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„Ideen und Eifer sind reichlich vorhanden“

„Ideen und Eifer sind reichlich vorhanden“

Der Hauptmarkt war einer der Orte während der trotz Corona-Pandemie stattgefundenen Einkaufsnacht „Romantica“, auf dem unter anderem eine Modenschau vonstatten ging. Foto: C. Schumann

Mehrere tausend Menschen haben sich diese Einladung nicht entgehen lassen: Am Samstag vor einer Woche boten über 100 Läden in Bautzen weit über die normalen Öffnungszeiten hinaus ein besonderes Einkaufsvergnügen. Innenstadt- und Tourismusverein führten dabei Regie. Deren Vorsitzende René Meißner und Dietmar Stange zogen nun im Gespräch mit dem Oberlausitzer Kurier ihre ganz eigene Bilanz und sie verrieten, wie es weitergeht.

Die Romantica 2021 ist Geschichte. Mit welchen Eindrücken von der Einkaufsnacht blicken Sie auf diese zurück?

René Meißner: Wir sind alle sehr glücklich, dass die Romantica so erfolgreich gelaufen ist. Die Kürze der Vorbereitung und die Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie waren eine enorme Belastung für unseren Vorstand. Mehrere Einzelhändler in den Einkaufsstraßen haben uns richtig geholfen. Außerdem stand uns mit dem Tourismusverein ein starker Partner zur Seite. Der Erfolg und die vielfache Anerkennung waren dann doch eine Entschädigung für die gestressten Nerven.

Dietmar Stange: Rückblickend können wir nur von einer großartigen Leistung sprechen. Mit Willen und Engagement ist in unserer Stadt noch vieles möglich. Deshalb bedanken wir uns bei allen Beteiligten. Erwähnen möchten wir auch die gute Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt. Trotz mancher hektischen Aktionen fanden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer pragmatische Lösungen.

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Während der Einkaufsnacht wurde die Chance genutzt, um für ehrenamtliches Engagement in der Spreestadt zu werben. Foto: C. Schumann

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus der Veranstaltung mit?

René Meißner: Besonders gefallen hat uns, dass ein großer Teil der Händler bis zur letzten Sekunde an „ihrer“ Romantica festgehalten haben. Erfreulich war auch, wie die teilnehmenden Geschäfte versucht haben, das Motto „Comeback der Herzen“ umzusetzen. Dies zeigt einmal mehr die Fähigkeit unserer Einzelhändler, sich den veränderten Bedingungen trotz aller Widrigkeiten anzupassen. Schade fanden wir, dass trotz intensiver Kommunikation es immer wieder Händler gibt, die nicht mit uns zusammenarbeiten. Dass sie am Ende ihre Geschäfte doch geöffnet haben, hat sicher die Romantica aufgewertet. Wir wünschen uns noch eine größere Solidargemeinschaft bei unseren zukünftigen Aktionen. Das trifft im Übrigen auch auf einen Teil der Außenbewirtschaftungen zu, die zweifellos zu den großen Gewinnern der Einkaufsnacht zählten. Es ist nur fair, wenn alle teilnehmenden Geschäfte und Restaurants dies besser kommunizieren, um eine klare Veranstaltungstransparenz zu gewährleisten.

Dietmar Stange: Die Romantica ist ein Teil der Gesamtstrategie beider Vereine. Den Charme der Innenstadt zu erhalten, das Erlebnis Einkauf zu fördern, die Vernetzung des Einzelhandels voranzubringen, den Tourismus zu entwickeln oder die Kreativwirtschaft in die Stadt zu holen, sind nur einige aber wichtige Komponenten. Wie bei unseren Vereinen gilt auch für alle Akteure und Leistungsträger: Nur gemeinsam können wir die Zukunftsaufgaben bewältigen. Die Einzelhandelsstruktur in unserer Stadt hat große Chancen, die kommenden Herausforderungen zu meistern. Ob unsere politischen und wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten dafür ausreichen, ist eine andere Frage. Ideen und Engagement sind jedenfalls überreichlich vorhanden. Mit unseren bisherigen Aktionen haben wir bewiesen, dass wir unter schwierigen Bedingungen liefern können.

Lange wurde die Zusammenarbeit beider Vereine in Frage gestellt. Warum geht das auf einmal?

René Meißner: Sicher sind es auch die großen Herausforde-rungen, die allein schon durch die Folgen der Corona-Pandemie auf unsere Stadt zukommen. Besonders für das Gastgewerbe und den Einzelhandel wird es schwieriger. Daher sollte es künftig wenig Platz für Befindlichkeiten und Selbstdarstellungen geben. Das betrifft nicht nur die Vorstände beider Vereine, sondern alle Akteure der Branche. Nur zusammen können wir die Probleme lösen. Wenn sprichwörtlich jeder sein Ding macht, wird da nichts. Darüber muss sich einjeder im Klaren sein.

Dietmar Stange: Die Zusammenarbeit beider Vereine hat bei der Organisation der letzten Veranstaltungen sehr gut funktioniert. Darauf wollen wir aufbauen. Im nächsten Jahr sind mindestens acht gemeinsame Veranstaltungen geplant. Ostern, die Kneipenfeste, die Senfwochen, das Altstadtfestival oder die Romantica, um nur einige zu nennen, bedürfen finanzieller und organisatorischer Anstrengungen. Wir werden unser Bestes geben. Ehrenamtliches Engagement wird aber allein nicht reichen. Deshalb sind wir besonders auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Auf jedem Fall bleiben wir äußerst kostengünstige Akteure für die Gestaltung einer lebendigen Stadt.

Wie geht es mit der Entwicklung des Stadtmarketings weiter?

Dietmar Stange: Jeder weiß um das ungenügende Stadtmarketing in Bautzen. Teure Gutachten und Expertisen wurden erstellt, umgesetzt davon herzlich wenig. Der Tourismusverein hat in den zurückliegenden Jahren viele Ideen und Vorschläge eingebracht. Schließlich verfügen wir in unseren Vorständen über eine Reihe von Experten, die etwas vom Fach verstehen. Leider gingen unsere Vorschläge bei der Stadtverwaltung, wenn überhaupt, nicht über die Kenntnisnahme hinaus. Auch zum gegenwärtigen Vorhaben eines Stadtmarketingvereins haben beide Vereine ein ganz konkretes Angebot unterbreitet. Wieder ist ein halbes Jahr vergangen, ohne das etwas passierte. Unsere Hoffnungen liegen jetzt bei den Stadträten, die sich zunehmend mit diesem wichtigen Thema befassen. Längerfristig geben wir die Sache noch nicht verloren.

René Meißner: Da ich erst seit kurzer Zeit dabei bin, kann ich in puncto Vergangenheit nicht mitreden. Meine Erfahrungen der letzten Monate bestärken mich allerdings in meiner Erkenntnis, dass in Bautzen großer Handlungsbedarf besteht.

Was planen beide Vereine in den nächsten Monaten?

René Meißner und Dietmar Stange: Wir werden uns sammeln, die durchgeführten Veranstaltungen auswerten und die Ziele für das nächste Jahr festschreiben. Wir haben dabei immer die Entwicklung unserer Stadt im Blick. Vor allem aber wollen wir in Ruhe weiterarbeiten.

Roland Kaiser / 14.11.2021

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