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Ein Niedercunnersdorfer auf großer Ruanda-Mission

Ein Niedercunnersdorfer auf großer Ruanda-Mission

Martin Bernd aus Niedercunnersdorf beendete erfolgreich den „Race around Rwanda“ in Zentralafrika. Foto: privat

Niedercunnersdorf. Eine Stadt, die niemals schläft. Mopeds, Händler, Geschäftsleute, Fahrzeuge hupen – und alles ist sehr sauber. Die Luft ist heiß und feucht, so wie es Martin Berndt aus Niedercunnersdorf in einem Land in direkter Äquatornähe auch erwartet hat. Nach einem zehnstündigen Flug ist er in Kigali gelandet, der Hauptstadt Ruandas auf dem afrikanischen Kontinent. Schon seine ersten Eindrücke, als er mit dem Taxi ins Stadtzentrum zu seinem Hotel fährt, reißen ihn direkt mit. Das Taxi ist geräumig, es transportiert nicht nur den Besucher aus Europa, sondern auch sein Fahrrad, ein robustes Gravel Bike, unverzichtbar auf Martins Ruanda-Mission.

Martin Berndt fährt mit Leidenschaft Ultracyclingrennen. Diese Radsportdisziplin geht an die persönlichen Grenzen, es werden ultralange Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt. Ein Rennen erstreckt sich über mehrere Tage, die Strecken sind anspruchsvoll. Es gibt mehrere sogenannte Checkpoints mit Zeitmessung. Diese Checkpoints müssen die Teilnehmer innerhalb einer bestimmten Zeit passieren, andernfalls werden sie disqualifiziert. In Deutschland hat diese Sportart in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Martin Berndt ist vor zwei Jahren schon den Atlas Mountain Race gefahren. Damals ging es in Marokko durch das Atlasgebirge. Nun führte ihn seine sportliche Ambition nach Ruanda für den „Race around Rwanda“. Ein langer Wunsch erfüllte sich damit für Martin Berndt.

Die ersten Tage in Ruanda nutzte er, um anzukommen und vertraut zu werden mit Land und Leuten. Die Nähe zum Äquator bringt nicht nur sehr warme Temperaturen mit sich, sondern auch eine nahezu gleiche Länge von Tag und Nacht. Es sind zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Dunkelheit. Das Land liegt sehr hoch, der niedrigste Punkt befindet sich bei 950 Metern über dem Meeresspiegel, die höchste Erhebung ist der Karisimbi, ein inaktiver Vulkan mit 4.507 Metern. Generell ist das Land sehr bergig, daher wird es auch das Land der tausend Hügel genannt. Es ist ein Binnenland und besitzt vier Nationalparks. Vieles davon hat Martin Berndt während des knapp 1.000 Kilometer langen Rennens kennengelernt.

An den Start gingen 132 Teilnehmer, lediglich vier davon waren Einheimische. Die meisten Starter kamen aus Deutschland. Typisch für Ultracyclingrennen ist, dass die Teilnehmer sich auf der Strecke selbst versorgen. „In Ruanda funktionierte das wunderbar. Unsere Checkpoints waren in größeren Städten. Da hat man auch immer ein Hotel oder Gästehaus gefunden. Anders als beim ‚Atlas Mountain Race’ konnte ich in Ruanda glücklicherweise auf das biwakähnliche Übernachten in freier Natur verzichten. Obwohl das Rennen außerhalb der zwei Regenzeiten des Landes stattfand, war das Wetter trotzdem sehr niederschlagsreich in Kombination mit starken Gewittern. Vergleichen kann man es mit einem heftigen Unwetter bei uns. Beim Essen gab es viele frische, zum Teil exotische Früchte – Ananas, Bananen, Maracuja, Tomaten, Mangos. Dazu dann Brötchen oder Backwaren, vergleichbar mit deutschen Milchbrötchen. Dann noch frittierte Quarkbällchen, die ich mir immer als Snack mitgenommen habe. Getränke müssen immer aus originalverschlossenen Flaschen getrunken werden. Auch Quellwasser gilt in Ruanda als nicht empfehlenswert. Zum Briefing wurden wir auch darauf hingewiesen, dass es zwar Restaurants in Dörfern gibt, aber wenn man da Hühnchen bestellen würde, wäre der Koch erst einmal eine Stunde auf den nächsten Bauernhof gefahren und hätte das Huhn geholt“, erzählt er. Wahrscheinlich wäre der Koch auch mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, denn es ist das Transportmittel Nummer eins in dem dicht bevölkerten, zentralafrikanischen Land. Mit den schweren Stahlfahrrädern werden sogar Möbel und mehrere große Säcke Kartoffeln transportiert. Radsport gibt es dort auch. Momentan läuft dort gerade die Tour de Rwanda. „Die Checkpoints wurden teilweise von Radsportclubs betreut“, berichtet Martin weiter . Im letzten Jahr fanden in Ruanda übrigens die Straßenrad-Weltmeisterschaften statt. Der Radsport boomt. „In meiner Social-Media Community hatte ich dazu aufgerufen, ältere, noch gut erhaltene Fahrradbekleidung zu spenden. Am Ende habe ich dafür nochmal extra Übergepäck gebucht, es kamen 30 Kilogramm zusammen“, sagt Martin Berndt sichtlich erfreut.

Die Route des Race around Rwanda ging von der Hauptstadt Kigali gegen den Uhrzeigersinn, annähernd an der Grenze des Landes entlang, wieder zurück zur Hauptstadt. „Wir haben zwei Nationalparks durchquert. Teilweise ging es durch die Vulkane im Norden auf 2.850 Höhenmeter hinauf. Im Westen des Landes durfte ich in den Gorillagebieten Bekanntschaft mit unseren tierischen Verwandten machen – und zum Schluss ging es im Süden durch den Regenwaldnationalpark wieder auf 2.500 Höhenmeter nach oben. Dort hatte mir ein Affe im Camp, in dem ich übernachtet habe, mein Frühstücksmilchbrötchen geklaut“, sagt er.

Am Ende waren es fünf abenteuerliche Renntage mit insgesamt 18.700 Höhenmetern. Von 82 Einzelstartern ist Martin Berndt 47. geworden. Viel mehr als das Ergebnis, zählen aber am Ende die Vielzahl an neuen Eindrücken. Martin sagt, es sei sein bisher schönstes Rennen gewesen mit einer sehr beeindruckenden Landschaft und freundlichen Menschen. Aber es gab auch nachdenkliche Momente. „Zum Beispiel als ich etwa achtjährige Kinder wie Erwachsene auf den Feldern arbeiten gesehen habe. Das ländliche, von Armut geprägte Ruanda bildet einen großen Kontrast zu den modernen Städten.“ Und auch an den Bürgerkrieg in den Neunzigerjahren wurde Martin während seines Aufenthalts erinnert. Innerhalb von drei Monaten wurden damals 800.000 bis eine Million Menschen umgebracht. „Es bleibt ein Land mit vielen, sehr fleißigen, jungen Menschen in meiner Erinnerung, das irgendwie die ganze Zeit in ständiger, quirliger Bewegung ist,“ fasst Martin seine Zeit dort zusammen.

Mit einem Live-Bericht über den „Race around Rwanda“ ist der sympathische Radsportler am Samstag, 7. März, um 18.30 Uhr, bei der Firma ECU, Görlitzer Straße 53, in Zittau zu Gast und hält einen spannenden Vortrag mit viel Bildmaterial über seine Erlebnisse in Ruanda. Der Eintritt ist frei. „Ich möchte einfach Globetrotter, Radsportbegeisterte und Abenteurer, auch die, die es nur im Herzen sind, zusammenbringen“, betont er. Weitere Termine werden folgen. 

Bettina Hennig / 06.03.2026

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