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Festtagsschmaus hinter Gitterstäben

Festtagsschmaus hinter Gitterstäben

Karin Zorn mit Schäferhund Chef: Keiner von beiden ist zu Weihnachten sich selbst überlassen. Dafür sorgt ein Team, das sich gegenseitig unter die Arme greift. Foto: RK

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Spendenübergaben helfen dem Tierheim Bloaschütz, den laufenden Betrieb zu sichern oder notwendige Investitionen in Angriff zu nehmen. Foto: RK

Die Weihnachtszeit ist alljährlich für die Mitarbeiter des Tierheims Bloaschütz Herausforderung und Erfüllung zugleich. Wo andere daheim feiern, kümmert sich das Team um seine Schützlinge auf vier Pfoten. Andererseits zeigen besonders viele Menschen ein Herz für die Einrichtung am Bautzener Stadtrand.

Bautzen. Die Baggerschaufel gräbt sich durchs Erdreich, Hundegebell konkurriert mit dem Lärm der Baumaschine. Im Tierheim Bloaschütz, das nach den Überschwemmungen der vergangenen Jahre mit Hilfe des Freistaates in den Tagen vor Weihnachten hochwassersicherer gemacht wird, lässt rein gar nichts vermuten, dass schon in Kürze das Fest der Liebe ansteht. Zumindest physisch wird zu Beginn der Woche dem Auge des Besuchers noch kein Anhaltspunkt beispielsweise in Form einer bunt geschmückten Tanne oder eines weihnachtlich dekorierten Katzen- und Hundehauses geboten. Stattdessen wurde notdürftig ein Bürofenster mit einem beigefarbenen Brett verkleidet, damit die kühle Luft draußen bleibt. Dieses zeugt noch vom letzten Einbruch. Ende Oktober verschwand mit den unbekannten Dieben eine größere Summe Bargeld aus dem Tresor und eine Spendendose. Karin Zorn, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung, kann sich noch gut daran erinnern, wie geschockt sie und ihre Mitstreiter waren. Das Team vermutet, dass die Tat auf das Konto einer Bande geht, die zunächst im Tierheim in Bischdorf zuschlug und sich nun ihren Weg in Richtung Westen bahnt. Dennoch ist die Magie des Festes der Liebe auch zwischen Hundeställen und den Katzengehegen spürbar. Dafür sorgen beispielsweise Menschen, die der Einrichtung mit zahlreichen Futterspenden unter die Arme greifen. „Das ist uns eine große Hilfe“, betont Karin Zorn.
 
Für die Interimsherrchen von aktuell 20 Hunden und etwa viermal so vielen Katzen kann es kurz vor Weihnachten gar nicht besser laufen. Am Dienstag bekam die Einrichtung eine Spende in Höhe von 3.280 Euro überreicht – ohne jegliche Zweckbindung. Ermöglicht haben dies Evelin Peter und ihre Mannschaft. Obendrein stellten sie noch einen dreiteiligen Schüsselsatz für den Eigengebrauch oder zur Aufbewahrung von Trockenfutter zur Verfügung. Die Bezirkshändlerin eines Anbieters von Küchen- und Haushaltsartikeln war im Zuge einer firmeninternen Spendenaktion auf das Tierheim aufmerksam geworden. „Wir konnten uns im Zuge der bundesweit durchgeführten Unternehmenskampagne auch für einen Verein entscheiden, den wir unterstützen wollen“, erklärte Evelin Peter. Auf Empfehlung hin sei die Wahl auf die Betreiber der Einrichtung gefallen.

„Damit haben wir ein gutes Werk vollbracht“, gab sie sich überzeugt. Davon können auch all die anderen Finanziers ausgehen, die übers Jahr hinweg den Verein bei seiner Arbeit unterstützen. „Mit den Zuwendungen, die wir von Firmen, Privatpersonen, Festgesellschaften, Schulen, Sportvereinen und anderen Personen erhalten haben, planen wir diverse Projekte. Dazu gehören unter anderem die Erneuerung des Daches im Katzenhaus, wichtige Sanierungsmaßnahmen oder dringend notwendige Anschaffungen. Fakt ist: Spenden helfen uns dabei, den Betrieb des Tierheimes am Laufen zu halten und zeigen uns, dass unsere Arbeit für die Tiere und mit ihnen vielen Menschen am Herzen liegt.“

Während Karin Zorn der Geschäftsfrau, die von Partymanagerin Jeannette Metasch begleitet wurde, einen Einblick in den Tierheimalltag gewährte, bekam auch Elmar eine kurze Streicheleinheit von den Gästen. Der 14 Jahre alte, kastrierte Rüde war aus einer Pflegestelle ausgebüxt und ist seitdem Bewohner auf Zeit in der Einrichtung am Bautzener Stadtrand. Gerade zu Weihnachten wünscht sich die Tierheimmannschaft, dass der Vierbeiner schon recht bald doch noch eine Chance auf ein gemeinschaftliches seniorengerechtes Wohnen bekommt. „Wir sind sehr daran interessiert, Elmar zu vermitteln“, meinte die stellvertretende Tierheimchefin. „Er sollte für den Rest seines Lebens in einer ebenerdigen Wohnung leben dürfen zusammen mit seinen Herrchen, von denen wir uns erhoffen, dass diese noch recht fit für ihr Alter sind. Denn Elmar liebt großzügige Spaziergänge.“

Zu Weihnachten und Silvester sowie in der dazwischenliegenden Zeit sorgen zunächst weiterhin die Mitstreiter des Bloaschützer Tierheims dafür, dass er und seine vor Ort untergebrachten Artgenossen ihren Verdauungsspaziergang erhalten. „Dann sind die Kolleginnen – wie an jedem anderen Arbeitstag im Jahr auch – für unsere Fellnasen von 8.00 bis 16.00 Uhr da“, sagte Karin Zorn unserer Zeitung. „Die Arbeitsabläufe sind ebenfalls die gleichen, nur dass wir etwas früher das Tor zum Tierheim schließen, damit ein bisschen mehr Zeit für Familie, Freunde und Bekannte bleibt. Nur daran werden die Tiere merken, dass etwas anders ist. Allerdings empfangen wir ab dem Nachmittag des 24. Dezembers keine Gäste mehr und gönnen uns bis zum Neujahrstag eine besucherfreie Zeit, um Dinge zu erledigen, die vielleicht liegen geblieben sind oder sich am besten erledigen lassen, wenn man sich um nichts anderes kümmern muss.“ Damit jeder der im Tierheim tätigen Frauen in den Genuss kommt, wenigstens ein paar besinnliche Stunden im Kreise der Familie verbringen zu können, wechseln sie sich gegenseitig ab. Der Teil von ihnen, der zur gleichen Zeit seinen Dienst schiebt, sorgt unter anderem dafür, dass den Vierbeinern ein „Festtagsmahl“ serviert wird. Karin Zorn: „Wir suchen besonders leckeres Katzenfutter aus, das dann am Heiligen Abend unseren Schmusetigern gereicht wird. Im Hundehaus werden wir die Kühltruhe öffnen und ein leckeres Rohfleischmenü mit Gemüse, Obst und Reis zaubern. Ansonsten gibt es Nass- und Trockenfutter aus dem gut gefüllten Lager, immer sehr abwechslungsreich und von allen unseren tierischen Bewohnern gern angenommen.“

Da zum Fest der Liebe bekanntermaßen Wünsche in Erfüllung gehen, hofft die stellvertretende Leiterin der Einrichtung vor allem darauf, dass Tiere, die zu Weihnachten auf dem Gabentisch landen, nicht im Anschluss daran in einem der Gehege in Bloaschütz landen und damit das gleiche Schicksal erleiden wie Elmar und all die anderen Hunde, Katzen, Ratten und Kaninchen. „Tiere sind keine Geschenke“, betont sie. „Die Entscheidung, sich einen tierischen Freund anzuschaffen, sollte bewusst erfolgen.“ In Hinblick auf die Silvesterknallerei fügte die Kennerin hinzu, dass Herrchen und Frauchen folgendes im Blick behalten sollten: „In der Regel fürchten sich Tiere vor Feuerwerk. Sie tragen im schlimmsten Fall schreckliche Traumata davon, wenn man unvorsichtig ist. Hunde sind am besten zu Hause zu lassen. Ratsam ist zudem, allen anderen Tieren einen sicheren und ruhigen Rückzugsort zu bieten.“ 

Noch während Karin Zorn Tipps für eine entspannte Festtagszeit gibt, machen die Bauleute am Grundstücksrand Fortschritte. Der noch zu bepflanzende Erdwall, der in Zukunft vor den Folgen neuer Starkregenfälle schützen soll, hat Form angenommen. „Rund ums Tierheim befinden sich Felder. Wenn es mal richtig gießt, strömt die braune Brühe auf unser Grundstück, das in einer Talsenke liegt“, blickt die Dame vom Tierheim etwas wehmütig zurück. Mit gutem Grund: „Zuletzt führte das dazu, dass zwei Jungtiere zu Schaden gekommen sind, nachdem sowohl das Katzen- als auch das Hundehaus geflutet wurde.“ Das, so die Hoffnung, passiert fortan nicht noch einmal. Denn wie schon vor mehr als 2000 Jahren in anderer Hinsicht ist ein Neuanfang gemacht. 

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Roland Kaiser / 21.12.2019

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