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Ein Zipfelstürmer geht in Görlitz stempeln

Ein Zipfelstürmer geht in Görlitz stempeln

Anna Merkel vollendet bei der Görlitz-Information den Zipfelpass von Christian Scholz mit dem vierten und letzten Stempel. Christian Scholz ist fortan echter Zipfelstürmer! Foto: Till Scholtz-Knobloch

Die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit stehen dieses Jahr in Bremen an, da die Freie Hansestadt 2026 den Vorsitz im Bundesrat hat. Die vier Zipfelorte mit Görlitz treffen auf der Ländermeile am Osterdeich zusammen. Der Görlitzer Christian Scholz hat deren Zipfeltour gerade abgeschlossen und den nördlich-sten, westlichsten und südlichsten Ort der Republik besucht und das Quartett mit der Heimat Görlitz ’vervollständigt’.

Görlitz. Wer alle vier genannten Orte innerhalb von vier Jahren besucht und sich dort den jeweiligen Stempel für seinen „Zipfelpass“ holt, hat den ideellen Spaß vollendet und erhält eine Glückwunschkarte der Zipfelorte List auf Sylt (Nord), Selfkant (West), Oberstdorf (Süd) und Görlitz (Ost) mit einigen ebenso bescheidenen Erinnerungen wie etwa friesischem Tee mit Kandis (Sylt), Allgäuer Salz oder aus Görlitz einer Kladde mit Görliwood-Stern. Aber das ist für den Chorleiter des Görlitzer Shantychors Christian Scholz quasi ein ’Beifang’. „Vor zwei Jahren hat mich eine Bekannte angestupst, diese Zipfeltour zu machen, da ich so recht keine Idee hatte, was ich im Urlaub Schickes machen sollte. Ich dachte mir: ’Ja, das ist eine tolle Sache.’ Und, weil ich als familiäres Nordlicht sowieso an die See wollte, habe ich mit Sylt angefangen“, berichtet Christian Scholz, während er sich von der Redaktion auf dem Weg zur Görlitz-Information am Obermarkt zur Vollendung des Zipfelpasses begleiten lässt.

Den Stempel setzt Anna Merkel. „Ich habe in diesem Jahr bestimmt schon 20 Stempel gesetzt“, berichtet sie von der Beliebtheit der Tour, die Scholz witzigerweise für sich selbst erst letzten Sonntag wirklich dahingehend abschloss, dass er den ultimativ östlichsten Punkt der Bundesrepublik zwischen Deschka und Zentendorf erstmals aufsuchte. „Endlich habe ich auch das geschafft, obwohl ich gar nicht so weit weg wohne“, betont er und fügte im Gästebuch an dieser Stelle der Neiße seinem entsprechenden Eintrag einen Smiley bei.

Etwas Unklarheit gab es im Vorfeld noch um die vermeintliche Erfordernis, dass auch Görlitzer eine Übernachtungsbescheinigung eines Hotels als Nachweis für einen Görlitz-„Besuch“ vorweisen müssten

Auf eine Anfrage der Redaktion zur kurios anmutenden Information, die Christian Scholz vor einer Weile erhielt, stellte die Europastadt GmbH (EGZ) als Träger der Tourist-Information fest: „Sofern Görlitzer mit einem vollständig ausgefüllten Zipfelpass (mit den Stempeln der anderen drei Zipfelorte) zu uns kommen, erhalten sie auf Nachfrage natürlich auch den 4. Stempel und können sich damit auf eine ’Zipfelüberraschung’ freuen. Soweit es uns bekannt ist, wird es auch in den anderen Zipfeln so ’kulant’ gehandhabt.“ Den Zipfelpass gibt es übrigens entweder bei der Görlitz-Information oder aber zum Download auf der Internetseite www.zipfelbund.de/Zipfelpass.

Christian Scholz empfiehlt anderen Zipfelstürmern an den drei anderen Orten schon drei Übernachtungen einzulegen, „damit man von den Zielorten auch etwas sieht“. In Oberstdorf habe das nicht ganz geklappt. Den Stempel in der Touristeninformation gab es dennoch, auch wenn er die Zeit für eine Wanderung zum wirklich südlichsten Punkt bei Grenzstein 147 am Gehrner Berg auf 1.883 Metern Höhe nicht fand. Von der Bus-Endstation Alp Eschbach benötigt man von dort immerhin noch 4 bis 5 Stunden. Angetan war er im Westen auch vom unscheinbaren Selfkant. Rund um den westlichsten Punkt bewege man sich an der Maas wunderbar mit dem Fahrrad. „Aber ohne Zipfel wäre ich hier sicher nicht gelandet“, sagt der gebürtige Görlitzer Scholz, den auch der Umstand faszinierte, dass die Niederlande den Selfkant als Grenzaussparung und Mini-Kriegsbeute erst 1963 an Deutschland zurückgaben. Bis dahin wurden den Selfkantern Niederländisch als Amtssprache und der Gulden als Währung aufgedrückt.

Unterwegs hätten übrigens andere Urlauber von der Schönheit Görlitz’ gewusst, oft hingegen nicht von dessen ’Zipfeldasein’. Einen kleinen Traum verrät Christian Scholz, dessen Vater in seiner Heimat Mecklenburg die Promenaden mit der Gitarre bespielte, als Shantschorleiter ganz beiläufig. Im Rahmen der Zipfelpartnerschaft könnte er sich einen Auftritt seines Chores gerade auf Sylt gut vorstellen! „Wir suchen für den Chor immer noch Sänger – gerne auch solche, die Plattdütsch sprechen, denn davon haben wir nur drei. Und wir suchen derzeit auch einen Chorleiter, der unserem Laienchor musikalische Nuancen vermittelt. Und gerade Neugörlitzer finden bei uns gut Anschluss.“

Einblicke und Hörproben gibt es auf mehrere Weise in diesem Jahr. Wie ein echtes Nordlicht sagen würde: Un wer den Shantychor gehrn live belevven mücht, de schull an Nikolausdag Klock half fiev (16.30 Ühr) op den Unnermarkt kamen oder twee Weken later an de sülvige Steed. To’n Öven dröppt sik de Chor jeden Dunnersdag vun Klock söss an (18.00 Ühr) in den Kroog Zur ollen Fründschaft in de Biesnitzer Straat 29.

Till Scholtz-Knobloch / 02.10.2026

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