Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

Ein Mahnmal aus Licht und Schatten

Ein Mahnmal aus Licht und Schatten

Ein klares Zeichen für den Frieden: Autor Uwe Lehnert mit seinem Werk, das als Mahnung gegen den Krieg versteht. Foto: Markus Michalk

Wenn am 30. September eine neue Foto-Dokumentation erscheint, schließt sich für eine Bautzener Familie ein historischer Kreis. Uwe Lehnert bringt an diesem Tag eine umfassende Neuauflage der historischen Aufnahmen seines Urgroßvaters Arno Lehnert (1882 bis 1956) heraus.

Bautzen. „Bautzen 1945 – Bilder der Zerstörung“ ist ein Buch gegen das Vergessen, veröffentlicht in einer Zeit, in der Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Das Werk umfasst 145 Fotografien, die das Leid und die Zerstörung Bautzens im Frühjahr 1945 ungeschönt dokumentieren – darunter auch bisher unveröffentlichtes Material. Die Geschichte dieser Bilder ist untrennbar mit einem markanten Ort in der Bautzener Innenstadt verbunden: dem Gebäude der heutigen City Galerie. Wo heute Kunst und Kultur ihren Platz haben, pulsierte früher das fotografische Handwerk. Einst war das Haus Sitz des Fotoateliers Huth, bevor es Arno Lehnert übernahm. Nach der politischen Wende kam das geschichtsträchtige Gebäude wieder in den Besitz der Familie. Heute erinnert das moderne Ladengeschäft im Erdgeschoss kaum noch an die Zeit der Dunkelkammern, doch die Mauern atmen die Historie von Generationen.

Das neue Buch schlägt eine bewusste Brücke zwischen den Generationen. Es macht für den Leser nachempfindbar, wie der Urgroßvater damals selbst durch die schwer gezeichnete Stadt lief, den Blick durch den Kamerasucher gerichtet, um das Unfassbare festzuhalten. Als im April 1945 die Kämpfe um Bautzen tobten, dokumentierte er die Trümmerberge der Reichenstraße, ausgebrannte Fassaden und Ruinen, die eine stolze Stadt in eine Geisterlandschaft verwandelten. Jedes Foto zeugt von seinem gefährlichen Weg durch die Trümmer. Dabei ging es dem Chronisten um weit mehr als eine reine Bestandsaufnahme der Architektur.

Diese Bilder sind eine Dokumentation des Schmerzes. Sie zeigen die Folgen von Ideologie und Hass. Uwe Lehnert betont, dass die Veröffentlichung genau jetzt eine tiefe Bedeutung hat. Ein solches Werk entfaltet im privaten Raum eine nachhaltigere Wirkung als eine temporäre Ausstellung. „Ein Buch schaut man sich immer wieder an“, erklärt Uwe Lehnert. Es ist kein reiner Bildband für Historiker, sondern eine visuelle Mahnung gegen den Krieg, die griffbereit im Regal steht und Generationen überdauert. Wer sieht, wie Lebenswerke in Sekunden versinken, begreift den Wert des Friedens umso intensiver. Die Parallelen zu aktuellen globalen Konflikten machen die Aufnahmen schmerzhaft aktuell.

Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit und erscheint als Eigenpublikation über Books on Demand. Damit ist das Werk ab Ende September in allen Buchhandlungen bestellbar (ISBN 9783696761967). Die Neuauflage verbindet die visuelle Kraft der Vergangenheit mit der Verantwortung der Gegenwart. Dass die City Galerie im ehemaligen Fotogeschäft heute ein Ort der Begegnung ist, zeigt auch den Triumph des Lebens über die Zerstörung. Das Buch lädt dazu ein, innezuhalten, genau hinzusehen und aktiv für Demokratie und Frieden einzutreten. 

Markus Michalk / 29.09.2026

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel