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„Ich bin kein Lemming, keine Virenschleuder“

„Ich bin kein Lemming, keine Virenschleuder“

Dietmar Vogelsang aus Görlitz möchte davon profitieren geimpft zu sein. Doch bisher habe die Politik mehr Andeutungen gemacht als Versprechungen eingehalten. Foto: Till Scholtz-Knobloch

In der vergangenen Woche beklagte eine Mutter an dieser Stelle angekündigte Schul-Impfungen und Corona-Tests an den Schulen. Dieses Thema bestimmte auch die Montagsspaziergänge an verschiedenen Orten der Oberlausitz. In Görlitz ergriff dabei Dietmar Vogelsang das Mikrofon zu einer Gegenrede. 

Görlitz. „Bei meinem Nachbarn hängen in den Fenstern seiner Erdgeschosswohnung Parolen gegen den Umgang mit Corona und er spricht auch stets von einer Plandemie“, ärgert sich Dietmar Vogelsang. Und zwar insbesondere deswegen, da er doch sonst eine so nette Nachbarschaft mit ihm pflege. Und so setzte sich Vogelsang nun zu erwartenden Pfiffen aus und griff auf dem Görlitzer Postplatz beim Protest der Querdenker zum „Offenen Mikrofon“. „Vieles ist doch noch gar nicht durchexerziert und kann nicht abschließend beurteilt werden“, meint er. Aber: „Das Zeug lässt sich nun mal nicht wegleugnen. Ich fühle mich jedenfalls mit der Impfung viel sicherer. Früher wurde übrigens nicht lange gefragt, da wurde bei Kinderkrankheiten einfach geimpft“, so der 56-jährige Ostwestfale, der im Software-Testing und Tool-Support tätig ist.

„Ich habe im Juli meinen Vater beerdigen müssen und in der Bahn acht Stunden die Pappe vor dem Mund im Zug bis Görlitz tragen müssen“. Und so richte sich sein Wunsch an die Politik darauf, dass ihm als Geimpften nun auch Vorteile zufallen. „Bislang sehe ich jedoch weder Vor- noch Nachteile – und das ist auch nicht gerecht“, sagt er. Vor den Protestlern zog er seinen gelben Impfpass in die Lüfte und sagte: „Ich habe es anders gemacht als ihr.“

Vogelsang lobte dabei die gute Atmosphäre in Görlitz, die einen solchen Dialog zulasse und nicht so aufgeheizt sei wie in Berlin. „Aber, ich lasse mich als Geimpfter nicht als Virenschleuder verunglimpfen oder als Lemming“, betonte er bestimmt, da unter Querdenkern argumentiert wird, mit der Impfung werde der Kampf der Viren im Körper angefacht und gefährde damit besonders Ungeimpfte. Er vermisse im Homeoffice allerdings auch den Austausch mit Kollegen. „Ich möchte wieder in Teammeetings gehen, zumal wir auch nie ein Budget vom Arbeitgeber für Treffen in Gaststätten erhalten haben. Als der Hausarzt anrief, habe ich nun zugegriffen. Ich hatte zwar starke Impf-Abwehrreaktionen mit Schüttelfrost, denke aber, dass zumindest das Reisen für mich einfacher wird“, so der Görlitzer der unter anderem griechisch- und polnischsprachig viel unterwegs ist.

Till Scholtz-Knobloch / 18.09.2021

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Kommentare zum Artikel "„Ich bin kein Lemming, keine Virenschleuder“"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Wolfraat schrieb am

    Persönlich finde ich es grundsätzlich gut, dass der Niederschlesische Kurier über beide Seiten berichtet und ein objektives Meinungsbild fördert. Dafür mein ausdrückliches Lob.

    Kein Verständnis habe ich dafür, dass Herr Frank Liske als Veranstalter der Montagsdemos einen Impfjubler beim "offenen Mikrofon" überhaupt zu Wort kommen läßt. Glücklicherweise haben die Teilnehmer der Veranstaltung genauso gesehen und den Gläubigen Coronas völlig zu Recht ausgebuht. Einem Impfjubler bei einer seriösen Montagsdemo reden zu lassen, entspräche m. E. im Vergleich einer "Erlaubnis" der katholischen Kirche einen Satanisten in einer Messe sprechen zu lassen. Sicher undenkbar !!!

    Toleranz hat da ihre Grenzen, wo man durch Presse und TV-Gehirnwäsche Indoktrinierten und Opfer des betreuten Denkens auch noch eine Plattform bietet. Der gleiche Herr Liske hat übrigens früher Herrn Dr. Papadopolus und Regina das Mikrofon abgedreht.

  2. Kathrin schrieb am

    Wunderbar, wie gelassen und pragmatisch im Kurier verschiedene Meinungen und Ansichten Platz bekommen.
    Bitte weiter so!