstelle. Eine 4. Klasse der Wilhelm-Busch-Grundschule betrachtete die Wege rund um die Schule sowie Wege Richtung Innenstadt genauer.
Der Stadtring stellt sich dabei laut Sarah Hoemske an verschiedenen Stellen als Problemzone dar. Besonders diesen zu queren, ist ihrer Meinung nach sowohl für Erwachsene, aber besonders für Kinder eine große Herausforderung. Und: Durch unebene Oberflächen – vor allem auch historische Beläge – sind viele Barrieren im Stadtgebiet vorhanden.
Der Abschlussbericht für die Stadt Zittau beinhaltet alle Ergebnisse des „wegechecks“ – darunter umfangreiche Handlungsansätze und schnelle Maßnahmen, mittels derer die Fußverkehrsinfrastruktur verbessert werden kann. Dies sind alles Vorschläge. Was am Ende davon umgesetzt wird, liegt in der Hand der Stadt. Der finanzielle Aufwand hängt letztendlich auch davon ab, was potenziell umgesetzt wird. Das Verkehrsplanungsbüro SVU Dresden arbeitet nach weiteren Informationen von Sarah Hoemske sowohl aufwendige, teure, als auch schnell umsetzbare, kostengünstige Vorschläge aus. Einen Zeitraum für die baulichen Veränderungen gibt es nicht.
Die Stadt hat aber mit Abschluss des „wegechecks“ einen detaillierten Bericht mit Verbesserungsvorschlägen, auf den jederzeit zurückgegriffen werden kann – zum Beispiel bei der Erstellung des kommunalen Haushalts zum Einstellen von Haushaltsmitteln für die Umsetzung. Derzeit gibt es jedoch noch kein dauerhaftes Förderprogramm, was „wegecheck“-Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen unterstützt. „Wir als Projektteam und ,wegebund’ stehen aber eng mit dem Sächsischen Ministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung in Kontakt und sind dran, dass Fördermittel bereitgestellt werden“, betont sie.
Fußverkehr und Stadtentwicklung gehen beim „wegecheck“ jedenfalls nahtlos ineinander über. Attraktive und sichere Fußverkehrsinfrastruktur sowie fußverkehrsfreundlich gestaltete Plätze und Ortsmitten erhöhen laut Sarah Hoemske die Aufenthaltsqualität und steigern die Lebensqualität: „Fußverkehr belebt den öffentlichen Raum. Andersherum sollte der öffentliche Raum aber auch so gestaltet sein, dass dort Menschen gern zu Fuß gehen.“
