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„Die Mehrheit unterstützt unsere Positionen“

„Die Mehrheit unterstützt unsere Positionen“

Die Teilnehmer des Informationsabends diskutieren angeregt in Gruppen, wie man auf lokaler Ebene mit den Herausforderungen umgehen kann, vor denen die Evangelisch-Lutherische Landeskirche steht. Danach präsentierten sie ihre kreativen Ideen. Foto: Beate D

Der Informations- und Diskussionsabend der Basisinitiative „Kirche von unten“ am 25. August stieß auf große Resonanz und brachte zahlreiche kreative Lösungsvorschläge hervor. 

Region. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen macht schwierige Zeiten durch, wie die Kirchen in Deutschland allgemein. Die Mitgliederzahlen nehmen seit Jahren ab, ebenso die verfügbaren finanziellen Mittel. Mit dem Papier „Kirche im Wandel“ schlägt die Landeskirche als Lösung vor, die Struktur der Gemeinden und ihre Verwaltung weiterhin radikal zu zentralisieren. Dabei sollen unter anderem sogenannte Regionalkirchgemeinden entstehen, die mehrere zehntausend Mitglieder und und zehn bis fünfzehn Gotteshäuser umfassen. Die Ortskirchen würden in diesen aufgehen und hätten keine Haushaltsverantwortung mehr. „Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kirche die Nähe zu den Menschen vor Ort verliert“, sagt Martin Schneider, Mitinitiator der Basisinitiative „Kirche von unten“, die sich 2025 gründete. Die Initiative, deren Aktivitäten ein rund 15-köpfiger Kreis engagierter sächsischer Christen koordiniert, möchte diesen Prozess der Zentralisierung stoppen und ihrerseits kreative Lösungen anbieten, mit der Krise umzugehen. Dazu haben sich auch Regionalgruppen gebildet. „Wir finden: Diesen Herausforderungen kann man auf lokaler Ebene besser und flexibler begegnen“, betont Schneider, der zur Kirchgemeinde Göda gehört. 
Zunächst erarbeitete die Initiative eine Petition, die sie am 7. März der scheidenden Landessynode übergab. Damit erbat man sich, dass keine übereilten Entscheidungen in Richtung Zentralisierung getroffen würden. Außerdem erreichten die Mitglieder, dass die Kirchenleitung eine Prüfvorlage zusammenstellt, die darlegt, welche Einsparungen die geplante Zentralisierung wirklich bringen wird und wie die Selbstständigkeit in Körperschaften des öffentlichen Rechts erhalten werden kann. Mit dieser soll sich die neu gewählte Synode, das sächsische evangelische Kirchen-parlament, zu ihrer Herbsttagung im November befassen.

Parallel dazu organisiert „Kirche von unten“ das Gespräch mit den Kirchenmitgliedern vor Ort. Ein erster Meilenstein war der Informations- und Diskussionsabend „Zukunft unserer Landeskirche und unserer Kirchgemeinden“ am 25. August in der Kirche zu Gaußig. „Der Abend war mit rund 100 Gästen aus mehr als zehn regionalen Kirchgemeinden sehr gut besucht. Wir hätten ehrlich gesagt nur mit einem Drittel davon gerechnet, weil wir nicht wussten, wie sehr das Thema die Menschen tatsächlich umtreibt“, berichtet Martin Schneider. Auch vier der sieben Abgeordneten der Landessynode aus dem Kirchenbezirk waren gekommen. Nach einer Andacht mit Lied, die der örtliche Pfarrer leitete, stellte Schneider dem Publikum die Standpunkte der Landeskirche und der Initiative vor. Superintendent Tilmann Popp legte auf Bitten der Veranstalter in einem Referat dar, wie viele Mitarbeiter es vor 15 Jahren im Kirchenbezirk Bautzen gab und wie diese Zahl bis 2035 voraussichtlich zurückgehen wird. „Dass in den nächsten Jahren etwa ein Viertel der Stellen verschwinden soll, machte uns die Situation noch einmal klar“, sagt Martin Schneider. Die Gäste diskutierten dann in Gruppen und präsentierten ihre Gedanken am Ende allen Anwesenden. Dabei entstanden zahlreiche Ideen für mehr Selbstständigkeit der Gemeinden, die das ergänzen, was die Initiative bereits erarbeitet hat.

„Ein Beispiel: Wie gestaltet man jeden Sonntag einen sinnstiftenden Gottesdienst, wenn der Pfarrer drei Gemeinden hat und nur aller drei Wochen da sein kann? Ein Lösungsvorschlag ist, Laien dafür zu schulen, eine Lesepredigt zu halten; und gemeinsam ein würdiges Abendmahl zu feiern“, erläutert Martin Schneider. Immer wieder betonten die Teilnehmer, wie essenziell gute Jugendarbeit und die persönliche Beziehung in der Seelsorge der Pfarrer sind und dass bei allen wirtschaftlichen Zwängen das Geistliche nicht vernachlässigt werden darf. Der Superintendent und die vier Synodalen seien beeindruckt davon gewesen, wie engagiert sich die Gäste beteiligten, erzählt der Mitinitiator von „Kirche von unten“. Er hofft, dass die Mitglieder der Landessynode in dieser von den vielen Anregungen berichten. Unterm Strich bleibt für Martin Schneider und seine Mitstreiter von diesem Abend etwas, das sie glücklich und zufrieden macht. Nicht nur hätten viele Anwesende signalisiert, dass sie gerne wieder an solchen Veranstaltungen teilnehmen würden. „Sondern wir halten auch als Hauptergebnis fest: Die große Mehrheit unterstützt die Positionen unserer Initiative. Es lohnt sich also weiterzumachen.“ 

Beate Diederichs / 09.09.2026

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