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Dieser Sammler bewahrt die DDR auf

Dieser Sammler bewahrt die DDR auf

Zweieinhalb Stunden dauert es, bis Uwe Weber einen Mixer RG 28 wieder tipptopp auf Vordermann gebracht hat.

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Der Elektroroller ist ein echter Hingucker. Wenn er mit ihm unterwegs ist, muss Uwe Weber oft viele Fragen beantworten.

Uwe Weber aus Bautzen verfügt über einen umfangreichen Fundus von Alltagsgegenständen aus den 60er- bis 80er-Jahren. Einen Teil davon präsentiert er jetzt erstmals öffentlich.

Bautzen. Dieses Gefährt ist ein echter Hingucker: Wie zwei übergroße Augen schauen die beiden Scheinwerfer in ihrem himmelblauen Gehäuse den Betrachter an. Befestigt sind sie an einer schmalen Säule, die wiederum in einem Fahrgestell steckt, das ohne Zweifel als das eines Motorrollers erkennbar ist. Nur dass der Motor nicht mit Sprit auf Touren gebracht wird, sondern mit Strom – ein Elektroroller eben. „Charly“ heißt der freundlich dreinblickende Geselle, von dem etwa 26.000 Stück verkauft wurden. Zwei davon befinden sich im Besitz von Uwe Weber, „und wahrscheinlich sind es die Einzigen, die es in Bautzen gibt. Jedenfalls habe ich noch keinen anderen gesehen“, erklärt der stolze Besitzer. Und jedes Mal, wenn Uwe Weber mit seinem Charly unterwegs ist, erntet er amüsierte bis bewundernde Blicke, wird darauf angesprochen und muss Fragen beantworten.

Einer von seinen beiden Elektrorollern – entwickelt bei den MZ-Motorenwerken in Zschopau, als Elektromobilität noch weitgehend ein Fremdwort war – befindet sich zurzeit im Heimatmuseum Neschwitz. Dort gestaltet Uwe Weber eine Ausstellung, in der er einen Teil seines umfangreichen Fundus von DDR-Alltagsgegenständen präsentiert. Dabei handelt es sich unter anderem um Haushaltsgeräte, Kleintechnik und Spielzeug. „Ich bin immer sehr sorgsam mit meinem Spielzeug umgegangen und habe nichts weggeworfen. Deshalb ist fast alles noch vorhanden“, sagt der Bautzener, der ursprünglich aus Kamenz stammt. Nicht weggeworfen hat er auch den Handmixer RG 28, eines der wohl legendärsten Haushaltsgeräte der DDR. Er gilt als extrem langlebig, und doch geht er hin und wieder mal kaputt: „Meistens sind es die Zahnräder. Wenn da auch nur die kleinste Ecke abbricht, geht das Gerät nicht mehr.“ Doch Uwe Weber weiß Rat: „Am Gehäuse gibt es nur vier Schrauben, daher ist es leicht zu öffnen.

Ich baue das Getriebe auseinander und lasse von meinem Schwiegersohn das kaputte Zahnrad in der richtigen Größe in 3D ausdrucken.“ Doch dabei lässt es der passionierte Bastler nicht bewenden: „Ich mache alles gründlich sauber, schleife die Kohleanker ab und öle die Lager. Dann ist der Mixer wieder wie neu.“ Zweieinhalb Stunden dauert die Prozedur, die Uwe Weber aufgrund des Zeitaufwands allerdings nur für Freunde, Bekannte und Familienangehörige durchführt. Doch eins steht für ihn fest: „Es ist sehr bedauerlich, wenn so ein langlebiges und praktisches Gerät wegen eines kaputten Zahnrades einfach weggeworfen wird.“

Uwe Weber ist ohnehin ein erklärter Gegner der Wegwerf-Gesellschaft. Deshalb besucht er auch leidenschaftlich gern Trödelmärkte, um seinen Fundus zu ergänzen. Kaffeemühlen, Wärmflaschen, Zinkbadewannen, Milchkannen – nichts entgeht seinem geschulten Blick. Doch leider, so hat er festgestellt, wird das Angebot immer dünner. „In Mecklenburg-Vorpommern ist das anders“, weiß Uwe Weber. „Dort kann man noch echte Raritäten finden.“ Deshalb ist das Land der „Südschweden“ für ihn auch zur zweiten Heimat geworden: Jedes Jahr fährt er mit seiner Lebensgefährtin zwei Mal auf immer denselben Campingplatz in Dobbertin (Landkreis Ludwigslust-Parchim). „Dort gibt es in einem alten Kloster ein Zentrum für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung, das ich unterstütze. So habe ich bei der Ausstattung einer Begegnungsstätte geholfen – unter anderem mit einer original DDR-Schreibmaschine. Außerdem repariere ich kostenlos Fahrräder, wenn ich dort oben bin.“

Doch zurück in die Oberlausitz. Dass Uwe Weber jetzt – erstmals – einen Teil seiner Schätze öffentlich präsentiert, und das nicht irgendwo, sondern im Heimatmuseum Neschwitz, ist das Ergebnis einer Geschichte, wie sie nur das Leben von Menschen wie ihm schreiben kann. „Wir haben dort den Kunsthandwerkermarkt besucht und sind mit unserem B 1000 hingefahren, da es auch eine Oldtimer-Ausstellung geben sollte. Da hielt uns ein Mann an und fragte, ob wir nicht als Shuttle zum Landwirtschaftsmuseum nach Lomske fahren können.“ Der ursprünglich vorgesehene Fahrer war kurzfristig ausgefallen. Natürlich sagte Uwe Weber nicht „nein“, und so kam der Kontakt zum Verein der Kultur- und Heimatfreunde Neschwitz zustande. „Später gingen wir ins Museum, und ich kam mit den Leuten dort ins Gespräch.“ Zwei Herren vom Verein besuchten Uwe Weber etwas später in Bautzen, begutachteten seinen Fundus – und waren begeistert. „Und so kam es, dass ich jetzt hier ausstelle.“ Allerdings verfolgt der Bautzener damit auch ein bestimmtes Ziel – er will sich nämlich von einem Teil seiner Besitztümer trennen: „Alles, was in Neschwitz gezeigt wird, steht nach dem Ende der Ausstellung zum Verkauf.“ Mit Ausnahme eines Mifa-Klappfahrrads und natürlich seines zweiten Charly-Rollers: „Den gebe ich nicht her!“ Allerdings bereitet er ihm Sorgen: „Ich suche einen Elektroniker, der das Board reparieren kann.“ Denn das – man will es kaum glauben – kriegt Uwe Weber allein leider nicht hin. Nach geglückter Reparatur wird auch der zweite Charly wieder das sein, was sein „Bruder“ bereits ist: Ein echter Hingucker auf den Straßen von Bautzen!

Die Ausstellung „AKA-Electric, Multi-Boy, Komet, RG28S“ ist bis zum 28. Juni an jedem Sonntag von 13.30 bis 17.00 Uhr im Heimatmuseum Neschwitz zu sehen.

Uwe Menschner / 04.04.2026

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