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Weißenberg will vielbefahrene Straße für Kinder sicherer machen

Weißenberg will vielbefahrene Straße für Kinder sicherer machen

Schon im letzten Jahr hatten sich Grundschuldirektor Michael Schönknecht, Kita-Leiterin Juliane Schmidt, die Direktorin der Freien Mittelschule, Manuela Ertel, und Bürgermeister Jürgen Arlt (v.l.) für Tempo 30 auf der Reichenbacher Straße stark gemacht.

Weißenberg. Bürgermeister Jürgen Arlt ist noch immer in Kampfeslust. Für die mehr als 300 Kita-Kinder und Schüler, die montags bis freitags im Bereich der Reichenbacher Straße unterwegs sind, möchte er nach wie vor beim Bautzener Landratsamt ein Tempo-30-Limit durchboxen. Aus Sicht des Stadtoberhauptes ist der Abschnitt für die Jungen und Mädchen sowie deren Lehrer, Erzieher und Eltern mit Risiken behaftet. Grundschuldirektor Michael Schönknecht, Kita-Leiterin Juliane Schmidt und die Direktorin der Freien Mittelschule, Manuela Ertel, hatten bereits im vergangenen Jahr zusammen mit dem Rathauschef auf die prekäre Situation vor Ort hingewiesen (der Oberlausitzer Kurier berichtete). Seitdem werde die Kommune vom Landkreis hingehalten, bedauern die Protagonisten. Doch weil sich dort auch Bushaltestellen befinden, bestehe schon ein gewisser Handlungsdruck.

Seit Jahren macht lediglich ein Schild „Achtung Kinder“ Autofahrer darauf aufmerksam, dass auf den nächsten Metern jüngere Passanten die Straßenseite wechseln. Doch nicht jeden würde das davon abhalten, den Fuß vom Gas zu nehmen, beobachtete der besorgte Bürgermeister. Auch nicht, seitdem der Landkreis das Piktogramm für alle sichtbar aufs Straßenpflaster zeichnen und das Verkehrszeichen selbst mit einer weißen Tafel hervorheben ließ. Jürgen Arlt räumt an der Stelle allerdings ein, dass sich ein Argumentieren momentan durchaus als schwierig erweist. Der Druck sei etwas raus, gesteht er ein. Denn aufgrund der Corona-Pandemie würden längst nicht mehr so viele Kraftfahrzeuge die Reichenbacher Straße in Anspruch nehmen wie vor deren Ausbruch. Zudem seien aufgrund der wochenlangen Schulschließungen und des eingeschränkten Kita-Betriebes kaum Kinder dort auf den Beinen gewesen. Doch eine Normalisierung der Ausgangslage ist absehbar, nachdem auch im Landkreis Bautzen die Inzidenzen stark gesunken sind.

In weiser Voraussicht hat die Kommune mit Unterstützung von Leader-Fördermitteln eine Untersuchung angeschoben, wie sich das gesamte Areal vor allem für Passanten verkehrssicherer gestalten lässt. Darin ist auch eine Straßenquerung vorgesehen, verlautete aus dem Rathaus. Wie diese einmal ausschauen könnte, das überlässt Jürgen Arlt jedoch denjenigen, die die in Auftrag gegebene Studie ausarbeiten.

Freistaat vereinfacht Vorgaben für Zebrastreifen

Als für Fußgänger sichere und geschützte Querungsmöglichkeit von Straßen dienen Zebrastreifen, wie das Sächsische Verkehrsministerium informierte. Deren Errichtung hat das Haus von Minister Martin Dulig eigenen Angaben zufolge nun vereinfacht. Um die Sicherheit und Attraktivität des Zufußgehens weiter zu verbessern, wie es aus Dresden heißt. „Insbesondere in Tempo-30-Zonen beispielsweise vor Schulen, Kitas oder im Bereich von Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs können Fußgängerüberwege angelegt werden, wenn hier bereits regelmäßige Überquerungen stattfinden und ein Sicherungsbedarf besteht“, sagte ein Behördensprecher. „Damit wird das Passieren von Straßen erleichtert und Schulwege können sicherer gestaltet werden.“

„Wir wollen damit die Interessen der Fußgänger stärken und vor allem die Verkehrssicherheit für die im Vergleich schwächeren Verkehrsteilnehmer weiter erhöhen“, erklärte der Minister. „Die Belange der Fußgänger müssen von den Planern in den Städten und Gemeinden von Beginn an mitgedacht werden.“ Bisher können in Sachsen Fußgängerüberwege in der Regel nur angelegt werden, wenn es erforderlich ist, dem Fußgänger Vorrang zu geben, weil er sonst nicht sicher über die Straße kommt. Dies sei allerdings lediglich dann der Fall, wenn es ein bestimmtes Aufkommen an Fahrzeugen und Fußgängern gibt. Die Schwelle für die Fußgängerstärke habe der Freistaat geöffnet. Nunmehr lasse sich auch bei weniger als 50 zu Fußgehenden je Spitzenstunde die Einrichtung eines Zebrastreifens prüfen.

Rathaus schiebt für Reichenbacher Straße an

Das Vierergespann aus Weißenberg will die Gelegenheit beim Schopfe packen. Denn es ist überzeugt davon, dass entlang der Reichenbacher Straße eine Notwendigkeit für eine vor allem für Kinder und Jugendliche sichere Straßenquerung existiert. „Unsere Aufgabe in der Verwaltung ist es, dass Ganze in eine Planung zu bringen. Diese soll im Anschluss öffentlich diskutiert werden“, meint Jürgen Arlt. Die dafür nötigen Ergebnisse einer Baugrunduntersuchung und Vermessung würden bereits vorliegen. Das Stadtoberhaupt geht deshalb davon aus, dass sich bis zum Spätsommer erste Variantengrundlagen erarbeiten lassen. Dann auch für eine Umgestaltung der angrenzenden Bushaltestellen und eines oft überlasteten Parkplatzes, der unter anderem vom Schul- und Kita-Personal genutzt werde.

Das Ministerium dämpft indes jede Euphorie. Generell bleibe die Anordnung eines Fußgängerüberweges stets eine Einzelfallentscheidung, die unter Beteiligung der Polizei und Straßenbaubehörde debattiert und entschieden werden sollte.

Roland Kaiser / 31.05.2021

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