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Hilferuf zeigt Wirkung

Hilferuf zeigt Wirkung

Mit dem Transport von Speisen greift derzeit Stadtrat Sven Urban der Diakonie unter die Arme. Foto: privat

Bischofswerda. Ein Appell der Stadtverwaltung kurz vor Weihnachten hat den Ernst der Lage demonstriert. In den zu diesem Zeitpunkt völlig überlasteten Pflegeeinrichtungen ist jede helfende Hand dringend benötigt worden. Am Ende sollte sich der Hilferuf für die Häuser auszahlen.

„Wir haben zwei Personen bei uns eingesetzt, die eine Fachkraftausbildung in der Pflege vorweisen konnten“, sagte zu Beginn des neuen Jahres Sascha Bock auf Anfrage. Als Geschäftsführer der Oberlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege gGmbH untersteht ihm ein Pflegeheim in der Kleinstadt. „Eine Person hat direkt in einer Wohngruppe ausgeholfen, die andere griff uns über die Feiertage bei der Testung von Besuchern unter die Arme. Wir sind allen Beteiligten – das heißt nicht nur den tatsächlich eingesetzten, sondern auch den Bürgern – dankbar, die ihre Hilfe angeboten haben.“ Das Engagement sei außerordentlich hilfreich gewesen. Sascha Bock: „Die Unterstützung hat uns bei den kurzfristig entstandenen Engpässen geholfen.“ Inzwischen, so meint er, entspannt sich die Lage momentan wieder etwas. Aber, so schränkt der Geschäftsführer gleichzeitig ein: „Dies ist nur eine Momentaufnahme. Bei einem auftauchenden Infektionsgeschehen im Haus ist es nicht berechenbar, wie sich die Lage auswächst. Insofern sind wir froh, dass wir nicht mehr Hilfe in Anspruch nehmen brauchten.“

In einer weiteren, auf den Grundmauern des ehemaligen städtischen Hospitals erbauten Pflegeeinrichtung heuerte Sven Urban, Lehrer im BSW-Bildungszentrum und SPD-Stadtrat, als ehrenamtlicher Helfer an. Der Lagebericht des Trägers Diakonie ließ ihm keine andere Wahl. Darin hieß es damals unter anderem: „Sehr akut ist die Situation im Moment in Bischofswerda mit 27 betroffenen Bewohnern und 16 betroffenen Mitarbeitenden. Die Personalsituation ist auch dadurch so angespannt, da an Corona erkrankte Bewohner sehr pflegeaufwendig sind. Insbesondere das Anreichen von Getränken und Nahrung ist sehr zeitaufwendig, oft genug ein Geduldsspiel aber existenziell notwendig, insbesondere auch bei Bewohnern, die Infusionen nicht tolerieren. In Bischofswerda suchen wir im Moment nach Ehrenamtlichen, die beim Anreichen von Getränken und Essen helfen können und wollen.“ Vor diesem Hintergrund erklärte sich Sven Urban schließlich bereit, der Heimleitung seine Unterstützung anzubieten. „Vom 21. Dezember an übernahm ich ehrenamtlich den täglichen Hol- und Bringedienst der Essensversorgung“, legte der Schiebocker dar. „Auch während der Feiertage war ich im Einsatz. Hierfür nutzte ich auch meinen Urlaub. Geplant ist, die Hilfestellung bis vorerst Mitte Januar beizubehalten.“ Die Zeit des Fahrdienstes werde dadurch unkompliziert und für das Pflegeheim kompensiert. Sven Urban zeigte sich erfreut darüber, dass sein Arbeitgeber dieses Engagement mitträgt. Die Führungsebene des Bildungswerkes habe sich demonstrativ hinter ihn gestellt.

Dort wo der hauswirtschaftliche Aspekt in der Ausbildung eine große Rolle spielt, hinterließ die Virus-Krise ebenfalls ihre Spuren. Allerdings nicht so stark wie in anderen Bereichen, betonte Sven Urban. „Besonders betroffen sind laut einer Auswertung von Umfrageergebnissen die Branchen Gestaltung und Medien, Gesundheit und Pflege sowie Gastronomie und Touristik.“ Jedoch stelle die Schließung von Berufsschulen und Betrieben alle Seiten vor neue Herausforderungen. „Auszubildende haben stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden. Jeder dritte Azubi darf laut Studien zur Berufsausbildung nicht mehr arbeiten, weil das Infektionsrisiko zu hoch ist. Berufswünsche verändern sich durch die Virus-Krise. Viele Schüler wollen sich wegen ihr verstärkt mit systemrelevanten Berufen auseinandersetzen und nehmen Berufe im Bereich Gesundheit und Soziales als attraktiver wahr.“ Eine solche Entwicklung käme zweifelsohne den Einrichtungen zugute, die im Zuge der Pandemie im Fokus stehen. Wiederum gibt es die Sorge, dass an anderer Stelle bald schon weitere Einschnitte zu verzeichnen sind. „In der aktuellen Lage besteht die Befürchtung, dass die Prüfungen nicht turnusmäßig abgelegt werden können. Und nicht zu vergessen ist in diesem Kontext: Die Auszubildenden, die Unternehmen jetzt nicht einstellen, fehlen ihnen in drei Jahren als Fachkräfte.“

Zurück ins Haus von Sascha Bock. Seine Mannschaft bleibt optimistisch. Denn fest steht für ihn: „Viele unserer Bewohner mussten in der Kriegs- und Nachkriegszeit schon ganz andere Krisen meistern.“

Roland Kaiser / 09.01.2021

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