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Eine Strickjacke für den Hutbergturm

Eine Strickjacke für den Hutbergturm

Kerstin Boden ist die Initiatorin einer ungewöhnlichen Aktion, in deren Zuge der Hutbergturm mit Stoffbahnen verhüllt werden soll.

Die „verrückte“ Idee einer Kamenzerin im Vorfeld des Stadtjubiläums hat Gestalt angenommen. Zeit für eine erste öffentliche Präsentation.

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Fleißige Helferinnen: Ursula Diestel, Veronika Ziesch und Lucie Wetzlich (v.l.) nähten Kükenfiguren auf die Stoffbahn.

Kamenz. Als der amerikanisch-bulgarische Künstler Christo 1995 den Berliner Reichstag verhüllte, stieß dies auf weltweites Medieninteresse. Damit ist am 21. August, wenn der Kamenzer Hutbergturm voraussichtlich ein temporäres Gewand erhält, zwar nicht zu rechnen. Aufmerksamkeit wird es aber dennoch erregen, wenn auf allen vier Turmseiten jeweils 14 Meter lange Stoffbahnen zu Boden herabgelassen werden. Schließlich ist eine solche Aktion in der Oberlausitz bislang noch ohne Beispiel. Die Idee stammt von der Kamenzerin Kerstin Boden, einer begeisterten Pilgerin. „2018 bin ich viereinhalb Monate von Kamenz nach Santiago gepilgert und war immer sehr froh, wenn ich am Abend eine Herberge gefunden hatte, die über ordentliche Waschmöglichkeiten verfügte“, erinnert sie sich. Die gibt es jedoch bei weitem nicht in jeder Unterkunft entlang des Jakobswegs – und auch in der Kamenzer Pilgerherberge, die sich unmittelbar neben dem Hutbergturm befindet, fehlt es daran. „Und da ich vorher schon mit Freundinnen kleine Strickprojekte gemacht hatte, kam mir des Nachts die verrückte Idee, den Hutbergturm einzustricken und damit eine Spendenaktion zu verbinden.“

Natürlich kann jetzt nicht jeder oder jede daherkommen und ein öffentlich zugängliches Bauwerk mit Stoffbahnen verhüllen. „Deshalb bin ich zum Oberbürgermeister gegangen und habe ihm meine Idee vorgestellt“, blickt Kerstin Boden zurück. Roland Dantz fand Gefallen daran, und mehr noch: Warum, so fragte sich das Stadtoberhaupt, sollte man eine so ungewöhnliche Aktion nicht mit dem bevorstehenden Stadtjubiläum verbinden? Denn schließlich feiert Kamenz ja 2025 den 800. Jahrestag seiner Ersterwähnung. Und so machte sich Kerstin Boden an die Arbeit. Freilich nicht allein, sondern mit großer Unterstützung: „Es haben weit über 150 Frauen daran mitgearbeitet – nicht nur aus Kamenz und Umgebung, sondern deutschlandweit und selbst aus der Schweiz und aus Holland.“

Ihre Mitstreiterinnen fand Kerstin Boden zu einem großen Teil durch ihre Kontakte in der Pilgerszene. Die Kommunikation erfolgte über eine Whats-app-Gruppe. Persönliche Treffen waren aufgrund der Corona-Situation kaum möglich. „Vielen half die gemeinsame Arbeit an dem Projekt, über die Corona-Zeit zu kommen“, hat die Initiatorin aus dem Gruppen-Chat erfahren. Nun, da das Ergebnis der Bemühungen Gestalt angenommen hat, kam die Zeit, es auch einmal öffentlich zu präsentieren. Und so rollten Kerstin Boden und einige ihrer Kamenzer Mitstreiterinnen eine der vier Bahnen, die unter dem Motto „Natur“ steht, am vergangenen Dienstag auf dem Marktplatz aus. Die Mottos der anderen drei Seiten lauten Glück, Pilgern und 800 Jahre Kamenz. Insgesamt besteht das Kunstwerk aus 6.260 jeweils 20 mal 20 Zentimeter großen Quadraten, was ausreicht, um den Hutbergturm von der Aussichtsplattform bis zu seinem Fuß komplett zu verhüllen.

Die Aktion selbst, bei der die Bahnen vom Geländer aus herabgelassen werden, soll am 21. August stattfinden – „wenn es das Wetter zulässt. Zu stürmisch sollte es nicht sein“, wie Kerstin Boden erklärt. Bis dahin hofft die Initiatorin, dass auch das Spendenkonto von der großen Aufmerksamkeit, die das Projekt findet, profitiert: „15.000 Euro kostet die Erneuerung der Sanitärausstattung in der Pilgerherberge.“

Die Bankverbindung lautet: Stadtverwaltung Kamenz, IBAN: DE24 8505 0300 3000 0306 10, Verwendungszweck: Sanitäreinrichtung Pilgerherberge Hutberg.

Uwe Menschner / 01.06.2021

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