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Drei tolle Tage beim Zelttrödelmarkt

Drei tolle Tage beim Zelttrödelmarkt

Der größte Zelttrödelmarkt Ostdeutschlands in Kemnitz zieht an allen drei Tagen viele Besucher aus nah und fern an. Foto: privat

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Monika Wenzel aus Olbersdorf – hier vor ein paar Wochen beim Trödelmarkt in Kittlitz – freut sich auf die drei tollen Tage in Kemnitz. Foto: privat

Dort, wo Stars und Sternchen, wie unter anderem Matthias Reim, Beatrice Egli und Ben Zucker sowie Glasperlenspiel, zum 21. Oberlausitzer Oktoberfest in Kemnitz die Menschenmassen begeisterten – nämlich im großen Festzelt – bieten vom 12. bis 14. Oktober circa 170 Trödler aus nah und fern beim größten Zelttrödelmarkt Ostdeutschlands ihre antiken Waren feil. Unter anderem auch Monika Wenzel aus Olbersdorf mit ihrem Mann an der Seite. 

Kemnitz/Olbersdorf. Die beiden rüstigen Rentner bereiten sich direkt auf diese drei tollen Tage vor: „Wir machen uns schon im Vorfeld Gedanken, was wir mit nach Kemnitz nehmen. Wir laden unser Auto so voll, dass keine Maus mehr darin Platz hat.“ Die Palette der gesamten Händlerschar reicht von Schmuck, über Kunstgewerbe, alte Wäsche, Uhren, Lampen, Briefmarken, Münzen, historische Bilder, alte Körbe, Kleinmöbel, CDs, DVDs, bis hin zu Skulpturen und vieles andere mehr. Monika und Andreas Wenzel bieten an ihrem vier Meter langen Tapeziertisch im Mittelgang unter anderem Hobbyliteratur, Krimis, Koch- und Kinderbücher, regionale Ansichtskarten und regionale Literatur verschiedener Jahrgänge, Puppenbekleidung sowie handgestrickte Socken an: am Freitag, 12. Oktober, von 11.00 bis 20.00 Uhr, am Samstag, 13. Oktober, von 8.00 bis 18.00 Uhr, und am Sonntag, 14. Oktober, von 10.00 bis 18.00 Uhr. „Diese harten Kampftage gehen an die Substanz, machen uns aber auch viel Spaß“, sagt sie. Unter den Händlern herrscht ein sehr familiäres Verhältnis. „Wir wissen alle, was für ein anstrengender ,Job’ das ist“, erläutert sie und lobt auch den Service des Marktmeisters und Veranstalters bin hin zur gastronomischen Versorgung. 

Monika Wenzel und ihr Mann haben sich bereits im Sommer zum zehnten Mal für den größten Zelttrödelmarkt in Ostdeutschland in Kemnitz angemeldet. Im Laufe der Jahre haben die beiden viele Erfahrungen gesammelt: „Von mancher Illusion haben wir uns verabschiedet, sind aber auch immer wieder überrascht, was manchmal sehr gut über den ,Ladentisch’ geht.“ Über die Geschäfte an den drei Tagen können die beiden nicht klagen. 

„Wir stellen uns auf die Wünsche der Kunden ein. Was nicht so läuft, nehmen wir wieder mit nach Hause und versorgen die Besucher je nach individuellen Wünschen mit neuer Ware. Zu vielen Büchern kann ich auch inhaltlich etwas sagen, weil ich eine Leseratte bin“, erzählt sie. Die Kunden können an den drei Tagen wie auf dem orientalischen Basar feilschen, wenn es sich in Grenzen hält, wie sie betont. „Der überwiegende Teil diskutiert aber nicht über die Preise“, fügt sie hinzu. Zwischen dem Publikum und den Händlern stimmt die Chemie. „Wir bekommen von dem ein oder anderen Besucher mal eine Gurke aus dem Garten geschenkt. Wenn sich Mütter mit Kindern bei uns Kinderbücher aussuchen, geben wir manchmal obendrauf noch ein kleines Präsent mit dazu“, sagt sie. Viele einsame Menschen sind einfach nur froh, sich mit Monika Wenzel über „Gott und die Welt“ unterhalten zu können. So ein Privatgespräch kann durchaus schon mal eine halbe Stunde dauern. „Wir schauen uns auch um und kaufen, was wir selbst lesen. Denn Händler von weiter weg bieten in der Regel ein ganz anderes Sortiment an“, sagt sie. Und ihr Mann fügt hinzu: „Da ich schon einige heimatgeschichtliche Broschüren veröffentlicht habe, suche ich natürlich immer nach neuem Material. Ob Ansichtskarten, Kopfbögen oder Bilder, wichtig ist für mich, dass sie aus der Oberlausitz sind.“ So funktioniert bei den beiden sowohl der Einkauf als auch der Verkauf in Kemnitz.

Monika und Andreas Wenzel trödeln seit der politischen Wende. Ihre Anfänge nahmen damals in der Straße des 17. Juni in Berlin ihren Lauf. „Das war für uns ein Paradies. Dort gab es auf einmal günstige Lektüre, die wir zu DDR-Zeiten hätten gar nicht lesen dürfen, weil wir sonst wahrscheinlich ins Gefängnis gegangen wären.“ Und sie fährt fort: „Wir haben zu jener Zeit so manches Schnäppchen gemacht. Wir hatten ja auch auf kulturellem Gebiet großen Nachholbedarf.“ Bei verschiedenen Börsen boten die beiden dann ihre Waren in Berlin feil. „Mittlerweile fahren wir nicht mehr so weit, sondern nehmen an regionalen Flohmärkten teil. Wir brechen aber nichts mehr über das Knie“, sagt sie. Und dennoch: „Auch wenn wir selbst nicht dort stehen, gehen wir trotzdem hin, um zu schauen. Wir genießen die gelöste und entspannte Atmosphäre auf den Trödelmärkten. Die Menschen können hier aus ihrem Alltag heraustreten und sind nicht dem täglichen Stress und sonstigen Belastungen ausgesetzt.“

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Steffen Linke / 12.10.2018

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