Bischofswerda macht inklusives Theater

Die Laiendarsteller des „Bürgertheaters Bischofswerda“ bringen jedes Jahr mindestens ein großes und ein kleineres Stück auf die Bühne. Hier probten sie für das Adventsstück für 2025. Foto: Susann Becker
Bischofswerda. Was auf den Brettern passiert, die die sprichwörtliche Welt bedeuten, interessierte Josephine Barthel schon immer. „Als Kind und als Jugendliche schrieb ich gerne Geschichten, hatte eine blühende Fantasie und mochte das Theater. Schauspielen und Bühnenarbeit sind dann zwar nicht mein Beruf geworden, aber mein Ehrenamt“, erzählt die Vorstandsvorsitzende des „Bürgertheater Bischofswerda“ e. V. Der Verein wurde im Oktober 2024 gegründet und im April 2025 ins Vereinsregister eingetragen. Vorher, im Jahr 2023, hatte der Verein „Regenbogen“ e. V. aus Bischofswerda ein Projekt des Staatsschauspiels in die Stadt geholt, das Kultur in ländliche Räume bringen sollte. „Damals suchte man Mitstreiter, um ein Theaterstück entstehen zu lassen. Aus dieser Gruppe ging der Verein hervor“, berichtet Josephine Barthel. Mit sieben Leuten startete man. Heute sind es 28. Das erste Stück präsentierte man im Sommer 2024 im Bischofswerdaer Tierpark, das zweite ein Jahr später im Garten des „Regenbogen“. Die Gruppe arbeitete dabei mit dem Regisseur Kai O. Schubert zusammen, der beim Schreiben der beiden Stücke den Hut aufhatte und auch die Umsetzung leitete. Beim dritten Werk, das derzeit entsteht, agiert die Gruppe unabhängiger: adaptiert seine Idee – wie stets mit Bischofswerda-Bezug – entsprechend der Stärken und Interessen der Mitglieder und kümmert sich darum, wie sie konkret auf die Bühne gebracht wird, mit Kulissen, Musik, Kostümen.... Bereits bekannt ist: Unter dem Arbeitstitel „In 80 Minuten um Bischofswerda“ möchte ein Forscher in dieser Zeit acht markante Punkte der Stadt vorstellen. In Anlehnung an die bekannte Geschichte von „In 80 Tagen um die Welt“ hat der Bürgermeister dagegen gewettet und will nun verhindern, dass der Forscher sein Ziel erreicht.
Die „Story“ sei derzeit in der Feinabstimmung, erzählt die Vereinsvorsitzende. Im Mai beginnen die Proben – bei kleinerer Besetzung in den Vereinsräumen, bei größerer in denen der „Lebenshilfe Bischofswerda“.
Menschen mit Behinderung einzubeziehen, ist dem Bürgertheater sehr wichtig. Einige davon gehören zur Truppe. „Wir anderen Mitglieder helfen ihnen, wenn sie auf der Bühne agieren, was sie mit viel Herzblut tun“, erläutert Josephine Barthel.
In der heißen Phase vor der geplanten Premiere am 28. August werden dann intensive Probenwochenenden auf dem Plan stehen. Samstag und Sonntag sind für die konzentrierte Arbeit günstig.
Denn die meisten der ehrenamtlichen Laiendarsteller gehen in der Woche einer Vollzeit-Tätigkeit nach. Wo die Uraufführung stattfinden soll, hat man noch nicht festgelegt. Grundsätzlich möchte man das neue Stück sechs bis acht Mal aufführen, so wie es auch bei den Vorgängerwerken der Fall war. Bei jeder dieser Veranstaltungen seien 150 bis 200 Besucher dagewesen, erzählt Josephine Barthel.
Der moderate Eintrittspreis wurde in der Vergangenheit unter anderem für Material und die Honorare Kai O. Schuberts sowie eines Musikers ausgegeben. „Aber wir freuen uns natürlich stets über Spenden.“ Die Gelder kommen auch dem Miteinander der Mitglieder zugute. Denn damit ein harmonisches Ganzes entsteht, wird jeder nach seinen Möglichkeiten eingesetzt: Die einen sind auf der Bühne so gut aufgehoben, dass sie mit jeder Probe befreiter aufspielen. Die anderen unterstützen lieber im Hintergrund, bauen Kulissen und Requisiten oder nähen Kostüme. Wenn man nicht an dem Hauptstück arbeitet, entstehen kleinere Werke, zum Beispiel zu Weihnachten. Perspektivisch denkt man zudem darüber nach, eine musikalische Sparte zu etablieren, wie einen Chor. „Der würde wunderbar das gesprochene Wort ergänzen“, sagt Josephine Barthel.